FeedTrausferieren (lat.)
TechnikBrockhaus 1882

Trausferieren (lat.), übertragen, übersetzen; versetzen, verschieben. Transfert frz.), s. unter Metallotherapie. Transfiguration, s. Verklärung Christi. Transformation oder Umwandlung der Kräfteoder Energien bezeichnet die Möglichkeit einer Umsetzung von mechanischer Arbeit, z. B. von Reibung und Stoß, in Wärme ss. d.), und umgekehrt, wie bei den Dampf⸗ und Calorischen Maschinen(Thermomaschinen); ferner die Umsetzung von Wärme in Elektricität (Thermoströme), und durch diese in Magnetismus, Chemismus, zurück in Wärme und in Licht (elektrisches Glühen). Die Elektrisiermaschinen zeigen die T. von Reibung in Elektricität. Die erwähnten T. lassen schließen, daß die verschiedenen Naturkräfte oder Energien nur verschiedene Modifikationen der Bewegungen der Moleküle oder der Atome (d. i. der Bestandteile der Moleküle) und des zwischen ihnen befindlichen höchst feinen und elastischen Weltäthers seien. Den Grund zur Lehre von der T. der Kräfte hat die mechanische Theorie der Wärme vermöge des Wärmeäquivalents gelegt, was weiter zum Satze von der Unzerstörbarkeit der Energie (s. d.) geführt hat (R. Mayer 1842, Joule 1843, Colding 1843), während schon früher der Satz von der Unzerstörbarkeit oder Erhaltung der Materie gefunden worden war (Lavoisier 1772 —86, Wenzel 1772, Richter 1792). Diese beiden Sätze bilden das Fundament der modernen Physik und Chemie, sowie der auf denselben basierenden Naturwissenschaft. Vgl. Mayer, Die Mechanil der Wärwes (2. Aufl., Stuttg. 1874), Stewart, «Die Erhaltung der Energies (2. Aufl., Lpz. 1883). Transformatoren oder Sekundärinduktoren sind Apparate, mittels deren man im Stande ist, für die elektrische Beleuchtung (oder auch für die elektrische Kraftübertragung) von einer entfernten Centralstation aus hochgespannte Ströme in solche von geringer Spannung umzuwandeln und so mit bedeutender Ersparnis von Leitungsmaterial den Kraftverbrauch der Art und Zahl der brennenden Lampen genau anzupassen. Das Prinzip der in die verschliedenen Stationen einzuschaltenden T. beruht auf einer Umkehrung der Funktion der korffschen Spule. (S. unter Ruhmkorffscher Induktor.) Den ersten wirklichen Erfolg erreichte mit diesem Prinzip der französische Elektriker Gaulard. Bei dem System desselben besteht jedoch der Nachteil, daß das Erlöschen einer Lampe in dem Stromkreis eines T. auf die Stromkreise der übrigen T. einwirkt, wodurch komplizierte Mechanismen zur Regulierung notwendig werden. Dieser Nachteil ist bei dem von Ganz u. Comp. in Budapest ausgeführten Zipernowsky-Deri-Bläthyschen Stromverteilungssystem vermieden, welches außerdem eine schwächere Magnetisierung erfordert, um auf die notwendige Spannung gebracht zu werden. Bei demselben besteht der Kern des T. aus ringförmig gewickeltem Kupferdraht und ist mit dünnem und dickem Eisendraht fortlaufend ähnlich wie beim Grammeschen Ring (s. unter Elektrische Maschinen), aber mit Vermeidung von Polen, umwunden. Vermöge der eigentümlichen Schaltungsweise kann man in mehrern Stationen eine beliebige Anzahl von Lampen löschen, ohne daß eine merkliche Anderung in der Stromspannung, resp. in der Lichtstärke der brennenden Lampen eintritt. Transformieren llat.) heißt in der Mathematik einer Funktion, einer Gleichung u. s. w. eine andere Gestalt und Form geben, ohne jedoch ihren Wert zu ändern. Transformismns, soviel wie Descendenztheorie, s. unter Darwinismus. Transfusion (trausfusio sanguinis), chirurgische Operation, bei welcher einem Kranken Blut, das einem gesunden Menschen oder Tier (Lamm) durch einen Aderlaß entnommen wurde, zu Heilzwecken in die Blutgefäße gespritzt wird. Die Idee, nach starken Blutverlusten dem Kranken das Blut durch direkte Zufuhr andern Blutes zu ersetzen, ist schon sehr alt, aber erst in neuerer Zeit ausführbar geworden. Die erste T. am Menschen wurde am 15. Juni 1667 von dem franz. Arzt Jean Baptiste Denis ausgeführt, doch geriet die Operation bald in Mißkredit, wurde sogar vom Parlament von Paris und vom Papst verboten; im zweiten und dritten Decennium des 19. Jahrh. wurde sie von Blundell, Dieffenbach und Martin wieder in die Praxis eingeführt. Die Hauptregel bei der T. ist, weder Luft noch andere feste Teile in die Blutgefäße einzuspritzen, die größer sind als die Blutkörperchen, weil diese sowie die Luftblasen in den Arterien stecken bleiben und dadurch schwere Krankheiten, selbst augenblicklich den Tod herbeiführen könnten. Daher ist das alte Verfahren, die Arterie des blutgebenden Tiers unmittelbar mit der Vene des blutempfangenden Tiers zu verbinden, unausführbar, weil das Blut unterwegs gerinnt und die groben Gerinsel in die Blutgefäße des zweiten Tiers eindringen. Man verfährt dabei vielmehr so, daß man einem gesunden Menschen zur Ader läßt, das Blut in einem ganz reinen Gefäß auffängt, dasselbe schlägt oder quirlt, um den Faserstoff auszuscheiden, und durch ein reines Tuch filtriert. Dann öffnet man dem, welchem das Blut transfundiert werden soll, eine Vene und spritzt in diese langsam das zuvor erwärmte und mit Luft geschüttelte Blut ein. Neuerdings haben Aveling, Landois und Roussel auch besondere Apparate angegeben, um das Blut direkt aus der Vene des blutspendenden Individuums in eine Vene des Kranken überzuleiten. Zu einer T. ist nur eine geringe Menge (150—200 g) Blut erforderlich. Man hat die T. bis jetzt fast nur nach starken Blutverlusten (bei Neuentbundenen, Verletzten, Operierten), so- wie gegen die Kohlenoxydvergiftung angewendet. Sofort nach der T. hebt sich der Puls, das Gesicht rötet sich, das Bewußtsein kehrt wieder. Litteratur. Leisrink, «Über die T. des Blutes) (Berl. 1872); Gesellius, Die T. des Blutes (Petersb. 1873); Berns, «Beiträge zur Transfusionslehres (Freiburg i. Br. 1874); Hasse, «Die Lammbluttransfusion beim Menschen» (Petersb. 1874); Landois, «Die T. des Blutes» (Lpz. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 799Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6