Maschinen und Maschinenwesen. Unter Maschine (vom lat. machina, frz. machine, engl. machine, engine) versteht man eine künstliche Verbindung widerstandsfähiger Körper, vermöge deren mechan. Kräfte genötigt werden können, unter gewissen Bedingungen bestimmte Bewegungen zu bewirken. (Vgl. die Artikel: Bewegungsmechanismen, Kinematik, Mechanik.) Die Kräfte, welche zum Betrieb der Maschinen benutzt werden, sind: die Muskelkraft von Menschen und Tieren, die Kraft des bewegten Wassers und der bewegten Luft, die Spannkraft des Wasserdampfes, der erhitzten Luft, explodierender Gase, ferner Gewichte, Federn und in neuerer Zeit die Elektricität. (S. Wässermotoren, Windmotoren, Dampfmaschine, Lokomobilen, Calorische Maschinen, Gaskraftmaschine, Dynamometer, Wagen, Elektrische Maschinen.) Die unter der Einwirkung dieser Kräfte von der Maschine zu leistende Arbeit besteht am häufigsten entweder in der Hebung, resp. Fortbewegung von Lasten (f. Hebeapparate, Pumpen, Lokomotive), oder in verschiedenartigen Formveränderungen, wie in der Lostrennung von Teilchen, in der Zerkleinerung fester Massen, in der Vereinigung mehrerer Teile zu einem Ganzen. (S. Bohrmaschinen, Holzbearbeitungsmaschinen, Blechbearbeitungsmaschinen, Drehbank, Mühlen, Spinnmaschinen unter Baumwollindustrie, Flachsspinnerei und Wollspinnerei, Webstühle unter Weberei u. s. w.) Man unterscheidet im wesentlichen drei Arten von Maschinen: 1) Kraftmaschinen (s. Motoren), welche zur Aufnahme der Betriebskraft bestimmt sind, 2) Zwischenmaschinen (. Transmissionen), die zur Fortleitung, Richtungsänderung oder Regulierung der Bewegung dienen; 3) Arbeitsmaschinen (s. d. Spezialartikel), durch welche die Orts- und Formveränderung hervorgegebracht wird. Ofters sind auch alle drei Arten von Maschinen in einer Konstruktion vereinigt, z. B. in einem Dampfhammer (s. d.), bei welchem der Dampfeylinder mit seinem Kolben den Motor, die Kolbenstange die Transmission und der Bär mit dem Hammerkopf die Arbeitsmaschine darstellt. In den Werkzeugmaschinen, welche vom industriellen Gesichtspunkt den Begriff der Arbeitsmaschinen repräsentieren, sind die zur Herstellung irgend eines gewerblichen Erzeugnisses gebrauchten Werkzeuge, oft in höchst sinnreicher Weise modifiziert, angebracht. Durch die Einführung derselben ist die Leistungsfähigkeit der Industrie sowohl in quantitativer als in qualitativer Hinsicht zu staunenswerter Höhe gesteigert worden, da mit ihrer Hilfe die Arbeit nicht nur schneller und gleichmäßiger, sondern auch möglichst unabhängig von der Intelligenz und Geschicklichkeit des Arbeiters vor sich geht, indem sich die Thätigkeit des letztern meist auf die Zu⸗ und Abführung der Materialien, die Beseitigung etwaiger Betriebsstörungen und die Beaufsichtigung im allgemeinen beschränkt. Die heutige wahrhaft großartige Dimensionen aufweisende Maschinenindustrie hat sich naturgemäß aus dem in neuerer Zeit immer weiter ausgebildeten System der Arbeitsteilung entwickelt, nach welchem der einzelne Arbeiter immer nur einen Gegenstand, resp. einen Bestandteil, diesen aber infolge der erlangten übung in größter Vollkommenheit liefert, wodurch seine Arbeit an und für sich den Charakter des Mechanischen und Maschinenmäßigen erhält; doch werden auch komplizierte Maschinen konstruiert, welche verschiedene Arbeiten in mehrern aufeinander folgenden Operationen verrichten. Vom nationalökonomischen Standpunkt hat man l. als Einwand gegen die Einführung der Maschi⸗( nenarbeit geltend gemacht, daß durch dieselbe ein d großer Teil der besizlosen Klasse brotlos werden müsse. Allerdings hat diese Veränderung der Pro-I duktionsweise zunächst die Folge gehabt, die Arbeit vieler Hände überflüssig zu machen; dagegen ist durch die besfere und billigere Herstellung der gewerblichen Erzeugnisse der Konsum und folglich auch der Bedarf an Arbeitern enorm gesteigert worden, sodaß in volkswirtschaftlicher Beziehung ein Ausgleich stattfindet, und andererseits ist erst durch die Anwendung von Maschinen die Herstellung mancher Gegenstände möglich geworden, z. B. der kolossalen Eisenarbeiten, wie sie jetzt mit Hilfe der großen, durch Clementarkraft betriebenen Krane, Winden, Drehbänke, Bohr⸗, Hobel⸗, Fräsmaschinen u. s. w. zur Ausführung kommen. Endlich bietet der Maschinenbau selbst, obwohl auch hierzu Maschinen verwendet werden, zahlreichen Arbeitern Beschäftigung, die im allgemeinen besser als gewöhnliche Fabrikarbeiter bezahlt werden. Als das eigentliche Stammland des Maschinenbaues und der Maschinenindustrie ist England zu betrachten. Begünstigt durch den Reichtum des Landes an Eisen und Steinkohlen, sowie durch den praktischen Sinn und die Energie der Nation, fand die Dampfmaschine, als der von Anfang an gebräuchlichste Motor, nachdem sie durch James Watt im wesentlichen ihre heutige Gestalt erhalten hatte, in England zuerst Eingang und hat sich hier in raschem Fortschritt vervollkommnet, wie auch dem englischen Erfindungsgeist die praktische Gestaltung der wichtigsten Arbeitsmaschinen, namentlich der in der Landwirtschaft und der in der Spinnerei zur Anwendung kommenden, zu danken ist. In Frankreich hat die Theorie des Maschinenbaues, welche durch die vorzüglichen technischen Lehranstalten eine sorgfältige Behandlung und weite Verbreitung findet, die Grundlage mancher bedeutenden Erfindung gebildet. Das verhältnismäßig kleine Belgien nimmt, dank einigen hervorragenden Firmen, auf dem Gebiete des Maschinenbaues eine ehrenvolle Stellung ein. Deutschland hat sich auf diesem Gebiet in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr vom Ausland unabhängig gemacht, wobei ihm die vergrößerte Ausbeute seines Eisen-und Kohlenreichtums zu statten kommt; viel hat hierzu auch das Aufblühen technischer Bildungsanstalten, sowie die intensive und extensive Wirksamkeit seiner zahlreichen Gewerbevereine beigetragen. In Nordamerika sind es die Kostspieligkeit menschlicher Arbeitskräfte und der Reichtum an Brennmaterial in Verbindung mit dem Unternehmungs⸗ und Spekulationsgeist der Amerikaner, welche den Impuls zu dem mächtigen Aufschwung der Maschinenindustrie gegeben haben; vor allem hat dort der Bau von Werkzeugmaschinen einen hohen Grad der Ausbildung erreicht. Was die in neuester Zeit fortschreitende Entwickelung des