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ErdkundeBrockhaus 1882

Trapezunt, Trabezon, Trabizun, Tirabzon, Trebisond in der Lingua Franca (frz. Trebisonde, engl. Trebizond, türk. Taräbosan oder Taräbusun), die Hauptstadt eines türk. Vilajets in Kleinasien, nach Smyrna der wichtigste Handelsplatz der asiat. Türkei, liegt malerisch an der 1300—1600 meansteigenden Küste, an der Mündung des Dejimen-su (d. h. Mühlenbach), am Fuße des waldbedeckten 3410 m hohen Kolat-Dagh, teils als Neustadt unten auf niedern Hügeln, teils als Altstadt oder eigentliche Türkenstadt, die eine hohe Mauer umzieht, an der Höhe hinauf zu einer oben schmal zulaufenden Felsplatte, die von zwei tief eingerissenen, von je einer Steinbrücke überspannten Schluchten auf beiden Seiten eingerahmt und verteidigt wird und das Schloß oder die Citadelle trägt, im Mittelalter der Residenzpalast des Kaisers von T. Die Steinbrücke der westl. Schlucht führt zu einer meist von Türken bewohnten Vorstadt, welche das schönste Denkmal T.s aus dem Mittelalter enthält, die ehemalige griech. Sophienkirche, jetzt Moschee Hägia⸗-Sofia. Die östl. Vorstadt, zu welcher die andere Brücke führt, gestaltet sich durch Anbau zur eigentlichen Stadt, während die Altstadt, bis an die Citadelle hinauf, dicht bewohnt ist und als „Burgo bezeichnet wird. Die Neustadt, mit fünf griech. Hauptkirchen, ist Sitz der Christen, in deren Händen der gesamte Handelsverkehr liegt. T. ist Sitz eines griech. Metropoliten und hat 20 christl. Kirchen. Von den 18 Moscheen, welche sämtlich einst christl. Kirchen waren, liegen nur drei bedeutendere in der Neustadt. An diese schließen sich die äußersten östl. Vorstädte, eine türkische und eine griechische. In den letztern befinden sich die europ. Handelsniederlassungen und ein im Sommer viel benutzter Landungsplatz. Ein eigentlicher Hafen ist nicht vorhanden. Größere Fahr-Rech liegen im Sommer auf der ganz offenen eede, im Winter in dem 11 km Hehn Westen entfernten Hafen von Platana oder Bulatkhaneh (Hermonassa im Altertum). Die Schiffsbewegung belief sich 1883 auf 519 Fahrzeuge von 390670 Registertons. T. hat gegenwärtig 32000 E. Der Gewerbfleiß der Bevölkerung liefert Waffen, gestickte Kleider, kleine Koffer, Pfeifen, feine Silberfiligranarbeiten, Gold⸗, Kupfer⸗ und Stahlarbeiten, Leder⸗ und Lederwaren, neuerdings auch Hanf,, Seiden⸗ und Baumwollwebereien. Die Umgegend baut hauptsächlich Nüsse und Bohnen. Die Berge sind überaus reich an Erzen. Durch seine Lage bildet T. den Hauptstapel⸗ und Speditionsplatz des Handels zwischen Europa, Armenien Persien und ganz Centralasien bis zur chines. und ind. Grenze und steht durch 5 Mesageries m (Ssterreichisch-Ungarischer Lloyd, Messageries maritimes, ussische Dampfschiffahrtsgesellschaft und Nederlandsche Stoomboot-Maatschappij) mit Konstantinopel und den Donaumündungen in Verbindung, sowie durch regelmäßige Karawanenzüge mit Erzerum, Täbris und Syrien; doch hat der Handel in neuester Zeit durch die Bahn Poti-Tiflis-Baku mit ihrer Abzweigung nach Batum sehr verloren. Das alte Trapezüs war eine griech., von Synope aus 756 v. Chr. angelegte, bedeutende Pflanzstadt, unter Hadrian die wichtigste Stadt am Euxinus. Dieselbe, im 7. und 8. Jahrh. zum Thema Armeniacon, vom 9. bis 12. Jahrh. zum Thema Chaldia (Chaldäa) gehörig und in byzant. Zeit Sitz eines Metropoliten, wurde im spätern Mittelalter von Wichtigkeit, wo sie einem kleinen Reiche, dem sog. Kaisertum Trapezunt, den Namen gab. Als nämlich durch die innern Streitigkeiten der kaiserl. Familie zu Konstantinopel die Kreuzfahrer (Franzosen und Venetianer) veranlaßt wurden, Konstantinopel zu belagern, und nach Eroberung der Stadt 1204 die regierende Familie vertrieben, errichtete ein Prinz des vertriebenen kaiserl. Hauses, Alexius, einen neuen kleinen Staat in Asien und nahm seinen Sitz in T., wo er vorher Statthalter gewesen. Seine Nachfolger legten sich den Kaisertitel bei und führten den Bamiltennawen der Komnenen fort. Endlich unterlag dieses Kaisertum der türk. Ubermacht. David Komnenus, der letzte Kaiser von T., wurde in seiner Hauptstadt 1461 von Mohommed II. belagert und mußte sich dem Sieger ergeben, der das Land dem türk. Reiche einverleibte und den Gefangenen nebst seiner Familie 1465 in Konstantinopel hinrichten ließ. Vgl. Fallmerayer, Geschichte des Kaisertums von T.v (Münch. 1827).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 807Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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