Trichine oder spiraliger Haarwurm (Trichina spiralis) heißt ein kleiner Wurm aus der Klasse der Nematoden, dessen Männchen (. beistehende Fig. 1, A) nur 1½ mm, dessen größeres Weibchen (Fig. 1, B) bis 3 mm lang wird, und der auch im ausgewachsenen Zustande kaum mit bloßem Auge gesehen werden kann. Die Geschichte dieser besonders von Virchow, Leuckart, Pagenstecher u. a. näher untersuchten, dem Menschen höchst gefährlichen Eingeweidewürmer ist folgende. Die erwachsenen T. (Darmtrichinen) leben im Darme verschiedener Tiere, vorzugsweise der Schweine, aber auch der Kaninchen, Ratten, Mäuse und des Menschen selbst. Die erwachsenen Weibchen strotzen von lebendigen Jungen, die bald ausgestoßen werden, und können im Laufe ihrer Lebensdauer von etwa 4 bis 5 Wochen wenigstens 200 Junge erzeugen. Diese Jungen bohren sich sogleich in die Darmwände ein, wandern, wahrscheinlich mit dem Blute, bis in die Körpermuskeln, setzen sich in diesen als Muskeltrichinen fest, nähren sich eine Zeit lang von den Muskelfasern, wachsen und kapseln sich dann ein. Ursprünglich sind diese Kapseln vollkommen durchscheinend und können nur durch das Mikroskop als meist spindelförmige Körper, in deren Mitte die T. aufgerollt liegt, erkannt werden (s. Fig. 2). Allmählich aber sammelt sich eine körnige, weißer Kreide ähnliche Masse in der Kapsel an, die dadurch wie ein weißes Pünktchen erscheint, das nun auch mit bloßem Auge gesehen werden kann. In dieser verkreideten Kapsel kann die T. jahrelang liegen, und in diesem Zustande wurde sie zuerst 1835 von Owen im Muskelfleische H des Menschen entdeckt. Wird nun mit T. besetztes Fleisch vom Menschen gegessen, so löst sich die Kapsel im Verdauungsprozeß auf, die darin enthaltene T. wird frei, ihre Geschlechtsorgane entwickeln sich im Darme, und binnen wenigen Tagen ist die Bildung der Jungen vollendet und die Einwanderung derselben in den Darm und die Muskeln beginnt. Da die Tiere und besonders die sind zahlreiche epidemische Trichinenerkrankungen der Menschen beobachtet worden; den größten Schrecken verbreitete die Epidemie zu Hedersleben bei Ouedlinburg (1865), in welcher von etwa 2000 E. 337 erkrankten und Fig. 2. 101 starben. Die Krankheitserscheinungen selbst werden durch das Einwandern der Jungen und ihr Verzehren des Muskelfleisches bedingt; sie hören auf, sobald die Kapseln zu verkreiden beginnen. Um so schwerer sind die Krankheitserscheinungen, je mehr trichinöses Fleisch genossen ward, je mehr Würmer also und Junge einwandern. Die Erscheinungen der Trichinenkrankheit (Trichinöse) wechseln sehr; aber eine eigentümliche Anschwellung des Gesichts, heftige Schmerzen, Steifheit und Schwäche in den Muskeln kommt stets vor. Solange die Trichinenmütter noch im Darm sind, kommen oft Erscheinungen wie von Magenkatarrhen, gastrischem Fieber oder Ruhr vor, und dann helfen auch Abführmittel. Sind aber die Jungen einmal eingewandert, so kann der Arzt direkt gegen sie nichts thun, sondern nur suchen, die Kräfte des Kranken, der häufig durch Lähmung der Atemmuskeln zu Grunde geht, so lange zu erhalten, bis die Einkapselung geschehen ist (etwa drei bis vier Wochen nach der Einwanderung). Im Beginn der Erkrankung werden starke Abführmittel, Benzin, große Gaben Alkohol, sowie reines Glyzerin (stündlich einen Eßlöffel) empfohlen. Die eingekapselten T. werden von keiner Bereitungsweise des Fleisches (Einsalzen, Räuchern u. s. w.), getötet, sondern nur durch die beim Kochen und Braten entwickelte Hitze, wenn dieselbe den Kochrunkt erreicht. Alle Vergiftungen sind durch rohes Fleisch, einfach gehackt, durch Schinken, Cervelatwürste u. s. w. hervorgebracht worden. Man esse daher kein rohes oder nur gepökeltes oder geräuchertes Schweinefleisch, sondern nur wohl gekochtes und gebratenes. Dabei ist wohl zu beachten, daß die Wärme nur sehr langsam eindringt und daß ein dicker Schweinebraten mehrere Stunden braucht, um im Innern sich bis zur Todeshitze der T. zu erwärmen. Will man doch Schinken, Schlackwurst u. s. w. roh essen, so thue man es nie ohne vorherige mikrostopische Untersuchung des Fleisches durch einen Sachverständigen. Für die Wohlfahrtspolizei aber ist unabweisliche Forderung, daß jedes geschlachtete Schrein unmittelbar von einem Sachverständigen mikroskopisch untersucht (obligatorische Trichinenschau) und erst nach dessen Zeugnis der Trichinenlosigkeit verwendet werden dürfe. Man weiß noch nicht mit Bestimmtheit, wie den Schweinen die T. zugeführt werden; jedenfalls durch die Nahrung. Die Züchter werden deshalb in ihrem eigenen Juteresse darauf sehen, daß ihre Schweine nur gekochtes Futter, dagegen durchaus keine Fleischabfälle erhalten. An Orten, wo die Schweine nur Stallfütterung und gekochtes Futter bekommen, wurde bis jetzt wenigstens noch nie Trichinenkrankheit derselben beobachtet. Litteratur. Leuckart, «Untersuchungen über ITrichina spiralis „ (2. Aufl., Lpz. 1866); derselbe, „Die menschlichen Parasitenv (2 Bde., Lpz. 1866— 67)1 Virchow, «Lehre von den T. » (3. Aufl., Berl. 1866); Pagenstecher, «Die T.y (2. Aufl., Lpz. 1866); Kuntz, «Trichinenkunde (Stuttg. 1876); Tiemann, „Leitfaden für die mikroskopische Untersuchung des Schweinefleisches auf T.v (Bresl. 1879)1 Benecke, »Die T. und die mikroskopische Fleischschaub (Straßb. 1879).