FeedTrinitätslehre
ReligionBrockhaus 1882

Trinitätslehre ausbildete. Auch der deutsche Rationalismus verwarf dieselbe als unbiblisch und mit dem natürlichen Glauben an die Einheit des höchsten Wesens im unausgleichlichen Widerspruch, während der Supernaturalismus Schritt vor Schritt zu subordinatianischen, arianischen und sabellianischen Meinungen zurückkehrte. Die Kantsche Philosophie sah in der T. nur eine symbolische Andeutung der göttlichen Macht, Weisheit und Liebe, oder die schöpferische, erhaltende und regierende Wirksamkeit Gottes. Auch Schleiermacher, der sie in seiner Glaubenslehre in den Anleius verwies, redete nur von verschiedenen Daeinsformen des göttlichen Seins. Dagegen fand nach dem Vorgange Schellings die Hegelsche Schule in ihr den Inbegriff alles spekulativen Gehalts des christl. Glaubens zusammengefaßt, indem man das Ansichsein des Absoluten als den Vater, sein Anderssein in der Welt als den Sohn, seine Rückkehr zu sich selbst im menschlichen Bewußtsein als den Geist bezeichnete. Seitdem wurde es auch in theol. Kreisen wieder üblich, von der Dreieinigkeit als den drei wesentlichen Momenten im Selbstvermitte—⸗ lungsprozesse des göttlichen Wesens o, oder von nnern Unterschiedens in der Gottheit, durch welche Gott selbst erst ein lebendiger v werde, zu reden. In abenteuerlichster Mischung wurde aus dogmatischen Formeln und halbverstandenen philos. Phrasen eine neue, spekulativ sein sollende Trinitätslehre gestaltet, die weder kirchlich noch philosohisch war. Beim Erwachen aus dem spekulativen Taumel flüchteten die einen unter die alte Kirchenautorität und unter den Schutz des Mysteriums fabeltt während die andern zu unitarischen oder abellianischen Ansichten sich hinneigten. Die freie Theologie der Gegenwart hat erkannt, daß der religiöse Gehalt der biblischen Gedanken von Vater, Sohn und Geist, oder von dem Einigen, in Christus volloffenbarten, durch seinen Geist in den Gläubigen Wohnung machenden Gott, mit der Spekulation als solcher gar nichts zu thun habe, noch weniger aber mit den spät erst aus eprägten kirchlichen Formeln identisch sei. Fhrerseits begnügt sie sich eine Dreiheit ewiger Wesensbestimmitheiten im Absoluten (das absolute Leben, das absolute Wesen, den absoluten Geist) zu lehren, deren Beziehungen zur Welt, zum Menschen und zum frommen Selbstbewußtsein in immer konkreterer Mannigfaltigkeit die absolute Macht, Intelligenz und Güte Gottes offenbaren. Vgl. Meier, «Die Lehre von der T.» (2 Bde., Hamb. u. Gotha 1844); Baur, Die christl. Lehre der Dreieinigkeito (3 Bde., Tüb. 1811-43), und Langen, Die trinitarische Lehrdifferenz zwischen der abendländ. und morgenländ. Kirches (Bonn 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 848Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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