Ephraem der Syrer, der gefeiertste Kirchenschriftsteller der syr. Kirche, daher mit ehrenden Beinamen, wie «Prophet der Syrero, «der beredte Mund », «Säule der Kirchen u. a. ausgezeichnet, ward um 306 zu Nisibis geboren. Von seiner Jugend ist nichts bekannt; sogar darüber gehen die Nachrichten auseinander, ob die Eltern Heiden waren oder Christen. Der Bischof Jakob von Nisibis gewann ihn dem christl. Glauben und führte ihn ins Studium der Bibel ein. Als 363 Nisibis an die Perser abgetreten ward, begab sich E. nach Edessa, schon damals Hauptsitz der syr. Gelehrsamkeit. Er wurde Mönch, lebte in einer Höhle in der Nähe der Stadt mit ascetischen libungen und theol. Schriftstellerei beschäftigt. Auch sammelte er eine Anzahl von Schülern um sich und predigte gegen verschiedene Ketzereien der Zeit. Der Bericht von einem längern Aufenthalt E.s in Agypten ist wenig glaubwürdig, aen Cas besuchte er Basilius d. Gr. im kappadocischen Cäsarea und wurde von ihm zum Diakon geweiht. Er starb zu Edessa, wahrscheinlich 378. Griechen und Maroniten feiern sein Gedächtnis den 28. Jan., die Römischen den 1. Febr. Von E.s zahlreichen Werken sind einige im syr. Urtext, andere in griech., lat., armen. und slaw. Übersetzung auf uns gekommen. Die vollständigste Sammlung der syr. und griech. Terte erschien unter päpstlicher Autorität von Assemanni (6 Foliobände, Rom 1732—46), der armenischen von den Mechitaristen (4 Bde., Vened. 1836), der slawischen von Peter Kohl (Moskau 1701). Von größter Bedeutung ist der im Anschluß an die Peschito ausgearbeitete syr. Kommentar zu sämtlichen Büchern des Alten und den meisten Büchern des Neuen Testaments. Außerdem gibt es von ihm eine große Anzahl Hymnen und Reden. Vgl. Bickell, Ephraem Syri carmina Nisibena o (Lpz. 1866); Zingerle, KSermones duo (Brixen 1870). Eine wertvolle übersetzung vieler Reden und Gesänge gab Pius Zingerle, «Ausgewählte Schriften des heil. Kirchenvaters E.v (6 Bde., Innsbr. 1830— 38). Von demselben sind: «Ausgewählte Schriften des heil. E. von Syrien aus dem Griechischen und Spanischen übersetzte (3 Bde., Kempten 1870—76). Über E.s exegetische Leistungen handelt Lengerke: „De Ephraemo scripturae sacrae interpreteo (Halle 1828), De Ephraemi arte hermeneutica (Königsb. 1831); Das Leben des heil. Ephrämo schrieb Alsleben (Berl. 1853).