Trüffeln nennt man die Fruchtkörper einiger Pilze aus der Familie der Tuberaceen, besonders der Gattung Tuber Mich. Die T. sind knollenartige, unter der Erde wachsende Gebilde, die im Innern ein saftiges, von verschiedenen dunkel gefärbten Adern durchzogenes Fleisch besitzen, sodaß sie beim Durchschneiden marmorartig gezeichnete Schnittflächen erkennen lassen. Dieses Fleisch besteht aus reichlich entwickeltem Hyphengeflecht mit dazwischenliegenden zahlreichen Sporenschläuchen, die meist vier mit netzartiger Oberfläche versehene dunkel gefärbte Sporen enthalten. Die marmorartige Zeichnung ruhrt daher, daß der ganze Fruchtkörper in zahlreiche, durch braune dichte Hyphenmassen ausgefüllte und durch wenigerdichte Dyphenstränge mit reichlichen Luftlücken voneinander getrennten Kammern zerteilt ist. Die Umhüllung des Fruchtkörpers wird durch eine mehr oder weniger dicke dunkel gefärbte Peridie mit glatter oder warziger Oberfläche gebildet. Man kennt etwa 20 Arten, die besonders in Südeuropa vorkommen, aber auch in Deutschland sowie in nördlichern Gegenden sich vereinzelt finden. Aus andern Weltteilen sind bisher nur wenige Fundorte bekannt geworden, doch ist es wahrscheinlich, daß die T. eine sehr ausgedehnte Verbreitung besitzen, nur ist das Aufsuchen derselben wegen ihres Vorkommens im Erdboden bedeutend erschwert. Das Mycelium dieser Pilze ist im Boden als spinnwebeartiges Hyphengeflecht vorhanden und findet sich ebenso wie die Fruchtkörper nur in humusreichem, kalkhaltigem Boden von Laubwäldern, besonders Eichen-⸗ und Hainbuchenbeständen; doch kommen auch in andern Laubwäldern, wenn auch nicht so reichlich, T. vor. In welcher Beziehung der Trüffelpilz zu den Wurzeln der Bäume steht, ob er als Parasit auf denselben wächst oder ob er saprophytisch lebt, ist nicht sicher bekannt, obwohl schon zahlreiche Untersuchungen darüber angestellt wurden. Das Auffuchen der Trüffelplätze (treffières) geschieht in Frankreich und anderwärts mittels zu diesem Zweck abgerichteter Hunde oder Schweine, die dem aromatischen Geruch des Pilzes nachgehen und den Erdboden an den Stellen, wo sich T. vorfinden, aufwühlen. übrigens gibt es in Frankreich auch viele geübte Trüffelsucher, die ohne weitere Hilfsmittel das Vorhandensein von T. an gewissen Veränderungen, kleinen Spalten u. dgl. der Bodenoberfläche erkennen. Da die T. schon seit Zeit ein sehr wichtiger Handelsartikel ist, so hat man schon mehrfach Versuche gemacht, um diesen wertvollen Pilz künstlich zu züchten, doch sind diese Versuche bisher sämtlich ohne irgendwie erfolgreiche Resultate geblieben. Die wichtigsten Arten der Gattung Tuber, welche in den Handel kommen, sind I. brumale Vittad,, T. melanospermum Vittad., T. aestivum Vittad. und T. mesentericum Vittad.; sie finden sich sämtlich am reichlichsten in den Trüffelgegenden Frankreichs und Italiens, kommen jedoch auch in Deutschland an einzelnen Orten, z. B. in den Rheingegenden, vor, besonders die letztern drei Arten. J. brumale und T. melanospermum (T. cibarium Pers.) haben Sporen mit stacheliger Oberfläche, die beiden andern dagegen solche mit netzartig verdicktem Episporium. Die Fruchtkörper von I. brumale erreichen zuweilen eine bedeutende Größe, sie werden bis zu 1 kg schwer und sind dann über faustgroß, die meisten in den Handel kommenden T. haben etwa die Größe einer mittlern Kartoffel oder einer welschen Nuß, sie sind kugelig und mit zahlreichen Wärzchen besetzt. Am meisten geschätzt werden die von Perigueur (s. d.) aus versandten sog. Perigordtrüffeln. Ahnlich wie die ebengenannte Sorte verhalten sich die Fruchtkörper von T. melanospermum, doch sind sie meist etwas kleiner, dasselbe gilt von den beiden übrigen Arten. Alle haben eine dunkelbraune Oberfläche und im Innern ein von zahlreichen abwechselnd dunkeln und hellen Adern durchzogenes Fleisch. (S. Tafel: EDß bare Pilze, Fig. 3.) Die Färbung der dunkeln Adern ist bei den einzelnen Formen etwas verschieden, bei T. brumale schwärzlich-grau, bei T. melanospermum rötlichschwarz, bei T. aestivxum und T. mesentericum hellbraun. Außer den genannten Arten werden noch verschiedene andere gegessen, so die in Italien häufige weiße ital. T., T. magnatum Pico mit hellbrauner glatter Oberfläche und starkem knobauchartigen Geruch; ferner die sog. Holztrüffel (Trifole di legno), T. excavatum Vittad. und T. rufum Pico, welche beide sich am häufigsten in Italien und Frankreich finden, doch auch in einzelnen Gegenden Deutschlands stellenweise vorkommen. Neben den Arten der Gattung Tuber werden auch noch einige andere Tuberaceen ähnlich wie die T. benutzt; dazu gehört die sog. weiße deutsche T. Choiromyces maeandriformis Vittad., die eine blaßbraune glatte Peridie und im Innern ein weißes, mit wenigen dunkeln Adern durchzogenes Fleisch besitzt; sie hat eine knollenartige unregelmäßige Gestalt und wird etwa faustgroß. Sie findet sich in Deutschland, besonders in Schlesien und Böhmen, außerdem in Oberitalien und England. Eine zweite in den Mittelmeerländern vorkommende Art, die schon von den Römern sehr geschätzt wurde, gehört zur Gattung Tertezia und heißt T. leonis Tul., sie wird besonders in Algier in großen Mengen gesammelt. In Deutschland wird manchmal eine Art der Gattung Elaphomyces (s. d.) als T. auf den Markt gebracht, die sich aber auf der Schnittfläche durch gleichmäßige Färbung, sowie durch die dicke holzige Peridie von den echten T. sofort unterscheiden läßt; vor ihrem Genuß ist zu warnen, da sie einen unangenehmen Geschmack und Geruch besitzt und auch der Gesundheit nachteilig sein dürfte. Die größte Menge der Erzeugung von T., aber auch des Verbrauchs kommt auf Frankreich; man beziffert den jährlichen Ertrag auf 12 Mill. Frs., die Ausfuhr auf einige hunderttausend Kilogramm (nach Deutschland gehen deren über 50000), die Einfuhr bis etwa ein Zehntel des eigenen Ertrags. Die Größe der Erzeugung von T. in Deutschland ist nicht bekannt; sie werden hauptsächlich im Thüringerwald, Schwarzwald und Harz in Buchenwäldern mit gutem Humusboden gewonnen. Versendet werden die T. in Fässern frei oder einzeln in Papier verpackt, oder als Konserven, oder in Wein gekocht und dann in Ol eingemacht. Aufbewahrt müssen sie in luftigen Räumen werden; frische T. halten sich im Erd-oder Sandbett in guten Kellern bis 14 Tage und länger. Vgl. Planchon, La traffe v (Par. 1875); Hamm, Die T. (in «Unsere Zeitv, Jahrg. 1875, 1. Hälfte). (stände, s. u. Blütenstand.