FeedTscheremissen
ErdkundeBrockhaus 1882

Tscheremissen, ostfinn. Nation im europ. Rußland, die sich selbst Mari, d. i. Männer, nennen, leben meist am linken Ufer der Wolga, in den Gouvernements Kostroma, Nishnij-Nowgorod, Kasan, Wiätka, Perm und Ufa. Sie sind den eigentlichen Finnen dem Charakter nach sehr ähnlich und reden einen finn., doch mit vielen russ. und tatar. Ausdrücken untermischten Dialekt. Zur Zeit der Tatarenherrschaft wohnten sie südlicher, zwischen Wolga und Don. Nachmals kamen sie mit den übrigen ostfinn. Völkerschaften an das Russische Reich, behielten zwar anfangs noch ihre Chane bei, verloren diese indes später und auch ihr Nomadentum, sodaß aus ihnen ansässige Hirten, Ackerleute, Jäger, Fischer und besonders betriebsame Bienenwirte geworden sind. Doch leben sie auch gegenwärtig noch vereinzelt, am liebsten in Wäldern, wozu die großen Urwaldungen an der Wolga günstige Gelegenheit darbieten. Ihre Weiber verstehen die Kunst des Webens und Färbens, und die ganze Kleidung der T. wird von ihnen selbst gefertigt. Obwohl dieses im ganzen ärmliche, wenig reinliche und scheue Volk sich zur griech.⸗russ. Kirche bekehrt hat, übt 6s doch noch eine Menge heidnischer Religionsgebräuche. Die Kopfzahl der T. wird auf etwa 260 000 angegeben; davon kommen auf die Gouvernements Kasan und Wjätka je 100000, auf Ufa 50000. Der Dialekt der T. wurde grammatisch behandelt von Castren (Kuopio 1845), Wiedemann (Reval 1847) und Budenz (Vocabularium Tscheremissicumo, Pest 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 878Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 12

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6