Tuamotu, früher bei den Tahitiern Paumotu oder Pomötu, auch unter den Namen Perleninseln, Niedrige Inseln (Archipel des Iles Basses, engl. Lomw Archipelago), Gefährliche tInseln oder Archipel des Bösen Meers Archipel Dangereux oder de la Mer Mauvaise) bekannt, ist ein weitläufiger Inselschwarm Polynesiens in der Südsee, der sich im S. r Maxquesas- und im NO., O. und SO. der Gesellschaftsinseln über 11 Breiten⸗(14 -25 südl. Br.) und 24 Längengorade (124 -148 westl. Länge von Greenwich) ersrredt und aus 80 Atolls (s. d.) oder Laguneninseln der Korallenformation besteht, welche einen Flächeninhalt von 1068 akm haben und zum Teil unbewohnt sind. Wie der ganze Archipel, so sind auch die einzelnen Atolls von Nordwesten gegen Südosten gerichtet und langgestreckt. Das allenthalben mit Korallenriffen und Klippen besäete, wegen der heftigen Brandungen der Schiffahrt höchst gefährliche Meer ist seit alter Zeit unter dem Namen des Bösen Meers berüchtigt. Mit Ausnahme von vier sind die Inseln flach nur wenig mit Erde bedeckt. Die Vegetation wie das Tierreich zeigen sich infolge des wasserlosen Kalkbodens überaus dürftig; doch sind jetzt alle Inseln mit Kokospalmen bepflanzt; diese, Brotfrucht, Ham und dische liefern die Nahrungsmittel der Bewohner. Desto größer ist der Reichtum an Wasservögeln und Seetieren. Die vier hohen, von dem Typus der übrigen ganzverschiedenen Inseln sind Elisabeth (Henderson), das südwestlicher gelegene Pitcairn (s. d.), Makatea (ganz aus Madreporenkalk bestehend, der wallartig zum Strande abfällt) und ganz besonders die Mangarewa- oder Gambiergruppe im südöstl. Teile des Archipels, nahe dem Wendekreise, die 1797 von Wilson entdeckt und nach dem Admiral Gambier benannt wurde, ein großes Korallenriff, das eine brauchbare Hafenlagune von 30 m Tiefe mit drei Eingängen und sieben hohen Inseln vulkanischen Ursprungs umschließt, welche jedoch zusammen nur 24 qm einnehmen. Die Hauptinsel Mangarewa, 13,8 qlem groß, erhebt sich im Duff oder Duft 470m hoch. Die Inseln sind außerordentlich steil und wild, mit Vegetation bedeckt und, was auf der langen Strecke von der Küste Chiles nach Tahiti nur hier und auf Piteairn der Rode mit reinem, gutem Trinkwasser versehen. Überdies haben die Mangarewa-⸗Inseln gute Holzarten, eßbare und nahrhafte Wurzeln, Ti-Pflanzen (Dracaena terminalis), süße Bataten, Zuderrohr, Wassermelonen, Kokospalmen, Brotfrüchte, Platanen und Bananen. Die Bevölkerung des Archipels, deren Zahl auf 8000 Individuen geschätzt wird und am dichtesten auf Anaa (1150) und der Mangarewagruppe (1000) beisammenwohnt, unterscheidet sich körperlich wenig von den Tahitiern. DWie westl. Inseln kamen schon früher in Abhängigkeit von Tahiti und mit diesem 1844 unter das franz. Protektorat, das sich bald über den ganzen Archipel erstreckte, und im Frühjahr 1881 in den unmittelbaren esitz Frankreichs. Sitz er franz Behörden ist Fakarawa, welches den besten Hafen der westl. Gruppe besitzt, der nebst Mangarewa durch Erlaß vom 28. März 1881 dem auswärtigen Handel geöffnet ist. Von Tahiti aus erhielten die Bewohner der westl. Inseln auch die rot. Religion, der sie, obgleich die Katholiken auf naa eine Mission gegründet, eifrig treu geblieben. Die Bewohner der Mangarewagruppe, Rarotonganer, sprechen 1h. besondere Sprache und sind seit 1834 durch kath. Missionare dem Christentum gewonnen. Ihr Kokosöl, Perlmutter und die Perlen, die sie aus den Lagunen von 35 Inseln fischen, seen sie an die europ. Kaufleute zu Papeete auf Tahiti ab, welcher Verkehr sehr zur Civilisation beigetragen hat. Die erste Entdeckung des Archipels geschah durch den Spanier Pedro Fernandez Quiros, welcher 1606 die im äußersten Südosten gelegenen Cilande Ducie und Elisabeth erblickte. Daun berührten 1616 die Holländer Le Maire und Schouten, die Entdecker des Kap Hoorn, die Inselkette. Auch Roggeveen 1721, Wallis 1767, Bougainville 1768, Cook 1769 berührten oder durchschnitten sie. Doch erst im 19. Jahrh. sind die Inseln, besonders durch den Russen Bellinghausen 1819, den Engländer Beechey 1821 und den Amerikaner Wilkes 1839, genauer erforscht worden.