Tahiti oder Taiti (früher Otaheiti genannt), die größte der franz. Gesellschaftsinseln im Großen Ocean, besteht aus zwei durch eine etwa 2 km breite, im höchsten Punkte nur 14 m hohe Landenge (Tarawas, Taravao) verbundenen Halbinseln, deren größere nordwestliche, das eigentliche T. oder Porionuu oder Tahiti-nui (Groß-Tahiti), die kleinere südöstliche aber Taiarabu oder Tahitiiti (Klein-Tahiti) heißt, und die zusammen 1042 qm Flächeninhalt haben, wovon auf Taiarabu etwa 240 akm kommen. Das Innere der von einem Korallenriff umgebenen, aber mit trefflichen Häfen versehenen Insel ist gebirgig. Von allen Seiten steigt das Land von der die ganze Insel rings umgebenden schmalen Küstenebene aus gegen die Mitte in die Höhe, deren höchste Spitze, der Orohena oder Tobreonu, sich bis zu 2236 meerhebt. Im Innern der meist bis zum Gipfel mit Pflanzen bewachsenen Gebirge ist das Land wild und unbebaut; nur die Küstenebene und einige Bergthäler sind bewohnt und kultiviert. Mit Ausnahme dieser Stellen ist T. mit Wäldern von Kokos⸗ und andern Palmen, Bananen, Brotfruchtbäumen, Orangen und andern Gewächsen eines tropischen Klimas bedeckt. Die Lagune, von welcher sie wie von einem ungeheuern Festungsgraben umgeben wird, ist 10 m tief. Der Hauptort der Insel und das Centrum der franz. Besitzungen im östl. Oceanien ist Papeete (s. d.), an der Nordwestküste, Sitz des franz. Gouverneurs, zugleich Haupthandelsplatz. Die ganze Bevölkerung der Insel belief sich 1882 auf 9179 Seelen, darunter 5104 männlichen und 4075 weiblichen Geschlechts. Die Insel ist berühmt durch den naiv-idyllischen Charakter, den man ihren Einwohnern einst andichtete, sowie durch die große Rolle, die sie in der Geschichte der Entdeckungen, sowie bei der Verbreitung des Christentums in der Südsee gespielt. Nachdem schon 1606 der Spanier Quiros auf der östlich gelegenen niedrigen Insel Anaa, die er Sagittaria nannte, gelandet, wurde T. 19. Juni 1767 vom engl. Seefahrer Wallis, der sie König Georgs III. Insel nannte, und 2. April 1768 vom Franzosen Bougainville besucht, der zuerst ihren einheimischen Namen T. in Gang brachte. Die Engländer dagegen brauchten no lange Zeit die Form Otaheiti (Otaheite). Cook, welcher die Insel seit 10. April 1769 besucht und nach Beobachtung des Venusdurchgangs (an der Nordspitze Point Venus oder Tehuroa) mit Forster zuerst genauer untersuchte und beschrieb, fand nebst seinen Genossen ein harmloses, auf 100000 Seelen eschätztes Naturvolk, welches unter einem König tand, der zugleich oberster Priester war. Die Berührung mit der europ. Civilisation verwandelte indessen bald das unbefangene Sinnenleben dieses Volks zu gemeiner Sittenlosigkeit und die angeborenen Fehler zu eigentlichen Lastern. Vor allem richteten die Lustseuche und der Gebrauch des Branntweins ungeheuere Verwüstungen an. Um diesen Zustand zu bessern, wurden bereits 1797 Missionare von England nach T. ausgesendet. (S. Gesellschaftsinseln.)