Tuberkelbacillen im Stande sich einzunisten und un-Eles ihre deletären Wirkungen zu entfalten. Alles, was den Körper schwächt und blutarm macht, wie ungenügende Nahrung, verdorbene Luft, schwere Krankheiten, Wochenbetten, Kummer und Sorge, vermindert auch die Widerstandsfähigkeit gegen den schädlichen Einfluß des tuberkulösen Giftes; auch as Einatmen von Staub, dem manche Gewerke ausgesetzt sind, begunstigt die Entwickelung von T. (S. Staubinhalationskrankheiten.) Von besonderer Wichtigkeit ist weiterhin, daß die Anlage zur T. oft erblich ist, sodaß in manchen Familien mehrere oder alle Geschwister nacheinander der T. zum Opfer fallen. (S. Erbliche Krankheiten.) Übrigens ist der Atmungsprozeß nicht der einzige Weg, auf dem die Tuberkelbacillen in den Körper eindringen; auch vom Darmkanal aus kann die Infektion stattfinden. In dieser Beziehung schließt namentlich der Genuß des nderd und der Milch perlsüchtiger (tuberkulöser) Rinder die Gefahr einer Übertragung der T. in sich. (S. Tuberkulose der Haustiere.) Wiederholt hat man auch die Infektion der T. von kleinen Schrunden und Verletzungen der Haut aus zu Stande kommen sehen. Die Erscheinungen der T. sind je nach dem Ort der ersten Infektion und nach der weitern Ausbreitung des tuberkulösen Giftes außerordentlich mannigfach. Mitunter wird das Tuberkelgift durch die Blut- und Säftemasse so schnell über den ganzen Körper verbreitet, daß sich fast in allen Organen in kürzester Zeit zahlreiche Tuberkeln entwickeln und unter hohem Fieber und schweren typhusähnlichen Allgemeinerscheinungen der Tod erfolgt: man pflegt solche Fälle als akute allemeine Miliartuberkulose zu bezeichnen. In den allermeisten Fällen tritt die T. zuerst in den Lungen auf (Lungentuberkulose), indem entweder binnen wenigen Wochen oder Monaten die Lungen durch tuberkulöse Cavernen zerstört werden (akute Lungentuberkulose), oder der krankhafte Prozeß in den Lungen einen mehr schleichenden, über Jahre, selbst Jahrzehnte sich erstreckenden Verlauf nimmt (chronische Lungentuberkulose). Die Symptome beider Formen gleichen denen der Lungenschwindsucht (s. d.). Über die T. der Luftröhren- und Kehlkopfschleimhaut s. unter Kehlkopf (Krankheiten 3, Bd. X, S. 2140); über die Darmtuberkulose s. Darmgeschwüre; über die T. der Gehirnhäute s. unter Gehirnhautentzündung, Bd. VII, S. 669“; über die T. der Gelenkschleimhäute s. Gliedschwamm. Hinsichtlich der Ver hütung der T. muß vor allen Dingen betont werden, daß eine sorgfältige Abhärtung und Kräftigung des Körpers durch gute Ernährung, frische Luft, kalte Waschungen und Bäder zu den besten Schutzmitteln gegen die T. zählen 0 Abhärtung); insbesondere erscheint bei Kindern tuberkulöser Eltern, sowie bei strofulösen Kindern, welche unter ungünstigen hygienischen Verhältnissen gar leicht der T. zum Opfer fallen, eine frühzeitige Abhärtung, sowie methodische Atmungsgymnastik dringend geboten. Da weiterhin die 2. durch Ansteckung übertragen werden kann, so vermeide man zu innigen Verkehr und dauernde intime Berührung, insbesondere das Zusammenschlafen mit Lun enschwindsüchtigen und sorge für sorgfältige Desinseltion des Auswurfs der Kranken mit starker Carbolsäurelösung (5 Proz.); auch erheischen ihre Betten, Kleidungs⸗ und Wäschestücke die gewissenhafteste Desinfektion, ehe sie von Gesunden anderweit benutzt werden dürfen. (S. Krankenwäsche.) Bei der Behandlung der ausgebrochenen T. ist das Hauptgewicht auf ein sorgsames diätetisches Verhalten und eine zweckmäßige Regelung der Lebensweise des Kranken zu legen, da bis jetzt kein medikamentöses Mittel bekannt ist, welches das eingedrungene Tuberkelgift direkt unwirksam zu machen im Stande ist. Bei der T. sind von schädlichstem Einfluß vor allem Erkältungen, Excesse raweder Art, Gemütserregungen und schlechte Ernährung. Deshalb sollen sich solche Kranke vor dem Einatmen zu kalter Luft, namentlich kalter feuchter Luft (im Frühjahr und Herbst, in den frühen Morgen⸗ und späten Abendstunden) hüten, in freier Luft bei kalter Witterung entweder einen Respirator tragen oder wenigstens den Mund geschlossen halten, auch die Brust stets (und namentlich nachts im Bette) warm bekleidet halten (wollene Leibjäckchen). Zur Verhütung von Erkältungen während der rauhen Jahreszeit ist den Tuberkulösen zu empfehlen, den Winter in einem milden Klima, oder in einem hochgelegenen geschützten Gebirgsort zu verbringen (klimatische Kurorte). Excesse schaden den Kranken teils durch die Lungenhyperämie bedingende) Aufregung, teils durch die Erschöpfung, welche sie zurücklassen, und sind aus diesem Grunde streng zu vermeiden. Ein Tuberkulöser hat nichts zuzusetzen und muß mit seinem Körpervermögen sparsam umgehen; daher kommt es, daß Schwindsüchtige, die wenig auf die Ernährung ihres Körpers verwenden, früher und leichter zu Grunde gehen, als solche, die sich gut nähren, und daß durch die Schwangerschaft der Fortschritt der T. oft ungemein befördert wird. Auch beschleunigen tuberkulöse Männer durch die Heirat häufig unzweifelhaft ihren Tod. Litteratur. Waldenburg, Die T., die Lungenschwindsucht und die Skrofulosev (Berl. 1869); Buhl, «Lungenentzündung, T. und Schwindsuchto (Münch. 1872); Cohnheim, «Die T. vom Standpunkte der Infektionslehres (2. Aufl., Lpz. 1881); Rob. Koch, Die Atiologie der T.» (in der berliner „Klinischen Wochenschrifto, 1882); Weber, Vorträge über die hygienische und klimatische Behandlung der Khronischen Lungenphthises (Lpz. 1885).