FeedTulle
VerkehrBrockhaus 1882

Tulle, Hauptstadt des franz. Depart. Correze und des frühern Niederlimousin, in einem tiefen, engen und malerischen Thale, an der Mündung der Solane in die Correze, Station der Linien T.⸗ Clermont-Ferrand und Brives-T. der Orléansbahn, ist Sitz eines Suffraganbischofs der Erzdiöcese Bourges, eines Tribunals erster Instanz, eines Assisenhofs, eines Handels⸗ und zweier Friedenserichte und einer Ackerbaukammer, sowie des Stabes einer militärischen Subdivision. Die sehr unregelmäßig gebaute Stadt zählt (1881) 9537 (Gemeinde 16 196) E. und hat schöne Promenaden, treffliche Kais, Privathäuser aus dem Mittelalter, eine halb got., halb roman., durch ihren kühnen Turm ausgezeichnete Kathedrale, ursprünglich Kirche der 1793 zerstörten Benediktinerabtei St.⸗Martin. Es bestehen in der Stadt ein Priester⸗, ein Lehrer- und Lehrerinnenseminar, ein Kommunal-College, eine höhere Schule, eine Gewerbeschule, eine öffentliche Bibliothek, die Historische Gesellschaft von Niederlimousin, ein Theater. Außerdem befindet sich hier eine große Nationalwafsenfabrik mit 1500 -3000 Arbeitern, in der Vorstadt Souillae, welche Gewehre und die besten Jagdflinten Frankreichs, sowie andere Luxuswaffen liefert. Die Bevölkerung entwickelt viel Gewerbthätigkeit in Droguet, Papier, Leder, Sattlerarbeiten, Spielkarten, Parfumerien, Liqueuren, Bier, Wachskerzen, Nägeln und Draht. Daß die Fabrikation der unter dem Namen Point de Tulle oder Plisse de Tulle bekannten Spitzen hier erfunden oder je betrieben worden, ist ein alter Irrtum. Man zieht viele Esel und treibt lebhaften Handel mit Nußöl, Wildbret, den eigenen Manufakten und geschätzten Limousinpferden. Die Umgebungen der Stadt sind höchst anmutig. Etwa 1,5 km gegen Norden liegt das Städtchen Naves (2293 E.) und in dessen Gebiet die sog. Arenes de Tintignac oder Tintiniad, Ruinen einer röm. Stadt unbekannten Namens, darunter namentlich Reste eines Theaters. T. selbst kommt erst in der Karolingerzeit vor unter dem Namen Tutela.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 899Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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