Saint-Omer (mittellat. Sancti Audomarii), feste Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. as-de-Calais, Kriegsplatz zweiter Klasse, Station der Linien Paris-Arras-Calais, Boulogne-S. und Lille-S. der Nordbahn, Knotenpunkt von sechs Hauptstraßen, in sumpfiger Gegend an der hier schiffbaren Aa und der Mündung des Kanals Neuf-Fosse, hat eine Handels⸗ und eine Ackerbaukammer, ein Lyceum, eine Gewerbe⸗ und Kunstschule und zählt (1881) 17404 (als Gemeinde 21556) E. Sechs Forts, große Außenwerke und Sümpfe umgeben die Stadt auf mehr als der Hälfte ihres Umfangs. Die bemerkenswertesten Gebäude sind: die Kirche Notre-Dame, die ehelothe Kathedrale, ein schöner got. Bau, die Bibliothek mit 15000 Bänden und 852 Manuskripten, das Museum, reich an Münzen und Altertümern, das Stadthaus und die Reste der prachtvollen, 1320—1530 erbauten, 1792 zerstörten Kirche der 640 gegründeten Abtei St.⸗Bertin (Sithiu, Sancti Bertini). Die beiden Vorstädte zählen über 4000 E., die sich hauptsächlich mit Gärtnerei beschäftigen. Der lebhafteste Industriebetrieb der Stadt umfaßt besonders Woll⸗, Flachs⸗ und Baumwollspinnerei, Zwirnerei, Salzraffinerie, Fabrikation von Tuch, Wolldecken, Posamentierarbeiten, Stickereien, von irdenen Pfeifen, Fischernetzen, Branntwein, Rübenzucker, Tabak, namentlich den als S. bekannten Schnupftabak, Papier, Leder u. s. w. Zugleich ist sie der Mittelpunkt eines beträchtlichen Handels mit Getreide, Wein, Gl, Flachs, Steinkohlen, Torf, Eiern, Geflügel, Obst und Spitzen. Die ehemals zu Artois gehörige Stadt wurde im 2. Jahrh. durch den heil. Audomar, Bischof von Theérouanne, gegründet und im April 1677 durch Ludwig XIV. den Spaniern entrissen. Im J. 1559 wurde der Sitz des Bistums Thérouanne nach S. verlegt und 1790 aufgehoben.