Tungusen, ein in Sibirien östlich vom Jenissei und im Amurlande wohnhafter Volksstamm von etwa 70000 Seelen. Die T. sind zum größern Teil Nomaden und werden gewöhnlich in Pferde⸗, Renntier⸗ und Hundetungusen geteilt. Obwohl sehr ewandt und sogar ritterlich, sind sie dennoch sehr friedlicher Natur. Zu einem hohen Kulturgrade haben sich die Mandschu (s. d.), welche tungusischer Herkunft sind, emporgeschwungen. Die gegenwärtig im Amurlande wohnhaften Tungusenstamme sind; die Mangunen oder Oltscha am untern Amur; oberhalb von diesen die Samagrer am Gorin; weiter aufwärts am Amur die Golde; östlich vom Flusse Ussuri die Orotschen; die Negda am Amgun; am obern Amur die Orotschonen; weiter abwärts die Manjager, die Dauren und die Biraren. Die in der Nähe des Ochotzkischen Meeres nomadisierenden T. werden Lamuten genannt. In neuerer Zeit sind die Bemühungen der Missionare bei den T. nicht ohne Erfolg geblieben; uber die Mundarten der Tungusen gaben Castren und Schiefner in den Schriften der petersburger Alademie Machricht. Eine Grammatit gab Adam! (Par. 1874), ein Wörterverzeichnis Czekanowsti (Petersb. 1877). Vgl. Ferd. Müller, Unter T. und Jakuteno (Lpz. 1882).