Uchatius (Franz, Freiherr von), österr. Artilleriegeneral und bedeutender Artillerietechniker, geb. 20. Okt. 1811 zu Theresienfeld in Niederösterreich, trat 1829 als Kadett-Unterkanonier in das 2. österr. Artillerieregiment, 1841 Feuerwerker in der Geschützgießerei, 1843 ern, 1830 Rapd 1848 und 1849 in Italien und Ungarn, 18602 ajor und Vorsteher der Geschützgießerei, 1867 Oberst, von 1871 ab Kommandant der Artilleriezeugsfabrik im Arsenal zu Wien, als solcher w1874 Generalmaior, 1879 Feldmarschalllieutenant, endete 4. Juni 1881 durch Selbstmord. U. hatte schon fauf bedeutende Leistungen auf technischem Gebiete au zuweisen, trat 1856 mit einer verbesserten Stahlerzeugungsmethode, dem sog. Uchatius-S tahl(s.d.),auf, konstruierte eine Pulverprobe und ballistische Apparate, insbesondere zum Messen des Gasdrucks in Geschützrohren, und ist vor allem als der Schöpfer des (Muster 1875) hervorzuheben. Durch seine umfassenden Kenntnisse auf dem Gebiete der Metallurgie und durch viele seit langer Zeit her von ihm angestellte Versuche mit der Verbesserung der Geschützbronze war U. in den Stand gesetzt, in der sog. Hart-oder Stahlbronze (s. Geschützbronze), an deren Herstellungsverfahren bereits seitens deutscher und franz. Techniker, sowie des russ. Artillerieobersten Lawroff mit Erfolg gearbeitet worden war, ein Geschützrohrmaterial zu bieten, welches in mancher Beziehung dem Gußstahl fast gleichkommt, erheblich bi 963 als dieser ist und durch dessen Verwendung Osterreich-Ungarn bei seiner damals wenig fortgeschrittenen Stahlindustrie vom Auslande als Bezugsquelle unabhängig bleiben konnte. Die Konstruktionsverhältnisse des Geschützes entnahm U. in der Hauptsache den von Fr. rald in Essen gelieferten Versuchsmodellen, weshalb die österr.⸗ ungar. Regierung diesem eine namhafte Geldentschädigung für die Benutzung seiner Konstruktionsideen zubilligte. Um die Geschoßfrage machte sich U. durch die Konstruktion seiner Ringhohlgeschosse, die seitdem in fast allen Artillerien Anwendung finden, wesentlich verdient. Nachdem es U. gelungen war, die Stahlbronze auch bei Aufstellung der neuen Belagerungsgeschütze in Anwendung zu brinen, stieß er bei Ubertragung derselben auf die Geschübrohre der Küstenartillerie auf namhafte Schwierigkeiten und mag hierdurch bei momentaner Geistestrübung zum verhängnisvollen letzten Schritte veranlaßt worden sein. Vgl. 4 Allgemeine Militär⸗