FeedUllmann (Karl)
ReligionBrockhaus 1882

Ullmann (Karl), namhafter prot. Theolog, geb. 15. März 1796 zu Epfenbach in der Pfalz, studierte zu Heidelberg und Tübingen, habilitierte sich 1819 zu Heidelberg und wurde daselbst 1821 außerord., 1826 ord. Professor. Mit seinem Kollegen Umbreit (s. d.) begann er 1828 die Herausgabe der (Theol. Studien und Kritikeno. U. folgte 1829 dem Rufe als ord. Professor nach Halle. In die Zeit seines dortigen Aufenthalts fiel die Denunciation Hengstenbergs gegen die rationalistis chen Professoren Wegscheider und Gesenius, durch welche U. sich veranlaßt sah, in dem Theol. Bedenkenv (Haile 1830) kräftig für theol. Lehrfreiheit einzutreten. Er kehrte 1836 an die Universität Heidelberg zurück, wo er als theol. Lehrer und Schriftsteller thätig war, bis er im Spätjahre 1853 zum evang. Prälaten und Mitglied des Oberkirchenrats, dessen Präsidium er 1856 übernahm, nach Karlsruhe berufen ward. In diesem Amte, welches er bis 1860 bekleidete, wirkte er im Sinne der kirchlichen Restauration. Der Fall des bad. Konkordats (1860) führte auch in der 1. zozsihins .½ einen Umschwung herbei. 1865 zu Karlsruhe. Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete U. zunächst mit „Gregor von Nazianze (Darmst. 1825; 2.Aufl., Gotha 1867), worauf die aus einer Schrift uüber Johann Wessel (Hamb. 1833) hervorgegangenen ⸗Reformatoren vor der Reformationo (2 Bde., Hamb. 1841; 2. Aufl., Gotha 1866) folgten. Noch weit tiefer aber als durch diese Arbeiten griff er durch seine Schriften «Uber die Sündlosigkeit Christi⸗ (7. Aufl., Gotha 1863) und über „Das Wesen des Christentums mit Beziehung auf neuere Auffassungsweisen⸗ (5. Aufl., Gotha 1865), Uber den Kultus des Genius⸗ (Hamb. 1840), sowie durch die Streitschrift gegen das Leben Jesus von Strauß: Historisch oder mythisch?» (Hamb. 1838), in die theol. Entwickelung ein. Diesen Schriften verdankte die an Schleiermacher angelehnte Vermittelungstheologie vorzugsweise ihre weite Verbreitung, sowenig auch U.s Art, theol. Streitfragen mehr zu beschwichtigen als zu lösen, ein schärferes Denken zu befriedigen vermochte. Vgl. Beyschlag, Karl U.» (Gotha 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 6Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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