FeedHinkmar
ReligionBrockhaus 1882

Hinkmar, Erzbischof von Rheims, geb. um 806, wurde im Kloster St.⸗Denis bei Paris erzogen, folgte 830 seinem Lehrer, dem gelehrten Abt Hilduin, ins Exil nach Korvei, kehrte bei Karls des Kahlen Thronbesteigung als Priester zurück und wurde 845 zum Erzbischof von Rheims erhoben. In dieser Stellung trat H. in den Streitigkeiten des Gottschalk über die Prädestination und des Paschasius Radbertus über das Abendmahl für die Reinheit der Lehre ein. Der weltlichen Macht gegenüber wußte er mit Erfolg die Unabhängigkeit der Kirche zu wahren, wie er auch König Lothar II. zwang, seine verstoßene Gattin Theutberga wieder aufzunehmen. Vor allem aber war H. darauf bedacht, gegenüber den Ansprüchen des röm. Stuhls die Freiheiten der Gallikanischen Kirche und seine Metrovolitanrechte zu verteidigen. In diesem Kampfe wurden zuerst Pseudo-Isidors De— kretalen (s. d.) verwertet. Als die Normannen 882 in Westfranken einfielen, floh H. und starb 21. Dez. 882 zu Epernay. H.s Schriften sind am besten herausgegeben vom Jesuiten Jak. Sirmond (2 Bde., Par. 1645). Sie sind zum Teil wertvoll als Hauptquelle für die Geschichte jener Zeit. Vgl. C. von Noorden, ab Erzbischof von Rheims v (Bonn 1863); Sdralek, 4H.s von Rheims kanonistisches Gutachten über die Ehescheidung des Königs Lothar II.» (Freib. i. Br. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 248Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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