Unger (William), vorzüglicher Radierer, wurde 1837 zu Göttingen geboren und machte seine ersten Studien an der durch den Kupferstecher Keller geleiteten Schule der Akademie zu Düsseldorf, dessen Technik er auch anfangs für seine Reproduktionsarbeiten wählte, später jedoch mit der Radierung vertauschte. Seitdem hat sich U., besonders seit seiner übersiedelung aus München nach Wien, als ein überraschend fruchtbarer Künstler erwiesen. Die Zahl seiner Blätter umfaßte 1886 gegen 800 Nummern nach Originalen aller Schulen. Bei dem sehr raschen Arbeiten des Künstlers haben die einzelnen Leistungen beträchtlichen Wertunterschied, im allgemeinen findet U.s Manier an den Niederländern des 17. Jahrh. ihre geeignetsten Vorlagen. Ganz vorzüglich gelingen ihm Werke von Rembrandt, Ruisdael, Hobbema u. s. w., in deren Geist er mit liebevollster Vertiefung einzudringen weiß. Seine trefflichsten Arbeiten sind die Werke über die Bildergalerie von Kassel, Braunschweig, die Franz-Hals-Galerie, Galerie von Amsterdam (Trippenhuijs), die mannigfachen schönen Blätter für die wiener Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, worunter insbesondere wieder der Altar des heil. ldefonso im Belvedere (von Rubens), das Lieerungswerk «Die k. k. Gemäldegalerie in Wien (komplett in 175 Blättern). Friedrich Wilhelm U., der Vater des vorigen, bekannt als Kunsthistoriker, geb. 8. April 1810 zu Hannover, studierte 1829 —-31 zu Göttingen die Rechte, widmete sich dann zu München der Malerei, nahm hierauf die Rechtsstudien wieder auf, trat 1834 in den hannov. Justizdienst und wurde 1838 Amtsassessor in Göttingen, wo er sich 1840 als Privatdocent habilitierte. Seine jurist.Vorlesungen gab er auf, als er 1845 Bibliotheksekretär wurde: seit 1858 las er über Kunstgeschichte, worauf er 1862 außerord. Professor und Direktor der akademischen Gemäldesammlung wurde. U. starb 22. Dez. 1876 zu Göttingen. Von seinen jurist. Schriften sind hervorzuheben: Die altdeutsche Gerichtsverfassungo (Gött. 1842), «Geschichte der deutschen Landständer (2 Bde., Hannov. 1844); von den die Kunst betreffenden: Die bildende Kunsto (Gött. 1858), Die Bauten Konstantins d. Gr.v (Gött. 1863), Correggio in seinen Beziehungen zum Humanismuso (Lpz. 1863). Außerdem schrieb er: „Göttingen und die Georgia Augustav (Gött. 1861).