Urzeugung oder Abiogenesis (Generatio aequivöca, heterogenea, primaria, spontanea) hat man die elternlose Entstehung organischer Wesen genannt, sei es aus unorganischem Stoffe (Autogonie nach Häckel) oder aus organischem, aber ungeformtem Bildungsstoffe (Plasnogonie nach demselben). Die Frage, um die es sich hier handelt, ist so alt als die Wissenschaft selbst, und je weiter man zurückgeht, desto weiter wird auch der Kreis derjenigen Organismen, von denen man glaubte, sie könnten aus formlosem Stoffe ohne Voreltern erzeugt werden. Aristoteles glaubte noch, daß die Aale aus dem Schlamme entständen. Vor der Anwendung des Mikroskops mußten natürlich die Entwickelungsvorgänge dersenigen Tiere und Pflanzen, die sich aus mikroskopischen Eiern und Keimkörnern entwickeln, der direkten Beobachtung entzogen bleiben und so den Glauben nähren, sie seien aus formlosem Stoffe entstanden. Jetzt glaubt wohl kein Naturforscher mehr, daß Eingeweide würmer sich äquivok entwickeln, und der Streit um die Generatio aequivoca dreht sich nur noch um die allerniedersten Lebensformen. Besonders in neuester Zeit wurde die Aufmerksamkeit durch die franz. Forscher erregt, die sich in zwei Lager teilten: die Heterogenisten, an deren Spitze besonders Joly, Pouchet, Onimus, und die Panspermisten, die unter der Führung von Pasteur kämpften und behaupteten, daß alle Entwickelung i von Schimmel, von mikroskopischen Organismen,‚ wie Bacterien, einzelligen Pilzen u. s. w., die man in gärenden und faulenden Stoffen finde, davon herrühre, daß winzige Keime dieser Organismen in der Luft herumgeführt und in den Flüssigkeiten abgesetzt werden, wo sie sich dann in staunenerregender Weise vermehrten. Auf die Beobachtungen und Versuche, welche diese Einsaat in der Luft schwebender Teilchen unzweifelhaft darthaten, gestützt, ging man dann noch weiter, indem man nachwies, daß die Vorgänge der Gärung überhaupt keine rein chem. Prozesse, sondern durch die Lebensverrichtungen dieser Organismen bedingt und unterhalten seien. In diesem Streite hat Pasteur durch seine außerordentlich scharfsinnigen und wohlkombinierten Versuche durchaus obgesiegt und nachgewiesen, daß alle jene niedern Schimmel, Pilze, Infusorien u. s. w. nur durch in der Luft schwebende Keime verbreitet werden. Wenn Redi und Vallisneri das Auftreten der Fliegenmaden im Fleische durch dessen Aufbewahrung hinter feinen Drahtnetzen verhüteten, so thaten sie dasselbe wie wir, wenn wir das Eindringen der Gärungspilze und Infusorien in tierische und pflanzliche Substanzen durch Einkochen und Aufhebung in verlöteten Büchsen ausschließen. Eine der glänzendsten Entdeckungen der modernen Chirurgie, die Methode des Wundverbandes von Lister (s. d.), knüpft unmittelbar an die Pasteurschen Entdeckungen in der Pilz⸗ und Infusorienfrage an. Bei den meisten Infektionskrankheiten, bei Milzbrand, Tuberkeln, Typhus, hat man in den betreffenden Organen Bacillenformen entdeckt, und es scheint, daß diese und andere Krankheiten, von denen man seither glaubte, daß sie rein auf innern Ursachen beruhten, sich nur unter Mitwirkung oder auf Veranlassung dieser von außen eingedrungenen Keime entwickeln. Damit ist indessen die Frage noch nicht entschieden. Der negative Beweis, daß U. überall nicht stattfinden könne, läßt sich überhaupt nicht anstellen, da immer noch der Einwand offen bleibt, daß die Organismen sich zwar in den künstlichen, durch die Versuche benötigten Verhältnissen nicht entwickeln, während die Möglichkeit einer Entwickelung unter andern Umständen nicht bestritten werden kann. Indessen liegt der Schwerpunkt der Frage auch anderswo. Alle jene Organismen, um welche es sich in den Pasteurschen Versuchen handelt, haben schon eine höhere Organisation, Zellen, Kernbildung u. s. w., und es ist demnach schon von vornherein sehr unwahrscheinlich, daß sie sich unmittelbar aus formlosem Stoffe hervorbilden. Dagegen kennt man eine ziemliche Anzahl von Wesen, die nur aus formlosem Stoffe, sog. Protoplasma, ohne weitere Differenzierung bestehen (Moneren nach Häckel) und die dennoch gewisse Lebenserscheinungen, wie Bewegung, Aufnahme von Nahrungsstoff u. s. w., zeigen, also wirklich lebende Organismen sind. Ob diese Wesen aus nichtbelebtem organischen Stoffe oder aus unorganischem Stoffe direkt entstehen können, ist noch nicht experimentell untersucht. U. 8., Abkürzung für ut supra, d. i. wie oben. V. 8., offizielle Abkürzung für United States, Vereinigte Staaten. — U. S. A., offizielle Abkürzung für United States of America, Vereinigte Staaten von Amerika; auch für United States Army, Vereinigte Staaten⸗(Land⸗) Armee. Usagara, der Kern der deutschen Besitzungen in Mittelostafrika, liegt zwischen 65 20 und 8e südl. Br., sowie 53 10“ und 55° 30“ östl. L. von Ferro. Das Land ist durchwegs gebirgig, im Süden Hochplateaus von 1800 bis 2000 m Meereshöhe bildend und eine wilde Hochgebirgsnatur aufweisend. Der engl. Forscher Last fand in den Gebirgen des nördl. Teils Gipfel, die bis 2400 m aufsteigen. Hauptfluß des Landes ist der gegenüber Sansibar mündende Wami. Das Klima ist in den höhern Lagen kühl und feucht, namentlich an den der Seebrise zugänglichen Osthängen der Gebirge; diese höher gelegenen Landstriche sollen für Europäer gesund sein. Heftigere Fieber treten in den tiefern Senkungen des Landes ein, die während der Regenzeit Moräste bilden. Im allgemeinen ist U. sehr fruchtbar, überall von Wasserläufen durchzogen, mit reichem Wald geschmückt, dessen Nußhölzer später einen Hauptausfuhrartikel bilden werden. Die Bewohner des dichtbevölkerten Landes, die Wasagara, produzieren besonders Mais, Hirse, Bohnen, Maniok, Bananen; neuerdings angestellte Versuche bewiesen, daß Wein und europ. Obst an geeigneten Lagen sehr gut gedeihen; ebenso auch Kartoffeln, Roggen und Weizen. In den tiefern Flußthälern erblickt man geeignete Gebiete für den Anbau von Zucker, Baumwolle, Kaffee und andern tropischen Gewächsen. Da die Tsetsefliege fehlt, ist auch die Viehzucht unbehindert. Die Pumbaberge im innern U. weisen Eisenerzgewinnung auf. U. wurde mit den umliegenden Landschaften Nguru, Useguha und Ukami im Nov. und Dez. 1884 durch Karl Peters für die Gesellschaft für deutsche Kolonisation erworben, aus der sich dann die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft entwickelte. Am 27. Febr. 1885 erhielt letztere einen Schutzbrief des Deutschen Kaisers. Anfang 1885 wurde in U. die erste deutsche Station, Simaberg, gegründet, später eine zweite, Kiora. Vgl. G. Westphal, «Deutsch-Ostafrika und Sansibar» (Weim. 1885); Kettler, „Spezialkarte