FeedEiweißbildung
NaturlehreBrockhaus 1882

Eiweißbildung in der Pflanze nennt man in der Botanik diejenigen Prozesse, durch welche aus gewissen Nährstoffen, die der Pflanze dargeboten werden, die für das Leben nötigen Eiweißstoffe gebildet werden. Wenn man bedenkt, daß die letztern an der Zusammensetzung des Protoplasmas (s. d.) einen die . einer Anteil nehmen, so leuchtet ein, daß die E. einer der wichtigsten chem. Vorgänge in der Pflanze ist. Man hat deshalb schon durch aschen Untersuchungen zu erforschen gesucht, in welchen Teilen der Pflanze, und in welcher Weise die E. erfolgt; allein man ist bis jetzt noch über beide Fragen ziemlich im Unklaren. Man weiß zwar, welche Nährstoffe zur Bildung von Eiweißstoffen unbedingt notwendig sind, aber man kann nur Vermutungen darüber äußern, wie aus diesen Nährstoffen die Eiweißsubstanzen entstehen. Es ist durch viele Kulturversuche nachgewiesen worden, daß die Pflanzen den zur E. nötigen Stickstoff fast ausschließlich aus salpetersauren Salzen entnehmen, daß Ammoniaksalze jedenfalls nur selten die 4 Eucchtoß de Salze ersetzen können, daß aber der Stickstoff der Luft für den Prozeß der E. vollständig bedeutungslos ist. Man weiß ferner, daß der Schwefel, der ja ebenfalls ein integrierender Bestandteil der Eiweißstoffe ist, aus den schwefelsauren Salzen aufgenommen wird. Wie nun aber aus diesen beiden Nährstoffen unter Mitwirkung der in der Pflanze auf andere Weise assimilierten organ. Verbindungen die Bildung der Eiweißstoffe erfolgt, darüber kann man, wie 00n gesagt, nur Vermutungen äußern. Ob das Licht einen direkten Einfluß auf die E. hat, ist nicht bekannt, jedenfalls ist sicher, daß auch in der Dunkelheit E. stattfindet, wenn nur die nötigen Nährstoffe vorhanden sind. Ferner ist sicher, daß E. auch ohne Chlorophyll vor sich geht. Einige Botaniker nehmen an, daß zunächst Stickstofföyerbindungen, aus der Gruppe der Amide, die also noch keinen Schwefel enthalten, entstehen, und daß dieser erst später hinzutritt, nachdem aus den von der Pflanze aufgenommenen löslichen Sulfaten die Schwefelsäure frei geworden ist. über den Ort in der Pflanze, wo die E. erfolgt, ist gar nichts Sicheres auszusagen; einige nehmen an, daß in jeder lebenden Zelle dieser Prozeß vor sich gehen könne, andere vermuten, daß in bestimmten Gewebekomplexen, wie z. B. in den Siebröhren (s. d.), vorzugsweise die E. stattfinde. Betreffs der Wanderung s. Stoffwanderung in der Pflanze.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 923Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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