Anorganisch oder unorganisch nennt man im allgemeinen die dem Mineralreiche angehörenden oder aus mineralischen Stoffen sich unmittelbar ableitenden Körper, im Gegensatze zu den or-Dierroiee oder den aus dem Pflanzen⸗ oder ierreiche herstammenden Stoffen. Eine strenge Scheidung zwischen beiden ist nicht mehr durchführbar, seit die Chemie, nach Wöhlers Vorgange, gelehrt hat, eine ganze Reihe von organischen Verbindungen durch Synthese aus anorganischen herzustellen, und seitdem erkannt ist, daß alles Organische in der Natur in letzter Instanz durch Synthese aus Anorganischem entstanden ist. Kohlensäure und Wasser, zwei allgemein als anorganisch anerkannte Körper, sind die einzigen Quellen, aus denen alle organischen Stoffe hervorgehen, indem sie in der lebenden grünen Pflanzenzelle durch die dem Lichtstrahle innewohnende Kraft zersetzt und in Pflanzensubstanz umgebildet werden. Und so wie che die Entstehung des Organischen auf Anorganisches zurückzuführen ist, so wird dieses mit dem Aufhören des Lebens wieder in jenes umgewandelt; nach dem Tode Oers alles Organische durch Verwesung, Fäulnis, Verbrennung wieder in Kohlensäure und Wasser über, ja jeder Lebensvorgang, jede Kraftleistung im lebenden Körper wird nur durch den Übergang von organischer in anorganische Materie ermöglicht, die Atmung ist der Prozeß, durch welchen die letztere, welche dem Leben nicht mehr dienen kann, aus dem Körper entfernt wird. Da alle organischen Verbindungen Kohlenstoff enthalten, so wird auch die organische Chemie als die der Kohlenstoffverbindungen bezeichnet, im Gegensatze zur anorganischen Chemie, welche die Verbindungen der übrigen Elemente umfaßt, wobei man aber meist inkonsequenterweise die Verbindungen des Kohlenstoffs, Kohlensäure, Kohlenoryd und einige andere, der anorganischen Chemie läßt. In der Pflanzen⸗ und Tierchemie bezeichnet man vielfach als anorganische Verbindungen den beim Verbrennen der Substanz verbleibenden Rückstand.