FeedVarus (Publius Quinctilius)
GeschichteBrockhaus 1882

Varus (Publius Quinctilius), aus patricischem Geschlecht, ++— des Sextus Quinctilius V., der nach der Schlacht bei Philippi sich selbst tötete, durch seine Gemahlin mit Augustus verwandt, war 13 v. Chr. Konsul und 6—4 v. Chr. Statthalter von Syrien. Im J. 6 n. Chr. wurde er Oberbefehlshaber in Germanien und sollte hier den Teil des früher freien Germanien, der zwischen Rhein und Weser lag und von Drusus unterworfen worden war, als röm. Provinz verwalten. Thörichterweise glaubte er aber in Germanien wie er vorher in Syrien gethan, nicht bloß die röm. Provinzialeinrichtungen rücksichtslos durchführen, sondern auch Bedrückungen und Erpressungen ungestraft ausüben zu können. Allein die Deutschen fügten sich nicht. Unter der Anführung des im röm. Kriegsdienste herangebildeten Cheruskerfürsten Armin (Hermann) verbündeten sie sich, wußten den V., der die ihm zugekommenen Warnungen verachtete, durch einen Aufstand zu veranlassen, vom Sommerlager an der Weser, wohl in der Gegend von Minden, in die Winterlager nicht auf dem direkten Wege nach Aliso (s. d.), sondern auf einem Umwege, vielleicht in der Richtung auf Osnabrück zu ziehen und ihn so mit seinem Heere in den Teutoburgerwald (s. d.) zu locken. Hier brachten sie ihm, nach Mommsen wohl an der Huntequelle, in der Gegend von Venne, also eher im Wiehengebirge als im Osning, im J. L eine vernichtende Niederlage bei. V. selbst stürzte sich, ehe alles verloren war, in sein Schwert. Den ihm abgeschlagenen Kopf sandten die Germanen an Marbod, dieser an Augustus nach Rom. Bis nach Italien hin machte sich infolge dieser Schlacht die Furcht vor den Germanen geltend, und das Andenken an den kläglichen Verlust eines so großen Heers verdüsterte die letzten Jahre des Augustus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 123Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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