FeedVelazquez (Diego Rodriguez de Silva)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Velazquez (Diego Rodriguez de Silva), neben Murillo der bedeutendste Maler der span. Schule, stammte von der aus Portugal eingewanderten Familie der Silva, geb. zu Sevilla 6. Juni 1599. Er lernte die Kunst erst bei dem ältern Herrera, dann bei dem Schriftsteller und Dichter Francisco Pacheco, dessen 2•1: 17 Juana er heiratete. Seinen eigentümlichen Stil schuf er sich jedoch autodidaktisch, in Studien nach der Natur, die er für das dort beliebte Fach der Bodegones (Küchenstücke) mit Erfolg verwenden konnte. Auch in seinen damals ziemlich zahlreichen Kirchenbildern hielt er sich an das Modell, nach dem Vorbild der ital. Naturalisten. Im Gefühl, daß sein Platz in der Hauptstadt und am Hofe sei, begab er sich 1622 nach Madrid, damals ohne Erfolg; aber ein Jahr später berief ihn der Minister Olivares, und sein Glück in einem vor dem Hofe gemalten Bildnis brachte ihm die Ernennung zum königl. Maler und die Gunst Philipps IV., die er sich bis an sein Ende erhalten hat. Leider nötigte ihn seine Stellung, eine Menge uninteressanter königl. Personen zu malen und oft zu wiederholen; es gibt von ihm nur wenige große Historien und einige sehr figurenreiche Jagdstücke. Sein erster Stil (bis 1629) ist von plastischer Kraft mit schroffen Gegensätzen der Beleuchtung; das Hauptwerk sind die Zecher (Borrachos), eine mit Humor behandelte bacchantische Weihe. Der Ves uch des Rubens (1628) brachte das Projekt einer ital. Reise (1629—31) zur Ausführung. Er studierte die Venetianer und malte in Rom den bunten Rock Josephs und die Vulkansschmiede; hier macht er sich bereits von den dunkeln Schatten los und strebt nach Modellierung im allverbreiteten Tageslicht. Dies Bild eröffnet seinen zweiten Stil (1631—48), dem seine vier großen Reiterbilder (des Königspaares, des Prinzen Balthasar, des Olivares), die drei Jäger angehören, und sein großes histor. Meisterstück, die übergabe von Breda, ferner seine besten religiösen Darstellungen, das Crucifix und der Christus an der Säule. Im J. 1648 ging er wieder nach Italien, diesmal mit dem Auftrag, Gemälde und Abformungen von Antiken zur Ausstattung der neuen Gemächer im Palast anzuschaffen. Er malte das Bildnis des Papstes Innocenz X. (Palast Doria); sein Geheimnis, mit den geringsten Mitteln den vollen Lebenszauber hervorzubringen, setzt noch heute die Techniker in Erstaunen. V.s Bildnisse zeichnen sich aus durch den Geist und die rücksichtslose Wahrheit der Charakteristik, die Modellierung im vollen Licht und den Ausdruck des nationalen Würdebegriffs. Er gibt die Natur wie in der Camera-obscura, kein Maler hat sich wie er vom Konventionellen freigehalten. In seinem dritten Stil (1651—60) hat er in einem fast skizzenhaften unverschmolzenen Vortrag feine und schwierige räumlich-optische Phänomene ausgedrückt, wie sie erst die neueste Malerei wieder sich zur Aufgabe gestellt hat. Dahin gehören die Spinnerinnen (Hilauderas), eine Scene aus der Tapetenfabrik, das erste Industriestück; die Meninas, die Infantin Margarete mit ihrem kleinen Hofstaat und er selbst an der Staffelei; ferner Bildnisse königl. Personen, besonders Kinder (im Belvedere zu Wien). Zu dieser Zeit erhielt er die Stelle eines Oberpalastmarschalls (Aposentador) und den San-Jagoorden; er leitete die Reise des Hofs nach der Grenze bei der Vermählung der Maria Theresia mit Ludwig XIV. und starb am 7. Aug. 1660. Eine neuerdings entdeckte kleine Schrift aus seiner Feder über die von ihm im Escorial aufgestellten Gemälde wurde neu herausgegeben von Ch. Davillier: «Mémoire de V.v (Par. 1874). Seine Schüler sind sein früherer Sklave Juan Pareja und sein Schwiegersohn del Mazo. Sein Leben beschrieben Sir W. Stirling (deutsch, Berl. 1856); Curtis, V. und Murillos (Lond. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 140Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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