Venedig lital. Venezia), Stadt und Festung, Hauptort einer Provinz des Königreichs Italien, (2198 qkm mit 356273 C.), Sitz einer Präfektur, eines Appellationshofs, eines Handels⸗ und Seegerichts, eines kath. Patriarchen, eines armen. Erzbischofs u. s. w., durch ihre Lage, Kunstwerke und Geschichte eine der merkwürdigsten Städte Europas, liegt auf 118 Inseln in den Lagunen des Adriatischen Meers, 3,5 km vom Festlande und hat gegen 12 km im Umfange. Unter den 378 öffentlichen Brücken, welche die einzelnen Inseln miteinander verbinden, zeichnet sich der 1588—91 von Antonio da Ponte erbaute prächtige Ponte-Rialto aus, ein Marmorbogen von 27,½ m Spannung, der, wie die beiden 1854 und 1858 erbauten eisernen Brücken, über den Canal-Grande führt, den größten der 157 Kanäle. Derselbe, über 3 Km lang, 30—60 m breit, teilt die Stadt in zwei ungleiche Teile, und seine Ufer sind von Palästen eingefaßt. Die Gebäude der Stadt, unter denen viele, jetzt freilich zum Teil verfallene Paläste und prächtige Kirchen, sind auf Pfählen gebaut und stehen fast sämtlich mit der Hauptseite egen die Kanäle gekehrt, die sich zu breiten und angen Wasserstraßen öffnen, während die eigentlichen Straßen kaum für drei nebeneinander gehende ußgänger gangbar sind. Es Hart zwar über 200 lätze, aber nur der mit la ästen und Bogengängen umgebene Markusplatz führt diesen Namen, ein 175 m langer, 82 mbreiter, mit Trachyt- und Marmorplatten belegter Raum. Auf ihm steht die Patriarchal⸗ oder St. Markuskirche, in einem eigentümlichen, die byzant. Bauart mit der roman. Basilikaform verbindenden Stil, 976—1071 erbaut, nachmals bis ins 17. Jahrh. vielfach umgeändert, mit Eunm Reichtum an Mosaiken und den selten sten Steinarten. Die Sage läßt hier den Körper des CEvangelisten Markus ruhen, welcher unter dem Dogen Giustiniano Partecipazio (827 830) aus Alexandria in Agypten hierher gebracht worden sein soll. über dem Hauptportal sind die vier antiken Rosse, die einst in Konstantinopel und unter Napoleon I. in Paris standen, wieder 2o bant Die Kirche ist in Form eines griech. Kreuzes er aut, 756,5 mlang, 62,6 m breit, und hat im Innern und Außern über 500 Säulen. Die fünfteilige, reich geschmückte Hauptfacade stammt aus dem 14. ahrh. Der 98 m hohe Glockenturm steht, getrennt von der Kirche, auf dem Markusplatz. An demselben Platz steht ferner der Dogenpalast (Palazzo ducale), ein durch seine großartige Anlage wie durch die ernste Schönheit seiner Architektur und durch seine unschätzbaren Gemälde bemerkenswertes Gebäude, dessen Erbauung 1350 von Filippo Calendario beonnen, aber erst 1442 vollendet wurde. Zwei auf zwei Seiten; im Hofe ist die berühmte Riesentreppe, nach den auf ihr stehenden Kolossalstatuen des Neptun und Mars benannt, auf deren oberstem Absatz die Dogen gekrönt wurden. Noch zeigt man hier aus der Zeit der Republik die Staatsgefängnisse, Bleidächer (piombi) genannt, und die sog. Seufzerbrücke (ponte dei sospiri). Der prachtvolle Saal des Großen Rates mit den anstoßenden Räumen enthält seit 1812 die berühmte Markusbibliothek mit ihren Handschriftenschätzen; er ist mit vielen Bildern geschmückt, darunter Tintorettos Paradies, das größte Glbild der Welt. M= östl. Flügel des Palastes ist das archäolog. useum mit griech. Marmorwerken, während das obere Stockwerk dem Istituto di Scienze und dessen naturwissenschaftlichen Sammlungen eingeräumt ist. Dem Dogenpalast gegenüber, an der sog. Piazzetta, liegt das vorma ige wert Sonsopmosjetzt königl. Palast, das Meisterwerk Sansovinos: rechts davon das prachtvolle Dern Zecca), ebenfalls von Sansovino erbaut. Der Markusplatz ist kuner, W auch der einzige Spaziergang der Venetianer, Mittelpunkt alles öffentlichen Lebens und Sammelplatz der Fremden. Das 1304 angelegte Arsenal bildet eine mit hohen Mauern und Türmen umgebene Insel, und ist durch Anlage großer Docks auch für den Bau großer Kriegsschiffe eingerichtet. Am äußern Eingang sind vier antike Löwen, 1687 vom Piräus hierher gebracht; in der Waffensammlung sind Reste des Bucentaur (s. d.). Außer der Patriarchalkirche und 98 andern kath. Kirchen gibt es in V. auch Kirchen der Unierten, Armenier und Protestanten. Die Lansten wie unter diesen Kirchen, sowohl ihrer rchitektur wie der Kunstschätze wegen, sind: Sta.⸗Maria gloriosa dei Frari, mit den Grabmälern von Tizian, Canova u. a., S.⸗Giovanni se Paolo, mit den Grabmälern vieler Dogen, worunter das Andrea Vendramins das schönste, Sta.⸗Maria della Salute, San-Giorgio maggiore, Madonna dell' Orto, San-Zaccaria u. v. a. Die Juden haben sieben Synagogen. Die Zahl der Paläste ist laben, ind leh groß; viele ben cher⸗ die sie einst besaßen, sind jetzt ausgestoren oder verarmt. Die ältesten Paläste, wie der neuerdings restaurierte Fondaco de Turchi aus dem 10. Jahrh., sind in maurischem, die aus dem 14. und Anfang des 15. im got. Stil. Dann folgen die Paläste der Frührenaissance (oorner-Spinelli, Vendramin-Calergi) und der Hochrenaissance (Pesaro, Grimani). Von Monumenten ist die Reiterstatue des venet. Generals Colleoni, von Verrocchio modelliert, von Leopardo Peohnlen, und das 22. März 1875 enthüllte Denkmal Manins zu erwähnen. Offentliche Anstalten für schaften, das Wenerafarchto das Institut der Wissenschaften, das Generalarchiv (leins der größten und reichsten Europas), das Konservatorium für Musik, die Akademie der schönen Künste mit reicher Gemäldesammlung, das städtische Museum mit Bibliothek, Gemälden und Skulpturen, die permanente Kunstausstellung, die Handelsakademie, die Navigations⸗ und Industrieschule mit Sternwarte, drei Gymnasien, ein kath. Seminar, ein armen. Erziehungsinstitut, ferner die Querini-Stiftung, eine öffentliche Bibliothek mit Lesekabinett, Gemälde⸗ und Münzsammlung. Zahlreich sind die milden Stiftungen, wie das große Krankenhaus St. Johann und Paul, die Irrenhäuser auf den Inseln San-Servilio und San-Clemente u. s. w. Unter den fünf Theatern V.s ist La-Fenice das Die Zahl der Einwohner, welche zur Zeit des 19. Jahrh. auf die Hälfte gesunken, 1884 indessen wieder auf 141 400 gestiegen. Die Haupterzeugnisse der Industrie sind Glas⸗ und Mosaikwaren, hauptsächlich aber Perlen, dann Samt- und Seidenstoffe, Seife, Wachs, Kunstmöbel, Bijouterien und künstliche Blumen. Auf sechs Werften wird ein starker Schiffbau betrieben. In der Glas. fabrikation war V. vormals die Meisterin Europas, wird aber jetzt, was Spiegel und größere Glasarbeiten anlangt, von andern Ländern übertroffen, dagegen ist die früher so berühmte venet. Spitzeninduurie in neuerer Zeit wieder erstanden. Im ganzen ist der Handel, der 1421 nicht weniger als 3345 Schiffe mit 36000 Matrosen und 16000 Schiffbauarbeitern beschäftigte, 4 4 hat aber, seitdem V. durch die 3601 m Ital. Eisenbahnbrücke von 222 Bogen mit dem oberital. Eisenbahnsystem dage von Venedig. verbunden ist —2* und besonders seit Eröffnung des Suezkanals wieder zugenommen. Der Wert der Einfuhr betrug 18850 251318472, der der Ausfuhr 202031663 Frs. Hauptartikel des Handels sind Getreide, Ol, Hanf, Baumwolle, Rohseide, Wein, Petroleum. Im nämlichen Jahre liefen 2732 Schiffe von 824291 t ein. Die Reederei beläuft sich auf 274 Seeschiffe. Außer der Filiale der Nationalbank und d noch vier Privatbanken. Vorhäfen von V. sind Lido und Malamocco. Gewissermaßen die Vorstädte von V. bilden die Inseln Giudecca, mit der 1576. von Palladio erbauten Kirche Redentore, San-Giorgio, Sta.⸗Elena, San-Michele und Murano (mit großen Glasfabriten), die meist von Künstlern, Fabrikanten und Handwerkern bewohnt sind. Etwas entfernter sind San-Lazzaro (armen. Kloster), Lido mit Seebade-Etablissements) und San-Erasmo (mit vortreffbegeht Gemüsebau). Mit Triest und dem Orient besteht eine freguente Dampfbootverbindung. Val. Cicognara und Diedo, Pabbriche pin cospicue di Venezias (Vened. 1815 fg.); Venezia e le sue lagunes (3 Bde., Vened. 1847): Vacani, Della laguna di Venezias (Flor. 18670; Gsell-Fells, Venedig » (Bd. 1 von „«Italiens Städte und ihre 1878); „V., histor.⸗topogr.⸗artistisches Reisehandbuche (Triest 1878), Adalb. Müller, V., seine Kunstschätze und histor. Erinnerungen (4. Aufl., Vened. 1876); Molmenti, «Die Venetianer» (Samb. 1886). H½ oder Groß-Venediger, nächst dem Großglockner (s. Glockner) der höchste Gipfel der Hohen Tauern, erhebt sich als eisgepanzerte Gneispyramide auf der Wasserscheide zwischen der Salzach und der Drau und der Grenze von Salzburg und Tirol zu 3673 m Höhe. Die höchste Spitze, ein schmaler Firngrat, meist von Schneewechten und Eistrümmern bedeckt, gewährt eine Bohen 3 Rundsicht auf die Gletschergebiete der ohen Tauern, die Südtiroler Dolomitalpen, die Nordittroler⸗ Stubaier⸗ und Otzthalergebirge, die ordtiroler⸗, Kitzbüchler⸗ und Salzburgeralpen u. s. w. Die Besteigung des V., angeblich schon 1799 zum ersten mal ausgeführt, 1828 von Erzherzog Johann ohne Erfolg versucht, wird jetzt, seitdem 1841 Dr. A. von Ruthner mit einer 40 Mann starken Expedition die Spitze erreichte, nicht selten sowohl von Norden her aus dem Ober- und Untersulzbachthal, wie von Osten aus dem Gschlöß und von Süden aus dem Virgenthal ausgeführt. Vgl. von Sonklar, «Die Gebirgsgruppe der Hohen Tauerno (Wien 1866); von Ruthner, „Berg⸗ und Gletscherreisen in den österr. Hochalpeno (Wien 1864).