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ErdkundeBrockhaus 1882

Udine, Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz (6514,73 àKm mit 118811 528559 C.) und des Distrikts U., fruher des venet. Friaul, liegt in fruchtbarer, weinreicher Ebene am Kanal Roja, welcher vom Bergstrom Torre abzweigt, sowie an den linien Cormons-Venedig und U.⸗Pontebba. Die Stadt zerfällt in die innere und die äußere, welche durch Mauern und Gräben getrennt sind. Die Gassen sind eng und krumm. Im Mittelpunkte liegt auf einem dominierenden Hügel das 1517 von Giovanni Fontana neu erbaute Kastell, einst die Residenz der Patriarchen, dann des venet. Magistrats, jetzt Kaserne. Die größte Merkwürdigkeit in U. ist der Campo-Santo, einer der schönsten Friedhöfe Europas. Der erzbischöfl. Palast, den 1782 Pius VI., 1807 Napoleon I. und 1866 Victor Emanuel bewohnte, besitzt im Thronsaal die Bildnisse sämtlicher Patriarchen von Aquileja, sowie der Erzbischöfe von U., ferner Fresken von Tiepolo und Giovanni da Udine. Der Palazzo del Municipio, 1457 im Stile des venet. Dogenpalastes erbaut, wurde nach dem Brande von 1876 durch den mailänder Architekten Scala wiederhergestellt. Der Palazzo Bartolini enthält die an Werken über Friaul reiche öffentliche Bibliothek und das Museo Civico mit röm. Altertümern, Gemälden von Giovanni da Udine, Palma Giovane und Tiepolo, sowie eine Münzsammlung mit einer vollständigen Folge der Münzen aller Patriarchen von Aquilesa. Auf dem Hauptplatze erhebt sich eine Statue der Friedensgöttin, von Napoleon I. zur Erinnerung an den Frieden von Campo-Formio gestiftet, indes erst durch Kaiser Erpy I. aufgestellt, und eine 1883 enthüllte von rippu modellierte bronzene Reiterstatue Victor Emanuels, ferner zwei kolossale Marmorstatuen, Hercules und Cacus und ein Standbild der Justitia. U. hat (1881) 23 152 (Gemeinde 31 954) C. und ist Sitz eines Erzbischofs, des Präfekten und einer Habruni und Gewerbekammer. Sie hat eine theol. ehranstalt, zwei Gymnasien, eine Akademie des Ackerbaues, ein Theater, ein Findelhaus u. s. w. Die Haupterwerbsquelle der Bewohner ist eine lebhafte Seidenindustrie. — U. (Utinum) kommt erst im 10. Jahrh. vor, wurde 1238 durch den Patriarchen Berthold zur Hauptstadt des Friaul 47˙⁷ und kam 1420 an Venedig. Während der franz. Herrschaft war U. Hauptstadt des Depart. Passariano. U. war 1848 die erste Stadt, welche nach dem Aufstande in Venedig von Osterreich abfiel und 23. März die Besatzung zum Ab 20 zwang. Schon 23. April, nach mehrstündiger Be chießung, unterwarf sie sich wieder.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 947Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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