Verona, Festung und Hauptstadt einer der venet. Provinzen des Königreichs Italien (2747,51 akm mit 1881] 394 868 C.), liegt an der Oberitalienischen Eisenbahn (Linien nach Ala, Mantua, Modena, Venedig und Mailand), am Fuße der Berge in einer fruchtbaren Ebene und wird von der Etsch in zwei Teile, einen östlichen und einen westlichen, getrennt, welche durch sechs Brücken (darunter drei eiserne und eine alte steinerne aus dem Mittelalter) verbunden sind. Über eine siebente Brücke, die als Bauwerk beachtenswert, führt außerhalb der Stadt die Eisenbahn. Unter mehrern großen Plätzen sind die Piazza delle Erbe, ehemals Forum, jetzt Marktplatz, und die Piazza dei Signori mit dem Rathause (Palazzo del Consiglio), den Statuen ausgezeichneter Bürger und dem 1865 errichteten Standbilde Dantes (ein Werk des Veronesers Zannoni) hervorzuheben. Die Stadt hat viele schöne breite Straßen, darunter den Corso Vittorio Emmanuele, einer der breitesten und schönsten in ganz Italien, hat auch sehr ansehnliche, zum Teil schöne Gebäude und zählt (1881) 60 768, als Gemeinde 68741 E. Dieselbe besitzt 48 Kirchen, darunter 1 Kathedrale und 14 Pfarrkirchen. Sehenswert sind besonders San-Zeno, ein ehrwürdiger Bau aus dem 9. Jahrh.; Sta.⸗Maria-Antica mit dem anstoßenden Friedhofe, welcher die berühmten Mausoleen der Familie della Scala enthält; San-Fermo, Sta.⸗ Anastasia, das alte Rathaus und die Paläste Bevilacqua, Canossa, Verza, Pellegrini und Pompei. Mehrere Kirchen enthalten schöne Gemälde. Unter den Thoren sind mehrere von Sanmicheli gebaut, so die Porta-⸗Nuova und die Porta-Pallio (gewöhnlich Porta-Stuppa). Nahe dem alten Franziskanerkloster wird das Grabmal der berühmten, von dtiat Wal verherrlichten Julia gezeigt. Der anebliche Palast der Capuleti ist zu einer Fuhrmanns-Lerberge herabgesunken. Unter den neuern Bauwerken zeichnet sich das Municipio, der großartige iedhof, das 1846 eröffnete Theater, das Teatro ilarmonico und der 1850 erbaute Bahnhof aus. ls Festung hatte V. bis 1866 für Esterreich die größte strategische Bedeutung, insofern es ein Hauptglied des sog. Festungsvierecks war, welches Oberitalien beherrschte und zugleich von Süden her den Schlüssel zu Tirol bildete. Noch jetzt ist V. der Waffenplatz und Sitz des Generalkommandos des ital. 3. Armeekorps. Außerdem ist V. Sitz eines Bischofs, des Präfekten und der Provinzialbehörden, eines Tribunals, einer Handelskammer u. s. w. Von höhern Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt ein Lyceum, ein Gymnasium, ein bischöfl. Seminar, ein technisches Institut, eine Maler-und Bildhauerakademie u. s. w. Unter den Sammlungen für Wissenschaft und Kunst sind die Stadtbibliothek und die Pinakothek (meist Bilder veronesischer Meister) hervorzuheben. Sonst sind noch zu erwähnen: eine landwirtschaftliche Akademie, die Gesellschaft für Bienenkultur, die erste, die sich nach deutschem Vorbilde in Italien bildete, und das von Nicola Mazza gestiftete Privatinstitut für arme Mädchen, in welchem die Stickerei in Seide und Gold, sowie die Fabrikation künstlicher Blumen in außerordentlicher Vollkommenheit betrieben werden. Die Industrie ist nicht bedeutend, mehr der Handel mit Seide, Wein, Getreide, Ol u. s.w. — V. war von Rhätiern und Euganeern gegründet, dann seit 89 v. Chr. eine röm. Kolonie, Geburtsort des Catullus, Cornelius Nepos, Vitruvius, des ältern Plinius und hatte in den got.⸗longobard. Zeiten große Bedeutung, unter anderm als Residenz des Osgotenkönigs Theodorich, der daher in der Sage Dietrich von Bern (d. i. Verona) heißt. Dann war sie längere Zeit die Hauptstadt des Gebietes der della Scala (s d.), bis sie unter mailänd., dann venet., 1841 österr. Herrschaft kam. Seit 1866 ist sie italienisch. In und um die Stadt finden sich noch viele überreste röm. Altertümer, und die berühmte Maffeische Sammlung enthält einen Schatz an Inschriften, Statuen, Gefäßen und Basreliefs. Das alte röm. Amphitheater (Arena) zu V., das gegen 60000 sitzende Zuschauer faßt, ist unter allen aus dem Altertum übriggebliebenen Gebäuden dieser Art am besten erhalten, wenn auch vielfach erneuert. Gewöhnlich gilt es für ein Werk der Kaiserzeiten. Es ist von Marmor und von ovaler Form, 154 m lang und 123 m breit. Aus der röm. Zeit sind noch vorhanden die Porta de' Börsari, der Arco de' Leoni und das neuerdings am Fuße des Castel San-Pietro ausgegrabene Teatro romano. Vgl. Metzerich, V. und seine nächste Umgebungy (Ver. 1859); Perini, «Storia di V. dal 1790 al 18225 (3 Bde., Ver. 1873 -85). „Der vom Okt. bis Dez. 1822 von der Heiligen Allianz zur Zügelung der europ. Revolution ab-Uh durch die Bora von Verona wurde namentlich durch die Vorfälle im Südosten Europas und in Spanien veranlaßt. In V. waren zugegen die Monarchen von Preußen, Ssterreich, Rußland, beiden Sicilien und Sardinien, nebst andern ital. Fürsten; ferner von Großbritannien der Herzog von Wellington, von Frankreich der Staatsminister Herzog von Montmorency und der franz. Botschafter am brit. Hofe, Chäteaubriand, von Osterreich der Fürst Metternich, von Rußland der Graf Pozʒo di Borgo, von Preußen Graf Bernstorff und Fürst Hardenberg. Das Hauptergebnis der Verhandlungen zu V., bei welchen Metternich den Vorsitz und Gentz das Protokoll führte, war das Zugeständnis an Frankreich, mit bewaffneter Macht die Pyrenäische Halbinsel zur Wiederherstellung der Monarchie zu zwingen.