Verbena, typische Gattung der Familie der Verbenaceen, welche den Labiaten zunächst stehend, mit diesen vierkantige, trockene Stengel, gegenständige Blätter und didynamische Staubgefäße gemein hat, in der Blütenbildung jedoch mehr den Borragineen gleicht. Der Hauptcharakter der Familie aber besteht in den vier Nüssen, welche zu einer Beere oder Steinfrucht verbunden sind. Die Gattung selbst umfaßt ein-oder mehrjährige Kräuter, Halbsträucher und Sträucher und ist in der europ. Flora nur durch eine einzige Art repräsentiert, durch V. okficinalis L., das Eisenkraut, dem man früher arzneiliche und magische Kräfte zuschrieb und das im Altertum der Isis geweiht gewesen sein soll. Die übrigen ziemlich zahlreichen Arten gehören den Vereinigten Staaten und dem Süden Amerikas an. Von diesen wurden früher einige Arten in den Gärten kultiviert und geschätzt, kommen aber jetzt kaum mehr in Betracht, nachdem aus ihnen schönere Blendlinge erzogen werden und aus diesen wieder ganze Heere von Farbenvarietäten hervorgegangen sind. Die wichtigste dieser Arten ist V. chamaedritolia Juss. (V. Melindres 6ll.), in den La-Plata-Staaten einheimisch und erst 1829 in die europ. Gärten eingeführt. Sie besitzt dünne, stark verästelte, kriechende, mit den Spitzen aufsteigende Zweige und doldenförmige Endähren feurig-zinnoberroter Blüten. Viel länger erhielt sich in den Gärten in ihren spezifischen Merkmalen die ihr nahe stehende V. Tweediana Niv. als V. Defiance; sie wurde, wie noch bisweilen heute, wegen ihrer Reichblütigkeit und ihrer brennendscharlachroten Blumen zur Bildung von Teppichbeeten und Gruppen benutzt. Diese Art und ihre Blendlinge begreift man heute unter dem Namen der Scharlach⸗(Scarlet-)Verbenen. V. teucrioides Gill. et Hoo. (V. Nivenii Hort.) hat einen kräftigern Wuchs, eine über die ganze Pflanze sich erstreckende weißliche Behaarung und stärker aufsteigende Zweige. Die in Dolden stehenden weißen oder blauen Blumen hauchen einen sehr angenehmen Duft aus. Aus der geschlechtlichen Vermischung dieser und der vorigen Art sind die sog. aurikelblütigen Verbenen hervorgegangen, welche große blaue oder rote, durch ein weißes Auge verzierte Blumen haben und gerade jetzt sehr beliebt sind. Der Hauptformen vierte ist V. pulchella H70., in Buenos-⸗Ayres zu Hause, mit niederliegenden, fast rasenartigen Stengeln, tief-dreiteiligen Blättern und fiederspaltigen Abschnitten und kleinen violetten Blumen in aufrechten Dolden. Diese Art ging mit V. incisa Hool. eine geschlechtliche Vermischung ein und wurde der Ausgangspunkt einiger Blendlingsformen mit größern Blumen. Die bedeutendste war die in Italien erzogene V. Maonetti; sie hatte karmoisinrot-violette Blumen mit weiß eingefaßten on Cpielar Sie ist die Mutterpflanze derjenigen Spielarten geworden, welche im Handel unter dem Namen der ital. Varietäten geführt werden. Während die Verbenen früher aus Stecklingen von im Gewächshause überwinterten Pflanzen erzogen wurden, erzieht man sie jetzt aus Samen und behandelt sie als Sommergewächse, wenn man gemischt farbige Beete im Auge hat. Andernfalls muß man sie nach wie vor aus Stecklingen erziehen. Einige Arten und Formen jedoch, wie V. teucrioides und var. Defiance erwiesen sich auch aus Samen erzogen als farbenbeständig, wenn man dafür Sorge trägt, daß sie nicht durch in der Nähe befindliche andere Varietäten anderer Art befruchtet werden.