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ErdkundeBrockhaus 1882

Verden, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Stade, an der schiffbaren Aller, 5 Kmevon deren Mündung in die Weser, Station der Linie Wunstorf-Bremerhaven der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Landgerichts, eines Amtsgerichts und einer Handelskammer, hat eine schöne got., seit 1829 restaurierte Domkirche, ein Gymnasium und ein Lehrerseminar, Brauereien und Brennereien, Dampfmühlen, eine Maschinen⸗, eine Stearinlicht- und Seifenfabrikund mehrere Cigarren-und Tabaksfabriken und zählt (1885) 8586 meist luth. E. V. war früher ein Bistum, das wahrscheinlich Kar d. Gr. stiftete. Die Reformation wurde von Bischof Christoph von Braunschweig (1502—58 heftig bekämpft, von Bischof Georg von Braunschweig (1558—66) geduldet, von Eberhard von Holle (1566—86) durchgeführt. Der Westfälische Friede säkularisierte das Bistum und überließ es als deutsches Reichslehn der Krone Schweden unter dem Titel eines Herzogtums. Von Schweden kam es 1719 an Hannover. Seit 1807 in franz. Gewalt, ward es 1810 zum neuerrichteten Königreich Westfalen geschlagen, aber Ende desselben Jahres mit Frankreich vereinigt, und kam 1814 wieder an Hannover, 1866 an Preußen. Vgl. Pfannkuche, Altere Geschichte des vormaligen Bistums V. (Verden 1830); derselbe, Neuere Geschichte des vormaligen Bistums V.y (Verden 1834); von Hodenberg, Verdener Geschichtsquellend (2 Bde., Celle 1856 — 57); Ortenberg, Aus Verdens Vergangenheite (Stade 1876). — Der Kreis Verden zählt (1885) 25247 E. Verdi (Giuseppe), der bedeutendste und einflußreichste ital. Komponist der Gegenwart, geb. 9. Okt. 1813 zu Busseto, einem Flecken im Parmensischen, als der Sohn wenig bemittelter Eltern, erhielt den ersten musikalischen Unterricht von einem Organisten Namens Provesi und ging im Alter von 19 J., von einem begüterten Kunstfreunde unterstützt, zu seiner weitern Ausbildung nach Mailand. Hier arbeitete er, da ihm die Aufnahme ins Konservatorium verweigert worden, einige Jahre unter der Leitung des Kapellmeisters Lavigna, kehrte dann nach seinem Geburtsorte zurück und brachte 1839 seine erste Oper, Oberto, conte di San-Bonifazios, mit Erfolg in Mailand auf die Bühne. Kein Glück machte er mit seiner zweiten Oper, Un giorno di regno, ossia il finto Stanislaop, welche 1840 ebenfalls auf der Scala in Mailand in Scene ging. Dagegen wurde 1842 (wieder in Mailand) die Oper Nabuccodonosoro mit Beifall aufgenommen und begründete seinen Ruf. In den J. 1843 und 1844 komponierte er die Opern I Lombardi alla prima crociatas (für Mailand), &Ernaniy (für Venedig) und I due Foscaris (für Rom), von denen namentlich die beiden erstern großes Glück machten. Sodann folgte eine ganze Reihe von Opern, von denen jedoch nur eine, Juisa Millero (1849 für Neapel), namhaftern Erfolg hatte. Im J. 1847 lieferte er für die Große Oper in Paris eine Bearbeitung seiner „Lombardie, die den Titel Jerusaleme führte. Zu eigentlicher Popularität, auch außerhalb Italiens, gelangte V. durch die Opern Rigolettop (Vened. 1851), Il trovatores (Rom 1852) und La traviatas (Vened. 1863), namentlich durch die beiden erstern. Seine für die Große Oper in Paris komponierten Vêpres siciliennese wurden 1855 ziemlich kühl aufgenommen, und auch andere Stücke hatten wenig Erfolg. Dagegen gefiel wieder mehr Un ballo in maschera (Rom 1859). Für die ital. Oper in Petersburg schrieb V. &La forza del destinoo und brachte dieses Werk 1863 persönlich in Petersburg in Scene, ohne damit Erfolg zu erzielen. Ende 1866 wurde seine Oper Don Carloso zuerst in der Großen Oper zu Paris mit zweifelhaftem Erfolg gegeben. Einen vollkommenen Erfolg erzielte er aber wieder mit der für den Vizekönig von Agypten geschriebenen Oper „Alday (1871), die zum Teil in Wagners Bahn einlenkt und eine ähnliche Wandlung des Stils bekundet, wie die Oper «Tello bei Rossini. Ausgezeichnet ist ferner ein Requiem, welches dem Andenken Manzonis gewidmet ist. Dasselbe verbreitete sich schnell und erregte überall Bewunderung durch die meisterhafte Art, mit welcher Chor- und Orchestermassen zu unerwarteten Effekten vereinigt sind. In der Melodie und in der Behandlung des Gesangs ist V. ein Meister, woraus sich seine große Popularität erklärt. Seit 1872 ist V. auch Senator des Königreichs Italien; er lebt gewöhnlich in Genua.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 171Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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