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ErdkundeBrockhaus 1882

Stade, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Hannover, liegt an der Schwinge 6 km oberhalb deren Mündung in die Elbe, an der Grenze zwischen Marsch und Geest, Station der Unterelbischen Eisenbahn, zählt (1885) 10003 E. und ist Sitz der Regierung, eines Landgerichts, eines Amtsgerichts, eines Landratsamts, einer Postdirektion, eines Konsistoriums, einer Generalsuperintendentur und einer Landschaftsdirektion. Die Stadt hat zwei Kirchen, ein Gymnasium mit einer vollberechtigten höhern Bürgerschule, ein Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, eine höhere Töchterschule, eine Taubstummenanstalt, ein Krankenhaus, ein Militärlazarett, eine Altertums⸗ und eine Münzsammlung. Die Bevölkerung treibt bedeutenden Holz⸗ und Weinhandel und unterhält eine Eisengießerei, eine Gußstahlfabrik, mehrere Cigarrenfabriken und viele Ziegeleien. In dem benachbarten Dorfe Campe befindet sich eine bedeutende Saline und in Bruns77 eine nicht minder bedeutende Glasfabrik. er 1882 in unmittelbarer Nähe der Stadt angelegte Hafen (Schwingehafen) ist, wie die ganze untere Schwinge, in hohem Grade der Verschlickung ausgesetzt. Deshalb ist Brunshau sen an der Schwingemündung, wo bis zum Jahre 1862 der sog. Stader Zoll (Elbzoll) erhoben wurde, noch immer der eigentliche Hafenort für die Stadt. Dort befindet sich auch eine Signalstation der Seewarte und eine Station für Kompaßregulierung der Seeschiffe. Doch hat die Schiffahrt auf der Elbe seit der Herstellung der Unterelbeschen Eisenbahn, die Cuxhaven mit Harburg verbindet, bedeutend abgenommen. Früher war S. eine ansehnliche Festung, die 1757 bedeutend verstärkt, 1786 geschleift, seit 1814 neu wiederhergestellt und endlich 1882 mit Übergabe des größten Teils der Festungswälle an die Stadt wieder geschleift wurde. Infolge der Niederlegung der Wälle wurde es der sehr eingeengten Stadt möglich, sich weiter auszudehnen. Auf dem ehemaligen Festungsterrain ist bereits ein neuer schöner Stadtteil entstanden. S., schon im 10. Jahrh. als Stadt bezeichnet, stand in der ersten Hälfte des Mittelalters unter eigenen Grafen, die ursprünglich Küstenwächter gewesen zu sein scheinen und sich im 10. Jahrh. in den Askomannen⸗(Normannen⸗)Kriegen auszeichneten. Im J.1227 kam die Grafschaft Stade und mit ihr die gleichnamige Stadt nach langen Kämpfen mit den Welfen an das Erzbistum Bremen, bis sie im Westfälischen Frieden an die Schweden kam. Nun wurde die Stadt S. Hauptstadt der Herzogtümer Bremen und Verden. Im J. 1719 wurden diese Herzogtümer an Hannover abgetreten. In dem Kriege von 1866 wurde S. am 18. Juni von einem Bataillon Lam die überrumpelt. Mit dem Friedensschlusse kam die Stadt an Preußen. S. ist der Geburtsort des berühmten Generals von Goeben. Der Regierungsbezirk Stade begreift die Hadeln in f Bremen und Verden und das Land adeln in sich und zählt auf 6750 qkm (1885) 325868 E. in den 14 Kreisen Stade, Jork, Kehdingen, Neuhaus a. d. Oste, Hadeln, Lehe, Geestemünde, Osterholz, Blumenthal, Verden, Rotenburg, Achim, Zeven und Bremervörde. Der Konsistorialbezirk S. umfaßt die Generalsuperintendenturen S. (Herzogtümer Bremen und Verden und Land Hadeln) und Harburg. Die Bevölkerung ist mit Ausnahme einiger reformierter Gemeinden an der Weser durchweg lutherisch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 131Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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