Verdun-sur-Mense (deutsch Virten), Hauptstadt eines Arrondissements des franz. Maas-Departements, Festung erster Klasse, Sitz eines Suffraganbischofs der Erzdiöcese Besancon, des Stabes einer militärischen Subdivision, liegt an der in fünf Arme geteilten Maas, in 314 m Höhe, ist Station der Linien Reims-Batilly und Lerouville-Sedan der Ostbahn, gut gebaut, hat aber steile, schlecht gepflasterte Straßen. Die Stadt hat eine starke, getrennt liegende Citadelle, eine Kathedrale aus dem 11. und 12. Jahrh. mit einem Kreuzgang aus dem 15. Jahrh., einen modernen bischöfl. Palast mit prächtigem Garten, alles auf dem linken Ufer der Maas, schöne Promenaden, ein Priesterseminar, eine öffentliche Bibliothek, ein Theater, eine Ackerbau⸗ und eine philomathische Gesellschaft mit Naturalien⸗ und Münzkabinett. Die Kasernen der Citadelle sind Reste einer Abtei aus dem 13. und 14. Jahrh. Auf dem rechten Ufer befinden sich die Porte Chaussee, ein Thor mit zwei crenelierten Türmen (ljetzt Gefängnis) und auf der Place Ste.⸗Croir die Statue des hier geborenen Generals Chevert (1855). Sie zählt (1881) 12118 (Gemeinde 16053) E., welche viele Getreide⸗ und Olmühlen, Loh- und Sämischgerbereien und Gießereien unterhalten, Feilen, Leinwand, Posamentier⸗ und Tabletteriewaren und Konfitüren fabrizieren, große Mengen von Zuckerwerk und Liqueuren nach Paris und dem Auslande liefern, außerdem Handel mit Wein, Branntwein, Gl, Getreide u. s. w. treiben. In der Nähe sind bedeutende Marmorbrüche. V., im Altertum Virodunum im Gebiete der Mediomatrici, mittellateinisch Viridunum und Virdunum, hat durch den Vertrag zu Verdunsur-Meuse, welcher hier zu Anfang des August 843 zwischen Kaiser Lothar I. und seinen Brüdern, Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen, über die Teilung des Fränkischen Reichs geschlossen wurde. Berühmtheit erlangt. (S. Deutschland und Deutsches Reich.) V. selbst kam damals an Lothringen, 870 an Frankreich und 925 an das Deutsche Reich. Das Land V. oder Verdunodis Lothei Virdunensis), früher den Herzögen von othringen gehörig, die es durch eigene Grafen regieren ließen, wurde von Balduin, dem Bruder Gottfrieds von Bouillon, den Bischöfen von V. käuflich überlassen, die mit der Stadt V., welche frühzeitig die deutsche Reichsfreiheit erlangte, unablässige Fehden zu führen hatten, bei denen die Bürger zuletzt Frankreich zu Hilfe riefen. Durch den Krieg König Heinrichs II. mit Kaiser Karl V. kam die Stadt 1552 an Frankreich, wurde aber nebst ihrem Gebiete erst im Westfälischen Frieden zugleich mit den beiden andern deutschen Bistümern Metz und Toul förmlich abgetreten. Vauban befestigte die Stadt stärker. Am 2. Sept. 1792 öffnete die royalistische Partei den Preußen die Stadt, welche sie jedoch schon 14. Okt. wieder räumten. Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 wurde V. seit 25. Sept. 1870 cerniert und seit 13. Okt. belagert, worauf es 8. Nov. kapitulierte. Nach dem Frankfurter Frieden verstärkten die Franzosen 1873—78 die Festung durch detachierte Forts auf den die alte Festung umgebenden Höhen. Vgl. Hellfeld, »Die Beschießung und Cernierung von V. im J. 1870 (Berl. 1875). — Das Arrondissement Verdun zerfällt in 7 Kantone mit 149 Gemeinden und 77 868 E.