Vergerio (Vergerius, Pietro Paolo), Theolog, geb. 1498 in Capo d'Istria, studierte in Padua Rechtswissenschaft, widmete sich dann dem Dienste der Kirche, war wiederholt als päpstlicher Nuntius in Deutschland thätig, wo er z. B. 1535 Luther durch eine Unterredung zum kath. Glauben zurückzuführen versuchte, und wurde 1536 Bischof in seiner Vaterstadt. Nach und nach befreundete er sich mit dem Protestantismus, wurde infolge dessen bei der Inquisition verklagt, verließ Capo d'Istria, trat 1548 förmlich zum Protestantismus über und zog sich 1549 — 53 als Pfarrer nach Graubünden zurück. Vielfache Streitigkeiten verleideten ihm diesen Aufenthalt; 1553 trat er in die Dienste des Herzogs Christoph von Württemberg, führte hernach ein unstetes Wanderleben und starb 4. Okt. 1565 in Tübingen. Seine Schriften, in denen er, oft anonym und pseudonym, mit scharfem Witz und Satire das Papsttum angriff, sind ungemein zahlreich; die von ihm selber veranstaltete Sammlung ist nicht über den ersten Band (Tüb. 1563) herausgekommen; seine Korrespondenz mit Herzog Christoph von Württemberg hat der Litterarische Verein in Stuttgart (Tüb. 1875)herausgegeben. Vgl. Sixt, «Pietro Paolo V.y (Braunschw. 1855).