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ErdkundeBrockhaus 1882

Modena, Hauptstadt des frühern Herzogtums und der gegenwärtigen ital. Provinz gleichen Namens, an einem die Secchia mit dem Panaro verbindenden Kanal, in einer fruchtbaren Ebene, an der Bahnlinie Bologna-Turin, die hier nach Mantua, Sassuolo und Mirandola abzweigt, ist Sitz der Präfektur, eines Appellhofs und anderer Behörden, sowie eines Erzbischofs. Es bestehen daselbst eine Universität von 1683, mit etwa 200 bis 250 Studierenden, ein Lyceum, ein Gymnasium, das Konvikt San-Carlo, eine technische Schule, eine Infanterie⸗ und Kavallerieschule, eine Gesellschaft der Wissenschaften (von Lorgna gegründet), eine Akademie der schönen Künste, ein Agrikulturkolleg u. s. w. M. zählt (Ende 1881) 31053, im ganzen Gemeindegebiet 58058 E. und ist eine der freundlichsten Städte Italiens. Es hat breite, regelmäßig gebaute, meist mit Bogengängen versehene Straßen, eine Menge Paläste und ansehnliche Gebäude, ein schönes Theater, 27 Kirchen, schöne Promenaden, eine Nationalbank, wöchentliche Viehmärkte, einige Manufakturen und lebhaften Handel mit Getreide, Wein, Obst, Liqueur, Schlachtvieh und Würsten. Unter den Kirchen ist die durch die Gräfin Mathilde 1099 begonnene, nach Lanfrancos Plan gebaute, 1184 vom Papst eingeweihte und zuletzt 1822 ausgebesserte got. Kathedrale San-Geminiano bemerkenswert. Dabei erhebt sich der berühmte Glockenturm, die Ghirlandina, 1224 — 1319 erbaut, viereckig aufsteigend, mit achteckigem Obergeschoß, 96 m boch, einer der schönsten Türme Italiens. Davor steht seit 1860 die Statue des Dichters Tassoni. Der frühere herzogl., 1634 begonnene Palast dient jetzt als Militärschule. Der vom Municipio erworbene Albergo Arti, 1767 von Herzog Franz III. erbaut, enthält eine der berühmtesten Büchersammlungen Italiens (Biblioteca Estense) mit mehr als 90000 Bänden und über 3000 Handschriften, eine neue treffliche Sammlung von Gemälden, nachdem die berühmte modenesische Bildergalerie 1745 nach Dresden verkauft worden ist, die Biblioteca Poletti für Studierende der Akademie der Künste, sowie das Museo Lapidario (röm. Inschriften, Sarkophage u. s. w.). Neben dem ehemaligen herzogl. Palast liegen die schönen öffentlichen Gärten. Die früheste Spur von M. oder Mutina findet sich in dem Kriege der Römer mit den cisalpinischen Galliern kurz vor dem Ausbruch des ersten Punischen Kriegs. Im 2 185 v. Chr. wurde es röm. Kolonie, und 78 v. Chr. ward Marcus Brutus, der Vater von Cäsars Mörder, daselbst von Pompejus belagert. Berühmter aber ist der Mutinensische Krieg oder die Belagerung des Decimus Brutus durch Marcus Antonius 43 und die Entsetzung durch Octavianus und die Konsuln Hirtius und Pansa. Zerstört und wieder aufgebaut unter Kaiser Konstantin d. Gr., hatte die Stadt viel in den Kriegen der Ostgoten, Byzantiner und Longobarden zu leiden und lag dann lange Zeit ganz verödet. Fränk. Grafen regierten sie vom 9. Jahrh. an; im 11. waren ihre Bischöfe zugleich die weltlichen Herrscher. Im 12. Jahrh. gehörte die Stadt der Gräfin Mathilde von Toscana. Nach der Zeit der lombard. Städtebünde und nach manchen Zerrüttungen durch die folgenden Parteikämpfe unterwarf sie sich 1288 dem Markgrafen Obizzo von Este. Diesem Hause verblieb sie und ihr Gebiet, woraus das Herzogtum Modena (s. d.) erwuchs.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 786Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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