Vesuv, der einzige noch thätige Vulkan des europ. Festlandes, erhebt sich isoliert am Golf von Neapel in der Ebene Campaniens. Seine fast kreisrunde Basis hat 16 Km Durchmesser, seine Höhe beträgt 1297 m. Er hat zwei Gipfel, der südliche ist von regelmäßig konischer Gestalt, er bildet den Eruptionskegel, welcher beständig Rauchwolken t des 2 läßt. Von ihm durch die mächtige Schlucht des Atrio di Cavallo getrennt, erhebt sich der nördl. Gipfel, Monte-Somma, ein schroffer, halbkreisförmiger Wall, Rest eines großen vorhistor. Kraters. Auf einem Vorsprung desselben liegt das Observatorium, versehen mit ausgezeichneten Instrumenten. Jener Eruptionskegel entstand 79 n. Chr. und blieb bis jetzt Sitz der Eruptionen, die entweder durch Seitenspalten oder aus den Gipfelkratern stattfanden. Er ragt 480 m über das Atrio hinaus, bedeckt eine Fläche von 2800 m Durchmesser, ist mit Asche und kleinen Bimssteinen bedeckt und hat im Mittel 30 Gehänge. Am Fuß dieses Eruptionskegels befindet sich die Station der 6. Juni 1880 eröffneten, 900 mlangen Drahtseilbahn, auch eine Restauration; vermöge dieser Bahn gelangt man fast auf den Gipfel. Bis zum Observatorium führte von Resina aus schon früher ein guter Fahrweg, welcher dann durch die Lavawüste bis an den steilen Kegel, wo man die Station baute, verlängert wurde. Die Gestalt des Gipfels verändert sich stets, an der Auswurfstelle pflegt der Vesuv durch emporgeschleuderte Steine sich eine Art von Schornstein zu bauen, den er oft wieder umstößt. Um den Fuß des Vesuv herum, auf seiner leisen Steigung wohnen über 80000 Menschen auf äußerst fruchtbarem Boden, den folgende Städte, vielfach zusammenhänend, bedecken: Portici, Resina, Torre del Greco, orre dell Annunziata, dann etwas höher San-Giorgio, Barra, Massa, San-Sebastiano, Bosco tre Case, dann westl. Sta.⸗Anastasia, nördl. Ottajano. Der Abhang fast bis zur halben Höhe trägt reiche Vegetation, namentlich Wein (Lacrimae Christi). Der obere Teil des Bergs ist wüste und kahl, nur das Observatorium mit seinem Garten bildet eine Oase. Den Alten galt der V. bis zum Aug. 79 n. Chr. als erloschen, da geschah im genannten Jahre jener furchtbare Ausbruch, welcher Pompeji, Herculanum, Stabiä verschüttete und Plinius dem Altern das Leben kostete. Heftige Eruptionen geschahen 203, 472, 512, 685, 982, 1036, 1139. Hierauf er: folgte eine lange Pause, der damalige tiefe Krater war ganz mit Buschwerk bedeckt, in welchem Eber hausten. Ende 1631 geschah wieder einer der furchtbarsten Ausbrüche, der schreckliche Verheerung anrichtete und bei dem 3000 Menschen ums Leben kamen, und von da an ungefähr alle 10 Jahre eine Cruption, 1794 ward Torre del Greco beinahe vollständig zerstört. Im 19. Jahrh. war die Eruption von 1822 am verheerendsten. Der letzte große Ausbruch erfolgte im April 1872. Der Kegel barst an der Nordseite und entsandte einen Lavastrom, der Gipfelkrater warf unter furchtbarem Gebrüll unermeßliche Rauchwolken aus und schleuderte glühende Lavaschlacken, Steine und Asche etwa 1300 m in die Höhe. Das Donnerrollen tönte wie eine Beschießung durch Batterien. Eine Zahl von Neugierigen, die sich im Atrio befanden, kam ums Leben. Die Lava füllte in ihrem Hauptstrom den Josso della Vetrana, ergoß sich schnell in den Fosso di Fargone, teilte sich abermals, der linke Strom verwüstete die Ländereien von Le Novelle, der rechte floß zwischen Massa und San-Sebastiano durch und riß von jeder Stadt ein gutes Stück fort, wie noch heute sichtbar. In 13 Stunden hatte dieser Strom 5 km zurückgelegt. Tage hindurch hatte Neapel unter Aschenregen zu leiden, der Himmel war bleigrau, der Sonnenschein wie eine Abenddzämmerung. Die Lavamasse betrug 20 Mill. Kubikmeter. Am 1. Mai war die Eruption beendigt. Vgl. Roth, «Der V. und die Umgebungen von Neapelo (Berl. 1857); vom Rath, Der V.o (Berl. 1873); Palmieri, «Incendio Vesuviano 18725 (deutsch von Rammelsberg, Berl. 1872); derselbe, (Cronaca del Vesuvio (Neap. 1874); Volpi, Der Ausbruch des V. im April 18725 (in „Unsere Zeito, Jahrg. 1872, II); d'Augerot, Le Vésuver (Limoges 1881) Palmieri, «Storia del Vesuvios (Neap. 1882).