FeedAtna
ErdkundeBrockhaus 1882

Atna (Mongibello, aus dem ital. monte und dem arab. dschebel, d. h. Berg), der höchste der feuerspeienden Berge Europas, erhebt sich im nordöstl. Teile Siciliens terrahenshemi aus drr Ebene von Catania bis zu einer Höhe von 3310 m. Seine Basis hat einen Umfang von etwa 130 km und auf seinen . Eri stehen 65 Ortschaften mit etwa 300000 E. Er ist ringsherum durch tiefe Einsenkungen von dem umgebenden Kalk⸗ und Thongebiet Netud Werten die Flüsse Cantara im N. und Simeto im W. und S. Seine Unterlage, die namentlich an den östl. Steilküsten danelben ö aufgeschlossen ist, scheint durchweg aus den Schichten zu bestehen, wie die übrige Pesal Über dieser Basis steigt sein machtiger Kege empor, beetzt mit mehr als 200 kleinen Krater ergen, bis zur Höhe von etwa 3000 m. Hier findet sich ein Gipfelplateau, der Piano del Lago von etwa 3 km Durchmesser, über dem der eigentliche Kegel noch 300 m. emporsteigt. An der Südseite des Piano del Lago steht die für Besteigungen des A. unentbehrliche Casa inglese (2942 m über dem Meere), 1811 von Engländern angelegt. Daneben ist jetzt ein astron. SoserparoRium errichtet, welches au der Oitseite ur Unterkunft für Reisende bietet. An der Ostseite es Plateau findet Wstnet Einsenkung, welche nach dem Meere geöffnet ist, das Val del Bove, wahrscheinlich (nach Lyell) in frühern Zeiten einmal der Hauptkrater des A. Dieses tief eingerissene Thal, welches von der Serra del Solfizio und der Serra delle Concazze eingeschlossen wird, ist für das Studium der Struktur des A. von großer Bedeutung. Unmittelbar über dem Rande des Val del Bove steht der sog. Philosophenturm welcher der Sage nach dem Empedokles zur Wohnung gedient hat. Die Besteigung des A. findet meist von gion (regione deserta), über 2100 m n Leb hat nur kümmerliche Spuren vegetabilischen ebens, keine eigentliche Alpenflora, weil asser manelt, aber bis 2500 m subalpine Sträucher, zuetzt nur noch fünf Phanerogamen, von denen drei dem A. eigentümli sind. Gerade diese dritte Schluc ist aber, da sie auch im Sommer in allen chluchten Eis und Schnee enthält, sehr wertvoll. ie versorgt nicht nur einen großen Teil Siciliens, laptend auch lta mit dem den Einwohnern zu ühlenden Getränken unentbe rlichen Schnee, und es soll der Schneehandel, welcher für alleinige Rechnung des Bischofs von Catania betrieben wird, einen jährlichen Gewinn von 15—18000 Mark abwerfen. Der besonders im N. und O. steil aufsteigende, aber auch 12 den andern Seiten wild zerklüftete Berg scheint durch seine verschiedenen Lavaumlagerungen auf eine zweifache Epoche seiner Emwach ng hinzudeuten, denn einige Lavaschichten wechfeln mit jüngern Kalkgebilden. Vor Christi Geburt kennt man elf Ausbrüche desselben, unter denen die von 477 und 121 am merkwürdigsten; nach Christi Geburt sind es die von 1160, 1169, 1329, 1536, 1537, 1669, 1693, 1763, 1787, 1792, 1802, 1805, 1809, 1811—12, 1819, 1832, 1838, 1842, 1852 und in neuester Zeit 1865 (1. Febr.), 1874 (29. und 30. Aug.) und 1879 (26. Mai bis ö 6. Juni). Die Lavaergüsse verhalten sich in Menge und Mächtigkeit zu denen des Vesuv wie gewaltige Ströme zu unbedeutenden Flüssen, und haben Opfer oft mächtige Verheerungen angerichtet, deren Opfer wiederholt das nahe Catania und, wie 1631, die Gegend um Bronte war. Sie kommen nur in seltenern Fällen aus dem Hauptkrater, der dann jedesmal bedeutende Umformungen erleidet; meistens sind bei den Ausbrüchen besondere Krater gebildet worden, von denen Lavaströme ausgingen, wie die Monti-Rossi, die bei der furchtbaren Eruption von 1669 entstanden sind. Bei dem Ausbruche von 1874, welcher an der Nordseite des Gipfelplateau stattfand, spaltete sich der A. bis in die Nähe des Monte-Rero. Die Lage des Ä. und seine Umgebung deist vorstehende Karte. m die Topographie und Naturgeschichte des A. machten sich besonders verdient: Gemellaro durch seine Beobachtungen, Ferrara durch die Descrizione del Etnay (Palermo 1818) sowie die zu Catania 1824 von ihm gegründete Gidenische Akademie, welche zu Ehren des Ritters Gioeni, des Verfassers einer Litologia vesuviana, so genannt wurde, und Smyth durch sein Memoir descriptive of the resources, inhabitants and hydrography of Sicilys (Lond. 1824). Das — Werk aber 6⁵ Sartorius von Waltershausen ( tlas des A.», ött. u. Weim. 1848—59) geliefert. Aus dem Nachlaß desselben erschien: »Der A., nach den Manuskripten des Verstorbenen 2Tde. 29. 1 und vollendet von A. von Lasaulxo (2 Bde., Lpz. 1880). Hervorzuheben sind noch: Grassi, Relazione storica ed osservazioni sulla eruzione etnea del 18655 (Catania 1865); Silvestri, I fenomeni vulcanici presentati dell' Etna nel 1863—665 (Catania 1867); „Atolien (lat. Aetolia, grch. Akrohia) nannten die Alten eine Landschaft im westl. Mittelgriechenland welche im NO., N. und NW. an die Gebiete der Stäer, Anianen, Doloper und Amphilocher grenzte, im W. durch den Achelous von Akarnanien geschieden, im S. vom Korinthischen Golfe bespült und im O. von Lokris begrenzt wurde. Ursprünglich zerfiel diese Landschaft in zwei Teile: das eigentliche oder alte A., welches im N. bis zum Gebirgszuge Panätolion (jetzt Plokapari), im O. bis zum Thale des Euenos, des bedeutendsten Flusses der Landschaft, reichte und in der altgriech. Heldensage und Sobertei chte viel genannt wird, und das hinzueroberte A. (Ketolia H das von lichen Stämmen bewohnt und von hohen, unwirtlichen Gebirgen (darunter der Korax im O. und der Tymphrestos im N.) erfüllt war. Während dieser letztere Teil des gesamten Landes weniger für den Ackerbau, als für Viehzucht und Jagd geeignet war besitzt das Altätolien zwei ausgedehnte, durch den vom Achelous zum Euenos reichenden Gebirgszug des Arakynthos (ietzt Zygos genannt) geschiedene fruchtbare Ebenen, die zwar zu einem nicht geringen Teile durch Wasserbecken eingenommen werden, aber doch für den Betrieb von Ackerbau hinreichend Raum ließen. Blühend war hier auch die Pferdezucht; Weinbau wurde auf den untern Abhängen des Arakynthos, besonders im Gebiete von Kalydon getrieben. Den östl. Teil der nördlichern Ebene, welche die Fortsetzung zu der des mittlern Akarnanien bildet, beherrschte die Hauptstadt der ganzen Landschaft und der Sitz der Bundesversammlungen, Thermon. Benannt war Altätolien von den Atolern, welche ihren Namen und Stamm auf einen — Atolos, den Sohn des Endymion, zurückführten, und wie ihre Nachbarn, die Akarnanen, dem leleg. Stamme angehörten und die Hauptgottheit desselben, die Artemis (teils als Laphria, teils als Atole), verehrten. In der Atolia Cpiktetos wohnten die Curytanen, die Aperanten, die — — die Ophionen und die Apodoten. Die Überlieferungen der Alten über Sitten und Charakter der Bewohner A.s lauten ungünstig. Sie werden als wild und roh geschildert, der Schwelgerei und Uppigkeit sowie der Plünderungssucht im Kriege, der Treulosigkeit im Frieden Hesch Richtig ist jedenfalls, daß die Atolier, deren Geschichte und Charakterbild nur durch ihre Gegner überliefert worden ist, die Bewohner von Südätolien ausgenommen, bls in das Zeitalter der Diadochen hinein die altgriech. wilden Zustände nur sehr teilweise abgestreift hatten, und namentlich stets Raubzüge zu Wasser und zu Lande liebten. Denn sie standen in den Jahrhunderten der Blüte Griechenlands in der Regel außer allem Zusammenhang mit der großen selier Politik. Fehden mit ihren auten mein arn, besonders mit den Akarnanen, nahmen meist ihre Kräfte in Anspruch. Schon frühzeitig bestand unter ihnen eine Art von Bund der einzelnen Gaue oder Völkerschaften; über die Organation desselben ist aber nichts Naheres bekannt. Erst mit der Zeit Alexanders d. Gr. beginnen die Atolier wirksam in die griech. Verhältnisse einzugreifen. Nachdem sie 323—322 v. Chr. lebhaft zu Gunsten der Unabhängigkeit Griechenlands am Lamischen U99½7 teilgenommen, und darauf von Antipater und Krateros hart bedrängt worden, schlossen die einzelnen Stämme ihren alten Verein, den Atolischen Bund, enger. Seitdem standen die Atolier, indem sie je nach ihrem Interesse mit den verschiedenen Machthabern der Diadochenzeit Bündnisse eingingen, in dauernder Fehde, bald mit Antipater und Polysperchon, bald mit Kassander, bald mit Demetrius Poliorketes, bald mit den Spartanern. Bei der Abwehr des Einfalls der Kelten in Griechenland (278) leisteten sie Bedeutendes. In dieser Heldenzeit der Atolier breitete sich der Atolische Bund über einen großen Teil des mittlern und nördl. Griechenland aus: die Lokrer, Rbe Otäer, zahlreiche nes. E Städte traten ihnen bei; auch einige peloponnes. Staaten, wie CElis, Messenien und mehrere arkad. Städte, endlich die Inseln Ke — und selbst einige Städte in Kleinasien lossen sich ihnen an. So wurden sie eine neue Hauptmacht in Griechenland. Aber für sie und für Griechenland höchst schädlich wurde, neben ihrer Neigung zu Derwickelienhrt oft das Volk in schwere Kriege verwickelten, ihre Eifersucht auf die Achäer. Aus dieser entsprang endlich, als dieselben in den macedon.⸗griech. Bund des Antigonus Doson getreten waren, der für alle Teile 211 die Allianz der Atolier mit den Römern gegen ach der S von Macedonien folgte. Aber schon nach der Schlacht bei Kynoskephalä (197 v. Chr.) kam es zwischen Atoliern und Römern zum Bruch. Die Atolier zogen zur Vertreibung des röm. Einflusses aus Griechenland 192 v. Chr. den Seleutiden Antiochus III. nach Hellas, 4e nit dßo dann aber in dem neuausbrechenden Kriege mit Rom so vollständig, daß 189 v. Chr. ihre polit. Bedeutung für immer gebrochen und vernichtet wurde. (S. Griechenland.) Während des letzten Jahrhunderts ihres polit. Wirkens besaßen die Atolier eine ziemlich ausgebildete Bundesverfassung. Die Entscheidung ber Krieg und Frieden, überhaupt über die Bundesangelegenheiten hing von der Bundesversammlung ab, welche in der Regel ohl w. zu Ansc des Herte gewöhnlich (obwohl nicht auschließlich) in Thermon gehalten und Panätolikon genannt wurde; nicht dabei beteiligt waren die nur schutzverwandten, die tributären und die unterthänigen Glieder; sonst aber war Bar Teilnahme an der Bundesversammlung jeder Bürger einer zum Bunde Higers en Stadt berechtigt. Zu den Geschäften dieser Versammlungen gehörte die Wahl der Bundesbeamten, deren oberster der Stratege war, nach welchem der Hipparch und der Staatsschreiber den nächsten Ran „die sog. U denselben stand ein Ual Ber Ausschuß, die sog. Apokleten, zur Seite. Vgl. Brandstäter, «Die Geschichten des ätol. Landes, Volks und Bundes» (Berl. 1844). Im neuen Königreich Griechenland ist A. mit Akarnanien zu einer Nomarchie Akarnanien und Atolien vereinigt (s. Akarnanien).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 150Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6