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GeschichteBrockhaus 1882

Victor IV. nennen sich zwei Gegenpäpste im 12. Jahrh., der Kardinal Gregor Conti (gest. 1138) als Gegenpapst Innocenz' II. (s. d.) und der Kardinal Octavius, Gegenpapst Alexanders III. (s. d.). BVictor Emannel I., König von Sardinien, 1802 —21, geb. 24. Juli 1759, war der zweite Sohn des Königs Victor Amadeus III. und hieß vor seiner Thronbesteigung Herzog von Aosta. Er bewog seinen Vater, gleich anfangs der ersten Koalition beizutreten, und nach erfolgter Kriegserklärung 1792 stellte er sich an die Spitze des sardin. Heeres. Die Ausschweifungen des von ihm fanatisierten Landvolks hatten blutige Rache von seiten der Franzosen zur Folge. Als sein Vater 1796 mit Bonaparte Unterhandlungen anknüpfte, widersetzte sich der Herzog von Aosta dem Abschlusse eines Friedens und ging, da er dies nicht verhindern konnte, in das südl. Italien. Sein Vater starb 16. Okt. 1796 und ihm solgte der älteste Sohn Karl Emanuel IV., der aber 4. Juni 1802 die Regierung niederlegte. Sein Nachfolger V. blieb, ohne als König gegen die von den Franzosen in Piemont hergestellte Ordnung revolutionär aufzutreten, unter brit. Schutze in Cagliari, bis er 20. Mai 1814 nach Turin zurückkehren konnte. Der erste Pariser Friede gab ihm Nizza und halb Savoyen, der zweite Pariser Friede den übrigen Teil Savoyens zurück, der Wiener Kongreß vereinigte Genua mit der sardin. Monarchie. Die Piemontesen erwarteten jetzt eine zeitgemäße Umgestaltung der innern Verwaltung; allein V. hob nicht nur die bessern franz. Einrichtungen auf, sondern entließ sogar mehrere der besten Professoren an der Universität und übertrug die Leitung der geistlichen Angelegenheiten seinem Beichtvater; erst unter Prospero Valbo (1819) wurden einige erwünschte Reformen eingeführt. Um so leichter fanden die Carbonari (s. d.) hier Eingang, und 10. März 1821 brach endlich die Revolution aus. Der im Grunde des Herzens anti-österreichisch gesinnte König hielt ch durch sein den verbündeten Mächten gegebenes ersprechen, die Regierungsform nicht zu ändern, fur gebunden, verweigerte, die vom Militär proklamierte span. Konstitution von 1812 zu beschwören, legte 13. März 1821 die Krone nieder, die auf seinen Bruder Karl Felir überging, und starb zu Moncalieri 10. Jan. 1824. Aus seiner Ehe mit der Erzherzogin Maria Theresia von Osterreich entsprossen vier Töchter, von denen 1) Beatrix mit Herzog Franz IV. von Modena, 2) Marie Therese mit Herzog Karl II. von Lucca, später Parma, 3) Karoline mit Kaiser Ferdinand I. von Osterreich und 4) Marie Christine mit König Ferdinand II. beider Sicilien vermählt wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 248Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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