Victoria (La), Santa Maria de la Vietoria, Hauptstadt des Staates Guzman Blanco der südamerik. Republik Venezuela, an einem östl. Zuflusse des Sees von Valencia, hat 12000 E. und große Plantagen von Kaffee, Zucker und Kakao. Bietoria (Ciudad de) oder Durango, Hauptstadt des mexik. Staates Durango (s. d.). »Victoria I. (Alexandrine), seit 20. Juni 1837 regierende Königin von Großbritannien und Irland, geb. 24. Mai 1819, ist das einzige Kind des 1820 gestorbenen Herzogs von Kent, des vierten Sohnes Georgs III. und der Prinzessin Luise Victorie von Sachsen-Coburg, die in erster Ehe mit dem Erbprinzen von Leiningen vermählt war. Die junge V. erhielt durch den Tod ihres Vaters, als des Erben seines kinderlosen Bruders, König Wilhelms IV., Anrecht auf den brit. Thron. Unter der Leitung der Herzogin von Northumberland empfing sie Unterricht, besonders erwarb sie sich in Musik und in Botanik gute Kenntnisse. Bei dem Tode ihres Oheims, Wilhelms IV., siel ihr 20. Juni 1837 die Krone zu. Die Krönung wurde 28. Juni 1838 mit großem Pomp gefeiert. Am 10. Febr. 1840 vermählte sie sich mit ihrem Vetter, dem Prinzen Albert (. d.) von Sachsen-Coburg-Gotha. Auf die polit. Verhältnisse übte die Verbindung keinen unmittelbaren Einfluß, weil der Prinz von der Teilnahme an den Regierungsgeschäften ausgeschlossen blieb. In allen Parteischwankungen blieb die Königin V. den konstitutionellen Normen musterhaft getreu. Der Stimmung der Nation jedesmal zu rechter Zeit nachgebend und doch sich ihre Würde und Majestät nach allen Seiten hin wahrend, führte sie die Monarchie durch die schwierigen Zeiten der größten polit.⸗sozialen Umgestaltungen und durch eine Anzahl großer Kriege unerschüttert hindurch. Während die Königin auf dem Throne als Muster einer verfassungsgetreuen Herrscherin glänzte und den langen innern Hader zwischen Kabinettsregiment und parlamentarischer Regierung zuerst dauernd abschloß, zeigte auch ihr Privatleben ein Bild der edelsten Würde und Häuslichkeit. Aus l ihrer glücklichen Ehe mit dem Prinzen Albert entsprossen neun Kinder: 1) die Prinzessin Victoria, geb. 21. Nov. 1840, seit w1858 vermählt mit dem Kronprinzen von Preußen; 2) Albert Eduard, Prinz von Wales, geb. 9. Nov. 1841, seit 1863 vermählt mit der Prinzessin Alexandra von Dänemark; 3) Prinzessin Alice, geb. 25. April 1843, seit 1862 vermählt mit Prinz Ludwig von Hessen, gest. 14. Dez. 1878, 4) Prinz Alfred, Herzog von Edinburgh, geb. 6. Aug. 1844, Admiral in der königl. Marine, seit 1874 vermählt mit der Großfürstin Marie von Rußland; 5) Prinzessin Helene, geb. 25. Mai 1846, seit 1866 vermählt mit Prinz Christian von Prin wig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg; 6) Prinzessin Luise, geb. 18. März 1848, seit 1871 vermählt mit dem Marquis von Lorne, ältestem Sohne des Herzogs von Argyll; 7) Prinz Arthur, Herzog von Connaught, geb. 1. Mai 1850, seit März 1879 vermählt mit der Prinzessin Luise Margarete, Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preußen; 8) Prinz Leopold, Herzog von Albany, geb. 7. April 1853, gest. 28. März 1884, seit 1882 vermählt mit der Prinzessin Helene von Waldeck⸗-Pyrmont; 9) Prinzessin Beatrice, geb. 14. April 1857, seit 1885 vermählt mit Prinz Heinrich von Battenberg. Den ersten Riß in das äußerst glückliche Familienleben der Königin machte der Tod ihrer innig verehrten Mutter, der Herzogin von Kent, 16. März 1861, und kaum hatte sie den Schmerz darüber verwunden, als der Tod Prinz Alberts 14. Dez. 1861 ihr eine noch tiefere Wunde schlug. Die Teilnahme des engl. Volks an diesem Verluste seiner Herrscherin war groß und allgemein. Bei der Königin nahm die Trauer um den geliebten Gemahl die Form eines Kultus an, der sie noch immer, wenn nicht ihren Herrscherpflichten, so doch den Anforderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse teilweise entfremdet. Ihre Pietät gegen ihren verstorbenen Gemahl zeigte sich in der Herausgabe der beiden Bücher arly life of the Prince Consorto (1867; deutsch, Gotha 1867) und Leaves from the journal of our lite in the Highlandso (1868; deutsch, Braunschw. 1868). Im Febr. 1872 fand ein Attentat auf die Königin statt. Edward O'Connor, ein junger Mensch von 17 Jahren, irischer Abkunft, dessen Phantasie durch fenische Ideen erhitzt war, hielt der Königin bei ihrer Rückkehr von einer Spazierfahrt in dem Garten des Buckinghampalastes in London eine ungeladene alte Pistole und ein Papier mit dem Befehl zur Freilassung der noch in Haft gehaltenen fenischen Gefangenen entgegen, das sie unter dem Eindruck jener Drohung unterzeichnen sollte. Die Königin bewies die größte Geistesgegenwart und der junge Mann wurde ohne weitern Unfall festgenommen. Ein anderes, ebenso sinnloses Attentat machte im April 1882 Roderick Mac Lean. Am 28. April 1876 nahm die Königin infolge einer von Graf Beaconsfield durchgeführten Parlamentsakte den Titel «Kaiserin von Indiend an, unter dem sie 1. Jan. 1877 von dem Vizekönig von Indien in Delhi feierlich proklamiert wurde. Die schon durch mehrere über Prinz Albert erschienene Werke gestatteten Einblicke in ihr Familienleben vermehrte sie durch die Veröffentlichung von KMore leaves from the journal of a life in the Highlandso (Lond. 1884). (Vgl. Großbritannien.)