FeedAlbert (Franz August Karl Emanuel)
GeschichteBrockhaus 1882

Albert (Franz August Karl Emanuel), Herzog zu Sachsen, n des Herdogs von Großbritannien, der zweite Sohn des Herzogs Ernst J. von Sachsen-Koburg aus seiner ersten Ehe mit der Prinzessin Luise, einzigen Tochter des Herzogs von Sachsen-Gotha, wurde 26. Aug. 1819 auf Schloß Rosenau bei Koburg geboren und genoß eine sorgfältige Erziehung. Nachdem er 1836 gelegentlich eines Besuchs bei seiner Tante, der Herzogin von Kent, die englische Thronerbin Victoria kennen gelernt, bezog er im Mai 1837 mit seinem Bruder, dem nachmaligen Herzog Ernst II. von Sachs en-Koburg-Gotha, die Universität Bonn, wo er sich mit Eifer den Staatswissenschaften und md Hesc Sprachen, der Naturlehre, Philosophie und Geschichte widmete. Hier veröffentlichten die Brüder zum Besten der Armen ein Bändchen Gedichte, zu welchem A. den Text und die Illustrationen, Ernst die musikalische Begleitung lieferte. Eine ital. Reise vollendete A.s Bildung. Bei der Rückkehr ward er im 20. Lebensjahre für mündig erklärt und erschien im Okt. 1839 von neuem in London; 23. Nov. kündigte Victoria in einer Sitzung des Staatsrats ihren Entschluß an, sich mit ihrem Cousin zu vermählen. Am 10. Febr. 1840 fand die Trauung in der königl. Kapelle zu St.⸗James statt, nachdem der Bräutigam schon 24. Jan. naturalisiert worden war. Reich mit Kindern gesegnet, war die Ehe eine überaus . aller und an der Seite seiner Gemahlin genoß A. aller Freuden einer gemütvollen Häuslichkeit. Weniger befriedigend war im Anfang seine öffentliche Stellung, indem er mit dem volkstümlichen Mißtrauen ! gegen alles Ausländische zu kämpfen hatte, das von den aristokratischen Parteien genährt wurde und in der Presse einen Widerhall fand. Nur allmählich gelang es ihm, dieses Vorurteil zu überwinden. *— x dem er sich aller unmittelbaren Einmischung in die Staatsgeschäfte enthielt, erwählte er die Förderung der Kultur, die Bildung des Volks und die Hebung seines geistigen und materiellen Wohlseins zur Sphäre seiner segensreichen Thätigkeit. Auf seine Anregung oder unter seinem Patronat wurden viele gemeinnützige Anstalten ins Leben gerufen; durch ihn kam die große Welt-Industrieausstellung von 1851 zu Stande, deren Plan er schon zwei ahre vorher in einer vor der Society of Arts gealtenen Rede dargelegt hatte. Während er wissenchaftliche Unternehmungen beförderte und in gelehrten Vereinen präsidierte, verschmähte er es andererseits nicht, Lumpenschulen e Berb schools) und Reformatorien für jugendliche Verbrecher ein-Aderbau Musterwohnungen für Arme anzulegen, ckerbau und Viehzucht durch sein Beispiel in seiner Musterfarm bei Windsor aufzumuntern. „Die Popularität des Prinzen wurde infolge dessen immer größer; 1847 ward er zum Kanzler der Universität Cambridge, dann zum Großmeister der engl. Honse erwahltz und zum Meister von Trinityouse erwählt; außerdem wurde er Mitglied des Staatsrats, Oberwardein des Herzogtums Cornwall, Gouverneur und Constable von Windsor-Castle,‚ Verwalter der königl. Parks, Generaloberst der Grenadiergarde und der Schützenbrigade und Protektor fast aller Hospitäler und wohlthätigen Institute des Königreichs. Den Antrag des Herzogs von Wellington, den Oberbefehl der engl. Armee zu übernehmen, lehnte er ab. Am 25. Juni 1857 verlieh ihm die Königin den Titel eines Prince Consorty; auch wurde er für den Fall ihres Ablebens zum Regenten während der Minderjährigkeit des Prinzen von Wales bestimmt. Mit den Vorbereitungen zu einer zweiten großen Kunst⸗ und Industrieausstellung beschäftigt, erkrankte er in den letzten Tagen des Nov. 1861 zu h rasch an einem anscheinend leichten Übel, das sich rasch verschlimmerte und 14. Dez. seinen Tod herbeiführte. Ganz England trauerte um den so frühzeitig Hingeschiedenen, dessen Verlust man als ein nationales Unglück empfand; der Schmerz der königl. Witwe aber gab sich mit einer Leidenschaftlichkeit kund, die 95 ihre Gesundheit fürchten ließ. Während die Königin im Parke von Frogmore bei Windsor ein prachtvolles Mausoleum zur Aufnahme der irdischen überreste des Prinzen errichtete, wetteiferten die engl. Mittelklassen fast aller größern und vieler kleinen Städte Großbritanniens, durch Bildsäulen und Gedächtniskreuze sowie durch die Gründung von Kunstschulen und Museen, von Arbeiterbildungsvereinen und Hospitälern, die Erinnerung an den Verstorbenen zu verewigen. d. London wurde, außer einer Anzahl kleinerer Denkmäler, das großartige Albert Memorial, im Süden der Kensington-Gardens an der Stelle, wo das Gebäude der ersten Weltausstellung von 1851 stand, und die gegenüberliegende, ebenso großartige Albert Hall of Arts and Sciences seinem Andenken zu Ehren erbaut. A.s Reden wurden unter dem Titel Addresses delivered on different public occasions by H. R. H. Prince Alberto (Lond. 1857) gesammelt. Außerdem erschienen auf Befehl der Königin The principal speeches and addresses of H. R. H. the Prince Consorto (Lond. 1862; deutsch von Frese, Brem. 1863), welchen einige von ihr selbst diktierte Notizen über seinen Charakter und sein Wirken beigefügt sind. Sein Leben beschrieben Walford (Lond. 1862), Wilson (Lond. 1862), Johnson (Lond. 1862) und vor allem Sir Theodore Martin (The life of H. R. H. the Prince Consorto, 5 Bde.; Lond. 1875—-80; deutsch von E. Lehmann unter dem Titel Das Leben des Prinzen A., Prinz-Gemahls der Königin von Englando, Bd. 1—5, Gotha 1876—81), dem von der Königin zahlreiche Briefe, Tagebücher und private Dokumente jeder Art zur Benutzung überwiesen wurden und dessen Werk eine allgemeine nationale Anerkennung LHeie at. Von Interesse sind auch das unter Leitung der Königin Victoria herausgegebene Werk von Grey The early years of H. R. H. the Prince Consorto (Lond. 1867; 4. Aufl. 1869, deutsch von Frese unter dem Titel „Die Jugendjahre des Prinzen A.v, Gotha 1868) und die von Helps herausgegebenen Leaves from the Journal of our life in the Highland from 184861 (Lond. 1868, deutsch unter dem Titel Blätter aus dem Tagebuche der Königin Victoria u. s. w. », Braunschw. 1868), Auszüge aus dem Tagebuche der Königin, die von dem Privatcharakter des Prinzen und dem glücklichen Familienleben des königl. Paares ein sehr anziehendes Bild entwerfen, sowie „Aus dem olit. Briefwechsel des deutschen Kaisers mit dem Prinz-Gemahl von England 1854 — 61 (Gotha 1881). Aus seiner Ehe mit der Königin entsprossen neun Kinder (s. Victoria). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 335Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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