Vielfraß (Gulo) heißt eine Gattung marderartiger Raubtiere von gedrungenem Körperbau und mit kurzem, buschigem Schwanze. Der nordische Vielfraß (G. borealis; Tafel: Kleinere Raubtiere, Fig. 6) tritt mit halber Sohle auf, hat starke Füße mit scharfen Krallen, einen breiten Kopf mit stumpfer Schnauze und kurzen, abgerundeten Ohren. Sein dunkelbraunes, aber nicht feinhaariges, in Polen zu Männerpelzen, anderwärts zu Decken verwendetes Fell zeigt auf dem Rücken einen schwarzen Sattel (den sog. Spiegel). Ohne den 20 em langen Schwanz mißt er 75 em. Er findet sich in allen Nordpolarländern. Sein Name, dessen etymolog. Mißdeutung zu vielen Sagen Veranlassung gegeben hat, heißt eigentlich Fjällfraß, was im Norwegischen einen Felsenbewohner bedeutet. Bei Tag und Nacht geht der V. auf Raub aus, plündert die Bauerhöfe, stiehlt die Köder aus den Fallen und fängt Füchse, Hasen, sowie kleine Säugetiere und Vögel, denen er den Kopf zerbeißt und das Blut aussaugt. Er wird sogar den Renntieren gefährlich, indem er auch diesen von der Höhe aus auf den Rücken springt und die Halsadern durchbeißt. Bei Angriffen verteidigt er sich mit vielem Mute und ist nur durch mehrere Hunde zugleich zu bezwingen. Der amerikanische Vielfraß oder Wolverene ist nur eine Spielart des nordischen.