FeedViehzucht
TierreichBrockhaus 1882

Viehzucht heißt derjenige Teil der Landwirtschaft, welcher sich mit der Zucht und Pflege der Haustiere, sowie mit der Verwertung ihrer Produkte beschäftigt. Das Ziel der V. ist die Gewinnung einer möglichst hohen Rente vom Boden durch Verwandlung von Futtergewächsen in Fleisch, Fett, Milch, Wolle u. s. w., sowie Erzielung von Dünger zum Ersatz der dem Felde in den Ernten entzogenen Bestandteile. Während man früher die V. für ein der Düngererzeugung wegen notwendiges Ubel hielt, später dagegen und im allgemeinen auch gegenwärtig noch als eins der wirksamsten Mittel zur Hebung der Kultur betrachtete, gibt es jetzt wieder Landwirte, welche der Ackerwirtschaft ohne V. den Vorzug geben, den tierischen Dünger durch künstlichen ersetzen. Man unterscheidet Großviehzucht (Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen, Esel, Maultiere) und Kleinviehzucht(Kaninchen, Geflügel). Die Behandlung der einzelnen Tiergattungen lehrt die spezielle V., während die Lehren der allgemeinen V. sich gleichmäßig auf sämtliche Nutztiere erstrecken. In wissenschaftlichem Sinne versteht man unter V. im allgemeinen die gewinnbringende Produktion der Haustiere. Im engern Wortsinne aber bedeutet V. die von der Paarung anfangende, nach bestimmten Gesetzen geleitete Erzeugung und Aufzucht von Nutzungstieren zu einem bestimmten Endzweck. Dieses ist wirkliche Zucht, jedes andere Verfahren nur ein Los auf den Zufall. Als Muster einer nach rationellen Prinzipien betriebenen V. kann die britische gelten. Vgl. Weckherlin, «Die landwirtschaftliche Tierproduktionv(4. Aufl., Stuttg. 1865); Settegast, „Tierzucht o (4. Aufl., Bresl. 1878); Krafft, (Lehrbuch der Landwirtschaft (4. Bd.: «Tierzuchtlehrer, 4. Aufl., Berl. 1885). Der Viehhandel übernimmt die Vermittelung zwischen den Produzenten und den Verbrauchern; er bildet sein eigenes, für sich bestehendes Geschäft, welches namentlich in der Neuzeit große Dimensionen angenommen hat, nachdem Raschheit und Verbreitung der Verkehrsmittel es gestatten, ihn anstandslos auf die weitesten Entfernungen hin auszudehnen. Der Viehhandel scheidet sich in Zuchtviehhandel und Fleisch-(oder Markt⸗, Mast⸗) Viehhandel. In Deutschland betrug 1885 der Gesamtumsatz an Vieh über die Zollgrenze 260 Mill. Mark und zwar: Pferdee 69 763 Stück zu 59 996 000 M. Kühe und Stiere 45961 „ 18 601000 sen... 12718 v „ 4352000 Schweine.......545 633 »„ 52381000 »„ Spanferkel. 112834 ᷣv »„ 846 000 Schafe u. Lämmer 11434 » 268000 „ Pferde.. 15 770 Stückzu 18 136 000M. Kühe und Stiere. 42788 » „ 13215000 Jungvieh. 49335 »„ 9127000 Schweine 423293 „ 29207000 »5„ Spanferkel 18084 » » 163000 Schafe u. Lämmer 1204030 „ »„ 26684000 »5 Großartig eingerichtet ist der Viehmarkt in Berlin, wo sich auch die größten und berühmtesten Firmen für diese Geschäftsbranche finden. Bedeutend sind ferner die Viehmärkte in Hamburg, Frankfurt a. M. und andern Großstädten. Allerwärts unterliegt der Viehhandel gesetzlichen Beschränkungen und Vorschriften, teils im allgemeinen Interesse, um die Verschleppung gefährlicher ansteckender Krankheiten zu verhindern (in Deutschland das Gesetz, Maßregeln gegen die Rinderpest betreffend vom 7. April 1869 nebst Erlaß vom 9. Juni 1873, das Gesetz betreffend die Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei Viehbeförderungen auf Eisenbahnen vom 25. Febr. 1876, das Gesetz betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 24. Juni 1880), teils zum Schutz gewisser privatrechtlicher Interessen von Käufer und Verkäufer. (S. Gewährsmängel.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 256Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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