Vienne, Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Isere (Dauphiné), am linken Ufer des Rhöne, welcher hier die Göre aufnimmt und über den eine Hängebrücke nach dem Vorort Ste.⸗ Colombe führt, 31 Km südlich von Lyon, Station der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, hat eine schöne Lage am Abhange von Weinbergen und ist im ganzen altertümlich gebaut. Doch besitzt die Stadt einen schönen Kai und einige ansehnliche Gebäude, wie das neue Rathaus mit kleinem Museum und die neue Stadthalle mit großartigen Weinkellern. V. ist Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Handels- und eines Arbeiterschiedsgerichts, einer Ackerbau-, sowie einer Manufakturen-⸗und Gewerbekammer. Die Stadt hat eine got. Kathedrale (St.⸗ Maurice) aus dem 12. bis 15. Jahrh. mit zwei Türmen, prächtiger Fagade und Treppe, ein Kommunal-Colleége, eine öffentliche Bibliothek und ein Theater. Auf dem Stadthausplatze erhebt sich die Bronzestatue des 1814 zu V. geborenen Dramatikers Ponsard, von Dechaume. Die Stadt zählt (1881) 21345 (Gemeinde 26060) E., welche bedeutende Tuchfabriken (mit einer jährlichen Produktion für 10 Mill. Frs.), Färbereien, Wollspinnereien,‚ Dampfmaschinenbauanstalten, außerdem Seidenwirkereien, Gerbereien, Schmelzhütten, Hohöfen und Stahlhämmer, eine Glashütte u. s. w. unterhalten, auch Quincaillerie-und Scharschmiedartikel, Kartons, Karden u. s. w. fertigen und ansehnlichen Handel mit Korn, Wolle, Tuch, Metallwaren, Bougies, besonders aber mit Cöte-Rötieweinen treiben, die auf dem gegenüberliegenden Rhöne-Ufer in den Weinbergen von Condrieu, Ampuis u. s. w. wachsen und ihre Hauptniederlage hier haben. V. hat viele liberreste aus der Römerzeit, und sein Altertümermuseum in der aus dem 9. Jahrh. stammenden roman. Kirche St.⸗Pierre enthält eine reiche Sammlung von in der Stadt und deren Umgebung gefundenen antiken Statuen, Reliefs, Votivtafeln, Meilensteinen, Vasen, Lampen u. s. w. Der Tempel des Augustus und der Livia, welcher im Mittelalter zum christl. Gottesdienst benutzt wurde, ist ein wohlerhaltenes, 27 m langes, 15 mbreites und 17,35 m hohes Gebäude mit korinth. Säulenfacade und drei Peristylen. Die sog. Aignille, südlich vor der Stadt, eine vierseitige Steinpyramide von 16 m Höhe und 16 m Umfang an der Basis, mit korinth. Arkaden geschmückt, wird für die Spina eines großen Circus, von andern für ein Grabmal gehalten. Außerdem sind die Reste eines Forums, mehrerer Aquädukte, eines Amphitheaters und eine Citadelle vorhanden, letztere auf dem Mont-Pipet, auf welchem 1860 eine kolossale Statue der Jungfrau Maria errichtet wurde. Die alte Stadt Vienna, Hauptort der gallischen Allobroger, seit Kaiser Diocletian der röm. Provincia Viennensis in Gallia Narbonensis, wurde erst von Augustus mit einer 6 km langen Mauer umgeben und war unter den röm. Kaisern Hauptsitz des kelt. Adels und Nebenbuhlerin von Lugdunum (Lyon). Im Mittelalter war sie Hauptstadt des ersten und zweiten Burgundischen Königreichs (bis 534, 879 — 1032), später einer Grafschaft (Viennois, Pagus Viennensis), die erst Ludwig XI. völlig mit dem Dauphiné vereinigte. Auch war sie Sitz eines Erzbischofs, der den Titel eines Primas von Gallien führte. Unter den vielen hier gehaltenen Konzilien ist das von 1311 bis 1312 das wichtigste, auf welchem Papst Clemens V. durch eine Bulle vom 2. Mai 1312 den Tempelherrenorden aufhob.