Villa, Landhaus, hieß bei den Römern ein Haus auf dem Lande; die dazu gehörige Flur wurde im allgemeinen ager genannt. Lag das Haus dicht vor dem Thore einer Stadt, so hieß sie Villa suburbana (wie z. B. die Villa des Diomed zu Pompeji). Im Gegensatz dazu hieß das städtische Haus Villa urbana. Die V. der reichen Römer späterer Zeit wurden in Bauart und Ausschmückung mit einer verschwenderischen Pracht ausgestattet. Am bekanntesten sind die V. des Plinius, davon ausführliche Beschreibungen erhalten sind. Am großartigsten war die V. des Kaisers Hadrian zu Tivoli, von welcher viele ausgedehnte Ruinen noch vorhanden sind. Die oft sehr zahlreichen Wirtschaftsgebäude, in welchen auch der Villicus (Verwalter oder Meier) mit den ihm untergebenen Sklaven wohnte und daran sich zunächst die Vogelhöfe, Viehställe, Obst⸗, Wein-⸗ und Gemüsegärten anschlossen, begriff man unter der Bezeichnung Villa rustica, die Vorratsgebäude speziell hießen Villa fructuaria. In der Zeit der Karolinger hießen Villae regiae die königl. Meiereien oder Domänen, auf welchen häufig auch die Könige selbst ihren Aufenthalt nähmen. Die Italiener haben Namen und Sache aus dem Altertum beibehalten. In Italien gibt es in der Nähe aller größern Städte zahlreiche Landhäuser, in welchen die städtischen Besitzer derselben während der heißen Jahreszeit sich aufzuhalten pflegen. Wegen ihrer hohen künstlerischen Ausbildung in architektonischer wie gärtnerischer Beziehung, sowie wegen ihres Reichtums an Kunstwerken weltberühmt sind die römischen V. aus dem Zeitalter der Renaissance, besonders die V. Albani, Borghese, Farnese, Ludovisi, Madama, Massimi, Medici, Doria-Pamfili, Spada u. a. zu Rom und die V. d'Este zu Tivoli. Aber auch bei Florenz, Neapel, Genua, Vicenza u. s. w. gibt es V. von hervorragender Bedeutung. Von Italien aus sind die V. nach Frankreich und Deutschland übertragen und daselbst in der neuern Zeit in großer Anzahl gebaut worden. Doch nennt man in Deutschland V. vorzugsweise die kleinern Landhäuser im Renaissancestil oder überhaupt freistehende und von Gartenanlagen umgebene, kleinere, höchstens bis zu zwei Stockwerk hohe, elegante Wohngebäude im Gegensatz zu den großen und hohen in fortlaufender Straßenlinie erbauten Häusern.