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ErdkundeBrockhaus 1882

Tibur, das heutige Tivoli, in Latium am Abhange des Sabinergebirges, am Abfall des Monte-Ripoli auf dem linken Ufer des Anio (Teverone) gelegen, soll der spätern Sage nach von Siculern lange vor Rom gegründet sein. Als mächtige Stadt in den Kriegen der Latiner gegen Rom eine Rolle spielend, wurde sie 338 v. Chr. mit Präneste zusammen von L. Furius Camillus unterworfen. T. war von dieser Zeit an eine kleine Landstadt mit municipaler Verfassung, genannt meistens deshalb, weil reiche Römer in der gesunden und romantischen, namentlich von Horaz gefeierten Gegend Villen anlegten. Zahlreiche Reste (ohne Grund Villa des Mäcenas, des Quintilius Varus, des Brutus und Cassius genannt) liegen in der Nähe der Stadt, etwa 4 kmkentfernt, in der Ebene am Fuße der Hügel, die mehrere Stunden im Umfang messenden, höchst bedeutenden Ruinen der Villa des Kaisers Hadrian, um 130 n. Chr. gebaut, Fundstätte vieler hervorragenden Kunstwerke, die das Vatikanische, Kapitolinische und andere Museen schmücken. Von sonstigen Resten aus dem Altertum sind bemerkenswert: ein kleiner graziöser Rundtempel (Tempel der Sibylle, der Vesta, auch des Hercules Saxanus genannt, aber alles ohne Grund) oberhalb der Fälle des Anio, in der Nähe ein kleiner ionischer Pseudoperipteros, bis vor kurzem Kirche San-Giorgio (ebenso grundlos wie jener als Tempel des Hercules Tiburtus oder der Sibylle bezeichnet). Im Mittelalter standen die Einwohner von Tivoli meist auf Seite der ghibellinischen Partei und haben mehrmals deutsche Kaiser in ihren Mauern empfangen (Friedrich II., Heinrich VII.); mit den Römern lagen sie in lange dauernden Fehden, bis Papst Pius II. zur Bändigung der Tivolesen das noch heute stehende Kastell anlegte (1460). Im 16. Jahrh. gehörte Tivoli der Familie Este; Kardinal Ippolito d'Este ließ durch Pirro Ligorio 1549 hier eine Villa anlegen, welche eine der großartigsten Schöpfungen dieser Art und noch jetzt, trotz langer Vernachlässigung, eine der sehenswürdigsten Renaissanceanlagen it. Im J. 1826 riß der Anio bei sehr starkem Hochwasser einen Teil des Ortes weg, worauf durch zwei den Monte-Catillo durchbohrende Tunnel etwa der Hälfte des Flusses eine Ableitung oberhalb der Stadt geschaffen wurde (1834). Das moderne Tivoli, eng und schmutzig gebaut, außer der Villa d'Este ohne bemerkenswerte Gebäude, ist Station der Linie T.⸗Mandela der Italienischen Staatsbahnen, mit Rom durch Dampf-Tramway verbunden und zählt (1881) 9730, als Gemeinde 10 122 E. Vgl. Viola, «Storia di Ti⸗- volid (Rom 1819); Nibby, «Analisi della carta de' dintorni di Romas (Bd. 3, Rom 1849).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 677Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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