Vincent, Saint-Vincent, portug. Cabo de Säo-Vicente (im Altertum nach dem phöniz. Herakleskult Promontorium sacrum genannt, bei den Mauren des Mittelalters Tharaf el Arab, auch Kenisa el gorab), die äußerste Südwestspitze Portugals und ganz Europas, unter 37 2 437 nördl. Breite und 840,35“ östl. L. (von Ferro), eine nackte Felsenzunge, beiderseits von äußerst zerrissenen, über 65 m hohen Felsenwänden eingefaßt, an denen das hier sehr tiefe Meer furchtbar brandet. Der äußerste Vorsprung trägt ein im 14. Jahrh. gegründetes, 1834 verlassenes, halb verfallenes Franziskanerkloster auf drei Felsenkegeln, zwischen denen die Meereswogen hindurchschlagen. Hier erhebt sich auch ein Leuchtturm. Die Alten hielten V. für das westlichste Kap der ganzen bekannten Erde. Nur 4 km südöstlich vom Kap, jenseit der Bucht von (Ensenada de) Beliche, springt die auf drei Seiten unzugängliche Landzunge Ponta de Sagres südwärts in das Meer vor, die 0 einen 156 mebreiten Isthmus mit der Küste verbunden ist. Auf ihr steht das kleine, kaum 300 E. zählende, nur auf der Landseite befestigte Städtchen Sagres (arab. Schakresch, vom lat. Sacrum Promontorium), ein Waffenplatz der Provinz Algarve, mit einem nur für Fischerbarken zugänglichen Seehafen; Heinrich der Seefahrer besaß hier einen Landsitz Terga-Nabal oder Tercena-Naval, später Villa do Infante genannt, errichtete an diesem Orte eine Sternwarte und nautische Schule, leitete von hier aus die portug. Entdeckungsreisen und starb daselbst 13. Nov. 1460. Sein Haus, dessen Stelle man noch zeigt, die Kirche, Kaserne, ein Teil der Festungswerke und alle großen Gebäude wurden durch das Erdbeben von 1755 zerstört. Sein Andenken bewahrt ein 1839 errichtetes Denkmal. Am 16. Jan. 1780 siegte hier die engl. Flotte unter Rodney über die spanische unter Langara; ebenso 14. Febr. 1797 unter dem Admiral Jervis (f. Saint-Vincent) und dem Commodore Nelson gegen Cordova; 3. Juli 1833 schlug Napier hier die Flotte Dom Miguels.