Vionville, Dorf im deutsch-lothring. Landkreise Metz, 19 km westlich von Metz, unweit der franz. Grenze, in der Kriegsgeschichte berühmt durch die Schlacht von Vionville-Mars-la-Tour, welche 16. Aug. 1870 daselbst geschlagen wurde und als ein großer strategischer Sieg des Prinzen Friedrich Karl von Preußen über den franz. Marschall Bazaine, dessen Abmarsch von Metz nach Verdun durch diese Schlacht unmöglich wurde, bezeichnet werden muß. Dieselbe war insofern die Fortsetzung der Schlacht bei Colombey-Nouilly, als der einmal verzögerte Abmarsch Bazaines von Metz nunmehr gänzlich verhindert, sowie der projektierte umfassende strategische Angriff auf die franz. Armee und die Bedrohung deren Rückzugslinie zur völligen Ausführung gebracht werden sollten. Eins wie das andere gelang völlig, wenn auch mit großen Opfern und nicht in einer, sondern in zwei heißen Schlachten, bei V. 16. Aug. und bei Gravelotte (. d.) 18. Aug. Die Vorbereitungen zur Schlacht begannen 15. Aug. abends durch Überschreiten der Mosel seitens des 3. deutschen Korps (Alvensleben II.) und Vorrücken desselben bis in die Gegend von Gorze; in der Nähe dieses Ortes, nordwestlich und nördlich desselben, wurde am Tage darauf die Schlacht geschlagen, Die 5. und 6. Kavalleriedivision leiteten deutscherseits den Kampf ein, den General von Alvensleben II. mit seinem (3.) Korps aufnahm; vom frühesten Morgen bis gegen 9 Uhr mußte die deutsche Kavallerie den Kampf mit der franz. Infanterie fast allein halten, bis die Infanteriedivisionen des 3. Korps auf der Walstatt erschienen. Gegen 11 Uhr war V. genommen; um 12 Uhr hatte das 3. Korps von der Römerstraße, östlich V. vorbei auf Flavigny, bis zum Walde von V. die 5 km lange Stellung erkämpft, die es nun zu behaupten galt; im ersten Treffen kämpfte fast die 5 die Infanterie und Artillerie, im zweiten stand die Kavallerie am Walde von Gaumont, bei Flavigny und Tronville, wo um Mittag die ersten Bataillone des 10. Korps eintrafen, das, von Thiaucourt und Pont⸗-à-Mousson her anrückend, im Laufe des 16. Aug. St.⸗Hilaire-Maizeray auf der Straße Metz-Verdun erreichen sollte. Um Mittag beeilten sich Bazaine und Frossard, der wankenden franz. Mitte Hilfe zu bringen; sie verstärkten die Stellungen ihres 2. Korps, während fast gleichzeitig der deutsche linke Flügel von dem Korps des Marschalls Canrobert schon umfaßt wurde. General Bredow erhielt Befehl, mit seiner Kavalleriebrigade Luft zu schaffen; er erstieg die sanften Höhen nördlich V., entwickelte sich im heftigsten Feuer nach der rechten Flanke und überritt in einer 3000 Schritt langen Attacke alles, was vom Canrobertschen Korps ihm entgegenstand. Der Zweckwar somit erreicht und aus dieser Richtung erfolgte 16. Aug. kein Angriff mehr. Es war jetzt 3 Uhr geworden, und während in ostwestl. Front der Kampf nur langsam weiterbrannte, entwickelte sich in nordsüdl. Richtung eine zweite heiße Schlacht zwischen frischen Truppen, dem 3. und 4. franz. und dem 10. deutschen Korps. Die Kämpfe zwischen diesen währten fast drei Stunden und endeten bei der großen überzahl des Feindes (schließlich 26 gegen 5 Bataillone) mit einem «langsam zurücko, das nur mit Mühe vor Auflösung be⸗ +. werden konnte und große Verluste herbeiführte. ährend dies sich auf dem linken Flügel der Preußen ereignete, hielt in der Mitte und auf dem rechten Flügel das 3. Korps mit Zähigkeit fest; der Kampf war beiderseits zum Stehen gekommen.“ Um 4 Uhr war der erst nachmittags über die Bedeutung des Zusammenstoßes in Pont-à-Mousson unterrichtete Oberbefehlshaber Prinz Friedrich Karl nach einem Gewaltritte von fünf Viertelstunden auf dem Schlachtfelde eingetroffen. Um diese Zeit mußten beide Parteien wünschen, die Schlacht zur Entscheidung zu bringen; General l'Admirault wollte den Erfolg seiner Infanterie durch Kavallerie ausbeuten lassen, General von Voigts-⸗Rhetz zog die ihm zugeteilte Gardedragonerbrigade vor, und so folgte der Zusammenstoß dieser Reitermassen. 5000 Reiter vermischten sich im Handgemenge zum größten Reitergefecht des Kriegs, bei welchem die franz. Kavallerie weichen mußte. Noch wurde ein gemeinsamer Versuch gegen die Höhe von Rezonville gemacht; doch der Feind stand zu massenhaft, eine Entscheidung war nicht mehr zu erzwingen. Mit einbrechender Dämmerung wurden preuß. Vorposten vom Bois des Ognons über das schwer errungene und heldenmütig behauptete Plateau von Rezonville bis zum Yronbach ausgesetzt; noch in der Nacht jräumte der Feind seine Stellung und ging näher auf Metz zurück. Die Schlacht bei V. ist eine der blutigsten des 19. Jahrh.: es kämpften nach und nach im Laufe des Tags 138000 Franzosen mit 14476 Geschützen gegen 67000 Deutsche mit 222 Geschützen; der Verlust der Preußen betrug 711 Offiziere, 9 Arzte, 15079 Mann und 2736 Pferde, der der Franzosen 879 Offiziere, 16128 Mannleinschließlich der Gefangenen) und 1 Geschütz. Das 3. westfälische Infanterieregiment Nr. 16 verlor an diesem Tage 49 Offiziere und 1736 Mann, darunter an Toten 27 Offiziere und 526 Mann. Es sind dies die schwersten Verluste, die während des ganzen Kriegs vorgekommen sind. Der größte Teil des Schlachtfeldes von V. liegt auf deutsch gewordenem Gebiete, dessen Grenze dicht vor dem Dorfe Mars-la-Tour liegt. (S. Deutsch⸗-Französischer Krieg von 1870 und 1871, Bd. V, S. 191, und die Tafel: Die Kämpfe um Metz, Bd. XI, S. 677.)