Vitis Hob., eine Pflanzengattung, welcher der Weinstock (Vitis viniféra) angehört. (S. Wein, Weinstock.) Sie umfaßt kletternde Ziersträucher, welche mit Hilfe hierzu geeigneter Organe (Ranken) an andern Gewächsen emporklimmen und abwechselnde, gelappte oder eingeschnittene oder gesägte Blätter und kleine, rispige Trauben bildende Blüten mit dem Weinstocke gemein haben. Auch einige Formen der letztern können dieser Kategorie beigerechnet werden, z. B. var. laciniosa, der sog. Petersilienwein, mit zierlich geschlitzter Belaubung, und var. purpurea, die Färbertraube, ausgezeichnet durch eine schon im Juli eintretende Herbstfärbung, in der die Blätter mit hell⸗ und dunkelroten Tinten sich schmücken. Zur Ausstattung parkartig stilisierter Gärten eignen sich aber vorzugsweise die aus Nordamerika eingeführten Vitisarten, welche alle durch malerischen Wuchs, starkes Wachstum und kräftige, schön modellierte Belaubung ausgezeichnet sind. V. Labrusca L., die nördliche Fuchsrebe, hat herzförmige, drei⸗ oder fünflappige, scharfgezähnte‚, auf der untern Seite mit grauem oder rostfarbigem Filz bekleidete Blätter, welche bei Catawba und Isaabella, ihren Formen, ungewöhnliche Dimensionen erreichen. V. aestivalis MeVe., die Sommerrebe, klettert gleich der vorigen Art 10 m hoch. Die Blätter sind herzförmig, 16 em lang und 12 em breit, drei⸗ bis fünflappig, in der Jugend unten spinnwebartig-rötlich behaart. V. corditolia Mchæ., die Frosttraube, durch herzförmige, spitze, eingeschnitten-gezähnte, auf beiden Flächen glatte Blätter charakterisiert. Dieser Strauch hält sich niedriger und unterscheidet sich außerdem von den vorigen Arten durch diöcische oder polygamische Blüten. Ihren Namen verdankt sie der Eigenschaft, daß die Beeren erst durch die Einwirkung des Frostes genießbar werden. V. riparia Mche., die Uferrebe, mit herzförmigen, schwach dreilappigen, eingeschnitten-gezähnten Blättern und resedaartig duftenden grünlichgelben Blüten. V. vulpina Torr. et Or., die s üdliche 9— e, steigt bis in die Spitzen der höchsten äume; ihre Blätter sind etwas klein, herzförmig, auf beiden Seiten glänzend. Die Früchte fast aller nordamerik. Vitisarten sind zwar genießbar, haben aber einen stark ausgesprochenen Moschusgeschmack. Leider ist mit diesen Klettersträuchern auch die Reblaus (s. d.) eingeführt und durch diese ein schweres Verhängnis über den europ. Weinbau eraufbeschworen worden. Obgleich die amerik. Reben nicht bloß mit der Wurzelform dieses Insekts, sondern auch mit einer bef den Blättern Gallen bildenden Form reichlich besetzt sind, so erleiden sie doch ihres üppigen Wachstums wegen durch diesen Schmarotzer keinen Schaden, während die europ. Reben, wo dieser sich einnistet, unrettbar verloren sind. Mit Recht erzieht man deshalb in Frankreich amerik. Arten der Rebe aus Samen, um Grundstämme zum Bepfropfen mit europ. Reben zu gewinnen. Vgl. von Babo und Rümpler, „Die amerik. Weintraubeno (Berl. 1884).