FeedWöhler (Friedr.)
NaturlehreBrockhaus 1882

Wöhler (Friedr.), ausgezeichneter deutscher Chemiker, geb. 31. Juli 1800 zu Eschersheim bei Frankfurt a. M., erhielt seinen ersten Unterricht im elterlichen Hause zu Rödelheim, wo sein Vater sich als Landwirt niedergelassen hatte, und besuchte seit 1812 das Gymnasium zu Frankfurt. Im J. 1819 bezog er die Universität Marburg, um sich mediz. Studien zu widmen, die er 1820 —23 zu Heidelberg fortsetzte, wo er sich auch mit Chemie und Mineralogie beschäftigte. Nachdem er im Sept. 1823 als Doktor der Medizin promoviert hatte, gab er, auf den Rat von Gmelin, die mediz. Laufbahn vorläufig auf und ging nach Stockholm zu Berzelius, in dessen Privatlaboratorium zu arbeiten ihm gestattet war. Hier blieb er fast ein Jahr, während dessen er auch Berzelius auf einer größern geognostisch-mineralog. Reise begleitete. Hauptsächlich durch diesen, der ihm ein väterlicher Freund geworden war, bestimmt, widmete er sich nun ausschließlich der Chemie. Nach seiner Rückkehr erhielt er, empfohlen durch L. von Buch, im März 1825 eine Anstellung als Lehrer der Chemie und Mineralogie an der neugegründeten Gewerbesesor in Berlin. Obgleich bereits 1827 zum Proessor an derselben ernannt, nahm er, Familienverhältnisse wegen, schon 1831 seinen Abschied und zog nach Kassel. Hier wurde er bald darauf beauftragt, sich an der Einrichtung der hier neu zu errichtenden höhern Gewerbeschule zu beteiligen, an der er später die Lehrerstelle für Chemie erhiell Nach Stromeyers Tode folgte er im März 1836 einem Rufe als ord. Professor der Medizin, Direktor des chem. Instituts und Generalinspektor der hannov. Apotheken nach Göttingen, wo er mit günstigstem Erfolge wirkte und 23. Sept. 1882 starb. Seine zahlreichen Untersuchungen und Entdeckungen hat er meist in Fachzeitschriften, wie in den Liebigschen KAnnalen der Chemie und Pharmacie v, deren Mitherausgeber er 1838 wurde, und andern veröffentlicht. Die weiteste Verbreitung im In⸗ und Auslande fand sein Grundriß der Chemiey. Der erste Teil desselben umfaßt den Grundriß der unorganischen Chemie (Berl. 1831; 15. Aufl., Lpz. 1873), der zweite den „Grundriß der organischen Chemie (Berl. 1840; 10. Aufl. 1877). Ferner sind zu nennen: «Die Schwefelwasserquellen zu Nenndorf» (Kass. 1836) und 4« Die Mineralanalyse in Beispieleno» (Gött. 1861). Auch machte er sich durch die deutsche Bearbeitung von Berzelius' «Lehrbuch der Chemie » (4 Bde., Dresd. 1825; 10 Bde., Dresd. u. Lpz. 1835—41; 5 Bde., ebend. 1843—48), sowie von dessen Jahresbericht über die Fortschritte der physischen Wissenschafteno verdient.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 719Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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