Vogler (Georg Jos.), gewöhnlich Abt V. genannt, bedeutender Musiktheoretiker, Klavier⸗ und Orgelspieler und Komponist, geb. zu Würzburg 15. Juni 1749 als Sohn eines Geigenmachers, der ihm frühzeitig eine musikalische Erziehung gab. Litterarische Studien machte er bei den Jesuiten in Würzburg und Bamberg, und man behauptet, er sei in ihren Orden getreten. Im J. 1771 kam er nach Mannheim, komponierte hier ein Ballett und gewann die Gunst des Kurfürsten Karl Theodor, der ihn zu höherer Ausbildung nach Italien schickte, wo er sich aber von Peter Martini in Bologna, der nach dem Lehrbuche von Fux unterrichtete, bald nach Padua zu Pater Vallotti wandte, dessen modernes System er sich aneignete und später in seinen Schriften verbreitete. Nebenher trieb er theol. Studien, erhielt in Rom die Priesterweihe und der Papst ernannte ihn zum Protonotar und Kämmerer. Im J. 1775 kehrte er nach Mannheim zurück, wurde hier Hofkaplan, 1777 zweiter Kapellmeister und errichtete eine Musikschule. Er ging 1779 mit dem pfälz. Hofe nach München, wo er 1780 die Musik zu dem Drama «Albert III. » komponierte. Doch gab er bald darauf seine Stellen auf und begann ein Wanderleben hauptsächlich als Orgelvirtuos; 1786 wurde er in Stocholm königl. Kapellmeister, und erfand daselbst das Orchestrion (Art tragbarer Orgel), mit welchem Instrument er seit 1789 wieder auf Reisen ging. Nachdem er 1791 wieder in Mannheim gewesen war und daselbst seine Oper «Castor und Polluxo zur Aufführung gebracht, begab er sich abermals nach Stockholm, wo er seine Oper 4Gustav Adolfo in Scene brachte und einige Jahre Vorlesungen über Musik hielt. Im J. 1799 besuchte er Kopenhagen, wo er zum rama «Hermann von Unna die Musik schrieb, wandte sich 1800 nach Berlin, dann nach Prag und 1803 nach Wien zur Aufführung seiner Oper «Samoriv, worauf er endlich 1807 in Darmstadt als Hofkapellmeister und geheimer geistlicher Rat Anstellung erhielt und seine zwei berühmtesten Schüler, C. M. von Weber und Meyerbeer, bildete. V. starb 6. Mai 1814. Von seinen musiktheoretischen Schriften sind anzuführen: «Tonwissenschaft und Tonsetzkunst» (Mannh. 1776), ⸗Mannheimer Tonschuler (um 1778), «Choralsystemo (Kopenh. 1800), (Handbuch zur Harmonielehre und für den Generalbaßo (Prag 1802), «System für den Fugenbauv (Offenb. 1817). An Kompositionen erschienen von ihm zahlreiche Kirchensachen, Orchester-und Klavierstücke, Duetten, Trios und Quartette für Klavier mit Streichinstrumenten, Orgelsachen etc. Bezüglich der Orgelbaukunst stellte er das sog. Simplifikationssystem (Vereinfachung) auf, das zwar vielfach getadelt wurde, aber im ganzen nicht ohne Nutzen blieb.