FeedWagram oder Deutsch-Wagram
ErdkundeBrockhaus 1882

Wagram oder Deutsch-Wagram, Dorf in der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg in Ssterreich unter der Enns, ist denkwürdig durch die Schlacht bei Wagram, welche dort Napoleon 5. und 6. Juli 1809 gegen den Erzherzog Karl gewann. Nach der verlorenen Schlacht bei Aspern und Esling (s. d., Bd. II, S. 70) verstärkte sich Napoleon durch die Armee des Prinzen Eugen, ließ die Donau-Insel Lobau befestigen und verband dieselbe durch mehrere Brücken mit dem rechten Ufer. Erzherzog Karl hatte ebenfalls seine Armee verstärkt und bedeutende Verschanzungen zwischen Großaspern und Enzersdorf phleanen lassen. Am 1. Juli 1809 verlegte Napoleon sein Hauptquartier auf die Lobau. Um den Erzherzog über den übergangspunkt zu täuschen, schickte er 4. Juli ein kleines Korps auf die Mühlinsel, Esling gegenüber, das hier unter dem Feuer der Osterreicher eine Brücke auf die Insel Lobau schlug. Nachts gegen 10 Uhr eröffneten die franz. Batterien auf den Inseln ein heftiges Feuer gegen das linke Donauufer und steckten Enzersdorf in Brand. Zugleich setzten einige tausend Mann unter dem Oberst Sainte-Croix von der Insel Lobau aus in Kähnen über den linken. Donauarm, nahmen die österr. Schanzen und drangen gegen Wittau vor. Unter dem Schutze dieser Truppen ging nun bis nachts 2 Uhr, von Finsternis und Gewitterstürmen begünstigt, die franz. Hauptmacht von der Insel Lobau auf das linke Donauufer über. Am Morgen des 5. Juli hatten die Franzosen auf dem linken Flußufer ihre Fronte nach Norden; ihr linker Flügel war an die Donaubrücke gelehnt, ihr rechter nach Wittau hin ausgedehnt. Auf der äußersten Linken befehligte Massena; dann schlossen sich Eugen und Bernadotte mit den Sachsen an; die Mitte bildeten Marmont, Oudinot und die Garde, den rechten Flügel das Korps Davousts. Das franz. Heer zählte 151000 Mann mit 584 Geschützen. Der rechte Flügel der Ssterreicher, unter Klenau und Kolowrat, stand von Stadelau bis Gerasdorf; die Mitte, von Bellegarde und dem Erzherzog Karl selbst befehligt, stand von Gerasdorf bis nach W., der linke Flügel, unter Rosenberg und Hohenzollern, von W. bis nach Neusiedel. Die österr. Aufstellung bildete einen Winkel, in dessen Scheitel W. lag, und zählte 120000 Mann mit 410 Geschützen. Um 8 Uhr morgens des 5. Juli eröffnete Massena die Schlacht und erstürmte Enzersdorf, worauf die Osterreicher die Dörfer Esling und Aspern räumten und auf Stammersdorf abzogen. Die ganze franz. Armee rückte nun vor, richtete sich besonders gegen den linken österr. Flügel und besetzte bald, den Rußbach vor sich, das Marchfeld. Am Nachmittag entspann sich das Feuer auf der ganzen Linie des Rußbachs. Davoust versuchte den linken österr. Flügel zu umgehen, wurde aber von Liechtensteins Reiterei unter Nostitz zurückgeworfen. Desgleichen mißlang ein blutiger Angriff, den die Franzosen gegen 7 Uhr abends unter Oudinot auf W., den Schlüssel der österr. Stellung, machten. Nachts 11 Uhr ließ Napoleon diesen Angriff von einer sächs. und franz. Kolonne unter Prinz Eugen und Bernadotte vergeblich wiederholen. Der Erzherzog wollte 6. Juli mit seinem rechten Flügel Napoleon von der Donau abdrängen, und hatte dem Erzherzog Johann, der bei Preßburg stand, Befehl erteilt, dem Feinde in den Rücken zu gehen. Der Ordonanzoffizier, welcher diesen Befehl überbringen sollte, fand aber die Marchbrücke abgebrochen und verspätete sich um sechs Stunden. Am Morgen des 6. Juli rückte der österr. rechte Flügel unter Klenau vor, nahm Aspern und Esling und drang über Breitenleehinaus. Napoleon bildete aber aus zwei Divisionen unter Maedonald, der Gardekavallerie, einer Kürassierdivision und 100 Geschützen unter Lauriston eine große Angriffskolonne, mit welcher er die österr. Mitte zwischen W. und Aderklaa festhielt. Davoust griff den linken österr. Flügel an und wurde nach und nach verstärkt, sodaß er gegen Mitta über ein Drittteil der ganzen Armee verfügte. Die Ssterreicher bildeten einen Haken rückwärts und verlängerten denselben, als sie von immer neuen Kolonnen umfaßt wurden, wurden aber schließlich durchbrochen. Mittags 1 Uhr war die Schlacht entschieden. Das Aufrollen des linken Flügels, während die Mitte und der rechte im stehenden Gefecht festgehalten wurden, bewog den Erzherzog Karl zum Rückzuge. Der Gesamtverlust der Osterreicher betrug 24000 Mann tot und verwundet, darunter 753 Offiziere. Die Franzosen verloren mindestens ebenso viel, unter anderm auch 7000 Gefangene, 12 Fahnen und 11 Geschütze. Am 11. Juli bestand der Erzherzog Karl zur Rettung Rann Geschützes und Gepäcks noch bei Znaym gegen armont ein Waf Gefecht. In der folgenden Nacht wurde der Waffenstillstand geschlossen, dem 14. Okt. 1809 der Friede zu Wien folgte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 378Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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