Walsische (Balaenidae) oder Bartenwale nennt man eine Familie der Waltiere (s. d.), welche im erwachsenen Zustand keine Zähne, sondern senkrecht gestellte, oben am Gaumen befestigte, unten zerfaserte Hornplatten besitzt, die Barten genannt werden und das sog. Fischbein (s. d.) liefern. Zu dieser Familie gehören die mit einer Rückenflosse versehenen Finnsische (s. d.) mit dem nordischen Finnwal (Balaenoptera boops, Tafel: Seesäugetiere, Fig. 10) und die eigentlichen oder Glattwale (Balaena), die keine Rückenflosse besitzen, und von welchen man zwei Arten kennt, den gemeinen oder nordischen Walfisch (B. mysticetus, Fig. 9) und den südlichen Walfisch (B. australis). Beider Heimat sind die Polarmeere, in welche sie sich mehr und mehr bei zunehmender Jagd (wegen der Barten und des Thrans) zurückziehen. Der südliche W. ist kleiner, breitschnauziger als der nordische, der bis 20 m lang und bis 150000 kg schwer wird. Die Kiefern sind bis 7, die längsten Barten 4m lang und die horizontale Schwanzflosse mißt querüber 5 m. Unverhältnismäßig klein erscheinen hingegen die nach oben gerichteten Augen, die kaum größer als die eines Ochsen sind und unmittelbar über dem Ende der Mundspalte vor den sehr engen Ohröffnungen stehen. Die Brustflossen sind plump und breit. Die große Enge des Schlundes erlaubt dem W. nur kleine Fische und Weichtiere zu verschlingen, die er zu Tausenden einschlürft, während er das Wasser mittels der auf der Höhe des Kopfes befindlichen Spritzlöcher von sich gibt. Er schwimmt außerordentlich schnell und kann in großen Tiefen über eine Viertelstunde aushalten. Selten trifft man größere Gesellschaften, die sich gegenseitig unterstützen. Nur das Weibchen verteidigt sein Junges, das es nie aus dem Auge läßt, mit größter Unerschrockenheit. Der W. muß, nach der zehnmonatlichen Tragzeit geschätzt, ein bedeutendes Lebensalter erreichen können. Eigentliche Heimat der W. sind die antarktischen Meere bis zum Kap der Guten Hoffnung herauf und jetzt die arktischen jenseit des 66. Breitengrades, während er früher auch an deutschen und franz. Küsten gefunden wurde. Die Ursache dieses Zurückziehens liegt in dem Walfischfange, der schon im 9. Jahrh. von den Norwegern, im 13. und 14. von den Basken betrieben wurde, die 1372 bis nach Neufundland, später tief ins Eismeer vordrangen. Seit 1613 traten die Holländer an ihre Stelle.! Endlich versuchten sich 1732 die Engländer darin, die 1760 trotz aller Widerwärtigkeiten sich des Monools bemächtigt hatten. Neuerdings hat die Zahl der Walfischjäger, obgleich sich seit 1815 auch Franzosen, Amerikaner, Holländer und Deutsche (Glückstadt) hinzugesellten, im Nordpolarmeere sehr abgenommen, während der Walsischfang in der Südsee an Bedeutung zunimmt. Neben vielen Strapazen erwarten den Walfischjäger in den Polargegenden große Gefahren: Eisberge drohen ihn zu zermalmen. Die zum Harpunieren ausgesandten Boote werden oft durch den Schlag vom Schwanze des gereizten Tieres vernichtet, weshalb man die Harpunen häufig durch Raketen oder Kanonenkugeln zu werfen versucht. Es erklärt sich daraus die Abnahme der Grönlandsfahrten, die durch das Verschwinden der W. immer riskanter werden.