Wallner (Franz), eigentlich Leidesdorf, Schauspieler, Theaterdirektor und Schriftsteller, geb. 25. Sept. 1810 zu Wien, nahm den Namen W. erst an, als er 1830 zur Bühne überging. Nach mancherlei Wendungen kam W. 1836 an das Josephsstädter Theater in Wien, wo er in Raimundschen Rollen Beifall fand. Dann gastierte er zehn Jahre hindurch auf vielen Theatern Deutschlands und Ungarns, bis er 1848 nebst seiner Gattin ein Engagement am petersburger Hoftheater erhielt. Im J. 1850 begann W. eine neue Gastspielreise; im folgenden Jahre eröffnete er seine Laufbahn als Theaterdirektor zu Freiburg i. Br. und Baden-Baden mit gutem Erfolge, übernahm 1853 das Stadttheater zu Posen und 1855 das unter Cerfs Leitung in Verfall geratene Königstädter Vaudevilletheater in Berlin. Am 3. Dez. 1864 eröffnete er an Stelle des letztern das großartige, nach ihm benannte Wallner-Theater, wo er das Lustspiel, das Volksstück und die berliner Lokalposse pflegte. Aus Gesundheitsrücksichten zog sich W. 1. Mai 1868 von der Leitung seines Theaters zurück, machte große Reisen, die ihn bis nach Nubien führten, und starb zu Nizza 19. Jan. 1876, wurde aber in Berlin beerdigt. Litterarisch hat sich W. durch Arbeiten ber seine Reisen und theatralische Erlebnisse, «Rückblicke auf meine theatralische Laufbahno (Berl. 1864), u. s. w. bekannt gemacht. Agnes W., geborene Kretzschmar, Gattin des vorigen, geb. 22. Dez. 1826 zu Leipzig, Pflegetochter Robert Blums, begann daselbst mit 15 Jahren ihre theatralische Laufbahn. Nachdem sie in Chemnitz, Altenburg, Berlin (am Königstädter Theater) und Riga mit großem Beifall gespielt, vermählte sie sich 1848 und folgte hinfort ihrem Gatten. Am Wallner-Theater zeichnete sie sich besonders in eleganten franz. Konversationsrollen aus.